Stadler offenbar "falscher Mercedarier": Orden des FPÖ-Politikers laut Kirche "illegal"

"Hat mit der katholischen Kirche sicher nichts zu tun" Kirche hat von Orden selbst erst aus Medien erfahren

Stadler offenbar "falscher Mercedarier": Orden des FPÖ-Politikers laut Kirche "illegal"

FPÖ-Mandatar Ewald Stadler, von dem in Zuge des parteiinternen Machtkampfs Fotos bei Zeremonien in Ordensgewand aufgetaucht waren, scheint ein "falscher Mercedarier" zu sein. Laut Erich Leitenberger, Pressesprecher der Erzdiözese Wien, handelt es sich um den im Internet präsentierten Orden um einen "falschen Mercedarier-Orden", der "mit der katholischen Kirche sicher nichts zu tun hat".

Von Stadler waren Bilder (siehe mercedarier.at ) in Ordensgewand aufgetaucht, nachdem davor Fotos von FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache öffentlich geworden waren, auf denen er angeblich bei Wehrsportübungen bzw. nach eigener Darstellung beim "Gotcha"-Spiel mit Mitgliedern des Pennälerrings in Kärnten zu sehen ist. Als Quelle dieser Fotos hatte Strache Stadler ausgemacht.

Dass Freiheitliche zuletzt auf Bilder verweisen, die Stadler bei Ordens-Zeremonien zeigen, bezeichnete der Mandatar als "Versuch eines Gegenschlags". "Man versucht, aus einem alten katholischen Institut, das sich um arme Menschen verdient gemacht hat und von Rom seit Jahrhunderten anerkannt ist, eine obskure Sekte zu machen", so Stadler, der auch Anhänger der mit dem Vatikan zerstrittenen Pius-Bruderschaft ist, im "Kurier".

Stadlers Orden "illegal"
Laut Leitenberger ist Stadlers Orden jedenfalls "illegal". Der "hochanständige" Mercedarier-Orden sei 1218 entstanden, und habe sich zwischen dem 15. und 18. Jahrhundert um christliche Sklaven in Nordafrika gekümmert, so Leitenberger. In Österreich gebe es allerdings seit 1782 keinen "Mercedarier-Orden" mehr. Einzig eine ehemalige Kirche in der Bolzmanngasse in Wien-Alsergrund sei noch übrig. Die "Mercedarier" seien außerdem kein Ritterorden, wie auf der Homepagepage behauptet. "Es gibt eine Fülle von selbstgegründeten Ritterorden, die nicht kirchlich anerkannt sind", so Leitenberger.

Man habe vom Orden Stadlers erst jetzt aus den Medien erfahren und gehe der Geschichte noch nach, so Leitenberger, der sich nach eigenen Angaben bereits mit der Homepage beschäftigt hat. "Es gibt leider zu jedem katholischen Orden eine illegale Zweitausgabe, so auch bei den Maltesern oder Grabesrittern", erklärte Leitenberger.

Kein Zusammenhang mit Kirche
Vielleicht habe man einen eigenen Orden gegründet und berufe sich auf die Geschichte der Mercedarier, mit der katholische Kirche habe das aber nichts zu tun, betonte Leitenberger, der eine "Sache der Lefebvre-Anhänger" vermutet. Auf die Frage, ob man das einfach so tun kann, meinte Leitenberger: "An sich nicht." Die Frage sei aber, ob der Name des Ordens geschützt ist.

Stadler empört
Stadler hat die Behauptungen empört zurückgewiesen. Die Wiener Kommende des Mercedarier-Ordens sei ordnungsgemäß angezeigt und von der Diözese bestätigt worden, sagte Stadler. Als Beleg übermittelte er der APA den entsprechenden Schriftverkehr.

Erich Leitenberger, Pressesprecher der Erzdiözese Wien, der von einem "falschen Mercedarier-Orden" gesprochen hatte, "kennt sich wie üblich nicht aus. Das ist wirklich ärgerlich und ein Blödsinn", empörte sich Stadler. Man habe im November 2006 eine Audienz in Rom gehabt. Bei den auf einigen Fotos abgelichteten Frauen mit weißen Umhängen handelt es sich laut Stadler um "sizilianische Damen".

In einem Schreiben des Sekretärs der Kommende, Robert Chlada, vom 15. Juli 2006 an die Erzdiözese Wien heißt es: "Wir bereits in meinem Schreiben vom 9. 12. 2005 (...) angekündigt, darf ich Ihnen nun das Dokument vorlegen, mit welchem der Governatore der 'Compagnia di S. Maria della Mercede" die in diese Gesellschaft im Vorjahr aufgenommenen Österreicher zur 'Kommende zum Sel. Marco d'Aviano zu Wien' zusammenfasst. (...) Zudem erlaube ich mir, das Dokument zu übermitteln, womit Herr Volksanwalt Mag. Ewald Stadler als gewählter Commendatore dieser derzeit siebenköpfigen Gruppe, deren Leitung ihm damit obliegt, bestätigt wird. (...) Natürlich verpflichten uns die Bestimmungen der 'Compagna' , die Erzdiözese von unserem Vorhandensein in Kenntnis zu setzen. Dieser Verpflichtung wollen wir hiermit nachkommen und ich ersuche höflich um Kenntnisnahme und Mitteilung an Se. Eminenz, den hochwürdigsten Herrn Erzbischof."

Die Erzdiözese Wien schreibt in einem Antwortschreiben vom 20. Juli 2006: "Das Erzbischöfliche Ordinariat nimmt Ihre Mitteilung vom 15. Juli 2006 zur Kenntnis."

Stadler vor Gespräch mit Strache "offen für alles"
Stadler zeigte sich unterdessen einen Tag vor dem angekündigten Gespräch mit Parteichef Heinz-Christian Strache bei der Klubklausur in Waidhofen an der Ybbs "offen für alles". "Mit mir kann man über alles reden", so Stadler im Gespräch mit der APA. Nach seinen Erwartungen gefragt meinte er, "ich harre der Dinge".

Er bekräftigte erneut seine Forderung nach einer katholischen Parteininstitution, die von Starche bereits zurückgewiesen wurde. Er bestehe darauf, dass man das "katholische und wertkonservative Wählerpotenzial nicht brüsk zurückweist", so Stadler.

Dem angedrohten Parteiausschluss sieht Stadler entspannt entgegen. Er gehe auf Hypothesen nicht ein, so der Abgeordnete. Ein Ausschluss Stadlers käme der FPÖ teuer. Da die Klubförderung in Zehnersprüngen (ab dem 11 , 21 oder 31 Mandat) steigt, würde die FPÖ bei einem Mandatar weniger 400.000 Euro pro Jahr verlieren.

(apa/red)