Wiener Staatsoper von

Triumph der Sänger

Die Premiere von Verdis "Troubadour" geriet zum Triumph der Sänger

Il Trovatore an der Wiener Staatsoper © Bild: Michael Poehn

Anna Netrebko und Roberto Alagna in der Titelpartie sorgten, ergänzt vom virtuosen Ludovic Tézier und Luciana D’Intino, bei der Neuproduktion von Verdis "Il Trovatore" für das Ereignis, auf dem Opernpremieren an großen Häusern wie der Wiener Staatsoper gründen. Das aber blieb im Graben und in der Regie weitgehend aus.

THEMEN:
Il Trovatore an der Wiener Staatsoper
© Michael Poehn

Die Geschichte des "Troubadour" hat den Ruf, "vertrackt" zu sein. Regisseure haben darob aberwitzige, oft nicht nachvollziehbare Rahmenhandlungen ersonnen. Alvis Hermanis verlegte das Werk bei den Salzburger Festspielen in ein Museum, dessen Personal sich in die handelnden Personen wandelt. Philipp Stölzl zeigte es als schräges Märchen aus dem Puppenreich. Die nicht selten obsessive Sucht zu interpretieren, mag einer Fachwelt geschuldet sein, die ihre Aufmerksamkeit oft mehr auf das Szenische als auf das Musikalische konzentriert. Wie wichtig Regie für das Musiktheater aber ist, erkennt man erst, wenn sie nahezu unbemerkt bleibt ist wie bei der aktuellen Premiere der Wiener Staatsoper.

Il Trovatore an der Wiener Staatsoper
© Michael Poehn

Daniele Abbado verlegte Verdis mittelalterliches Ritter-Zigeuner-Spektakel in die Zeit des Spanischen Bürgerkriegs. Vielmehr hat er Verdis Frühwerk nicht hinzuzufügen. Darin geht es um Rache und den Wahn, dem Menschen verfallen, wenn sie von ihren Obsessionen getrieben werden. Eine davon ist die Zigeunerin Azucena, die den Tod ihrer Mutter am Scheiterhaufen rächen will und dafür gar ihren Ziehsohn in den Tod schickt. Ihr Widersacher ist Graf Luna, der davon besessen ist, seinen seit Kindertagen entführten Bruder zu finden und die Gunst der Hofdame Leonore zu erzwingen, die aber den Sänger Manrico vorzieht. Graziano Gregoris hat dafür mit einem Schlosshof, der sich je nach Bedarf in einen Rittersaal, in eine Kaserne oder einen Kerker wandeln lässt, ein praktikables, repertoiretaugliches Einheitsbühnenbild –geschaffen.

Il Trovatore an der Wiener Staatsoper
© Michael Poehn

Wo es in der Regie an Theatralik fehlt, kommen die Sänger dafür auf. Den Bann der anfänglichen Orientierungslosigkeit brach Ludovic Tézier mit der ersten großen Arie des Grafen Luna. Er verfügt über jene Noblesse und jenen Ausdruck, den ein Kavalierbartion braucht. Roberto Alagna ist einer der besten Tenöre der Gegenwart und der Manrico unserer Zeit. Er überzeugt darstellerisch in jeder Hinsicht und verfügt über die für diese Partie nötigen Höhen. Das "di quella pira" des Manrico, eine der größten Herausforderungen für jeden Tenor, gerät ihm atemberaubend. Er erreicht die Höhen, die Verdi zwar gar nicht komponiert hat, aber seit den ersten Aufführungen des Werks vom Publikum gefordert werden.

Il Trovatore an der Wiener Staatsoper
© Michael Poehn

Unfassbar ist Anna Netrebko., Ihre Leonore ist konkurrenzlos. Innigkeit, Dramatik, sie verfügt über alles darstellerisch und stimmlich gleichermaßen. Wenn sie in der Kerkerszene von ihrer Liebe zu Manrico erzählt, ist sie die junge Liebende, die sich an den Beginn ihres Glücks zurückzuversetzen mag, die mit einer unglaublichen Wucht ihren Sopran in dunklen Farben zum Leuchten aber auch in atemberaubenden Pianissimi zum Leuchten bringt.

Seltsames passiert indessen, wenn die Stimmgiganten Netrebko und Alagna aufeinander treffen. Während das Bühnenpaar harmonisch miteinander agiert, setzen die Stimmen wie auf zwei verschiedenen Geleisen ihren Weg fort. Aber auch das hat seinen Charme.

Il Trovatore an der Wiener Staatsoper
© Michael Poehn

Komplettiert wird das Ensemble von der tadellos singenden Luciana D’Intino. Sie sorgt für Spannung, wenn sie die Azucena in machen Momenten zumindest wie eine Art orientierungslose Hamlet-Figur anlegt. Chor und Orchester hat bei Verdi schon intensiver, dramatischer erlebt. Marco Armiliato setzt am Pult der Wiener Philharmoniker vor allem auf den schönen Klang des Orchesters und sparte mit Dramatik.

Kommentare