Stammgeschichte: Osseten ursprünglich indogermanisch, Georgier kaukasisch

Osseten stammen von iranischen Alanen ab Georgien durch Einigung von Kaukasus-Stämmen

Die Osseten (auch: Ossen) sind ein indogermanisches Volk, das sich vom iranischen Stamm der Alanen ableitet. Dieses Reitervolk, ursprünglich bestehend aus halbnomadischen Viehzüchtern, lebte im 2. Jahrhundert vor Christus in Gebieten des heutigen Nordkasachstan und im Nordosten des Kaspischen Meeres. Im 1. Jahrhundert nach Christus wurden die Alanen auch im Nordkaukasus ansässig und zogen auch in die südrussische Steppe.

Von dort aus unternahmen sie Raubzüge nach Armenien und Kleinasien. Um die Mitte des 4. Jahrhunderts drangen die Hunnen in die Siedlungsgebiete der Alanen ein, diese schlossen sich dann zum Teil dem Zug der Germanen nach Europa an. Mit den Vandalen gelangten sie bis in das heutige Spanien und nach Nordafrika. Ob sich die Bezeichnung für das Volk im Namen der heutigen Autonomen Region Katalonien wiederfindet, ist nicht zweifelsfrei geklärt. Beispielsweise der französische Vorname Alain geht aber auf die Alanen zurück. In das heutige Frankreich und Großbritannien waren Alanen schon als Söldner in römischen Diensten gelangt.

Von Byzanz aus wurden die Alanen christianisiert. 1198 heiratete David Soslan, Herrscher über die in der Kaukasus-Region verbliebenen Osseten, die georgische Königin Tamara. Die beiden Länder wurden vereinigt. Danach folgte allerdings der Niedergang und Zerfall dieses mittelalterlichen georgischen Reiches. In die Gegend des heutigen Südossetien dürften die Osseten schon mehrere Jahrhunderte zuvor eingewandert sein.

Im 13. Jahrhundert drängten Mongolen und Tataren die Osseten ins Hochgebirge zurück und verwüsteten auch Georgien. Im 16. Jahrhundert verbreitete sich der Islam unter dem ossetischen Adel vor allem im Norden des Siedlungsgebiets. Heute dürften mehr als zwei Drittel der Osseten Orthodoxe sein, zwischen einem Drittel und einem Viertel sunnitische Moslems, wobei auch noch die alte Naturreligion eine gewisse Verbreitung hat.

Georgisch ist eine kaukasische Sprache.
Ossetisch gehört zur iranischen Gruppe der indogermanischen Sprachen. Georgisch ist dagegen eine nicht-indogermanische, eine kaukasische Sprache. Das Ossetische hat auf Grund des Sprecher-Kontaktes zahlreiche Wörter und auch Laute aus kaukasischen Sprachen übernommen. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wird ossetisch mit einem erweiterten kyrillischen Alphabet geschrieben. Das Georgische hat dagegen die so genannte Mchedruli-Schrift. Die Bezeichnung Osseten stammt aus dem Georgischen.

774 schlossen sich die Osseten dem Zarenreich an. Zwischen Persern und dem Osmanischen Reich umkämpft, stellte sich das georgische Königreich 1783 samt dem dazugehörigen Gebiet der heutigen Region Südossetien unter den Schutz Moskaus. 18 Jahre später annektierte Russland Georgien.

Die Georgier entstanden durch die Verschmelzung mehrere Kaukasus-Stämme. Die Christianisierung erfolgte im 4. Jahrhundert, wobei zum Beispiel die Adscharen später islamisiert wurden. Der Name Georgier verweist auf den Heiligen Georg. Die Selbstbezeichnung lautet Kartwelebi, sie leitet sich von der zentralgeorgischen Gegend Kartli ab. In Russland werden die Georgier als Grusinier bezeichnet.

(apa/red)