Staatsoper von

Vor langer Zeit, in einer gar
nicht so weit entfernten Welt

"Die Trojaner" von Hector Berlioz an der Wiener Staatsoper

Staatsoper - Vor langer Zeit, in einer gar
nicht so weit entfernten Welt © Bild: Michael Poehn

Ein imposanter Pferdekopf aus Eisenstangen und Kriegswerkzeugen, Helden, mit Säbeln, in Mäntel und Stiefel gewandet, als wären sie soeben Lord Nelsons Flotte nach der Schlacht von Trafalgar entstiegen.

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© Michael Poehn

Nein, das ist kein Szenario aus einem Hollywood-History-Film. Das ist David Vicars Inszenierung von Hector Berlioz’ Opus magnum "Die Trojaner". Echte Grand Opéra, mit einem Aufgebot an gigantischen Chören – der Wiener Staatsopernchor wurde vom Slowakischen Philharmonischen Chor verstärkt – ausladende Ballettszenen mit den Tänzern des Wiener Staatsballett und des Europaballetts St. Pölten und 21 Solisten im Sänger-Ensemble. Berlioz erzählt in seiner Oper von der Einnahme Trojas und vom Helden Äneas, der von den Göttern den Auftrag bekommt, ein neues Reich in Italien zu gründen. Zuvor verschlägt es ihn mit seiner Flotte nach Karthago. Dort vertreibt er ein feindliches Heer und gewinnt die Gunst der Königin Dido, die ihn nicht mehr ziehen lassen.

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Die Szenarien des Bühnenbildners Es Devlin muten wie von George Lucas’ "Star Wars"-Saga ausgeliehen. Troja ist auf den Planeten der Schrottsammler verlegt, das Pferd, hier nur der Kopf, ist aus Zahnrädern, Säbeln und allerlei anderem Stahlgittern gefertigt. Der Blick auf die Griechen, die sich in Troja damit heimlich einschleusen wollten, wäre also frei. Karthago ist ein in sattem Orange gehaltener Ort, der hinter einem schwarzen Vorhang verschwindet, als Dido ihren großen Soloauftritt hat. McVicar beschränkt sich darauf, den Inhalt als spannendes Kriegsepos, Love-Story, siehe Dido und Äneas, zu zeigen. Praktikabel ist das allemal, denn die Produktion, die 2012 an der Londoner Covent Garden Opera erstmals gezeigt wurde, war bereits in Mailand und in San Francisco zu sehen, bevor sie Wien erreicht hat. An jedem Ort mit anderen Sängern.

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In der Wiener Besetzung überragte Joyce DiDonato alles und alle. Ihr Mezzosopran leuchtet in allen Lagen. Die Königin der Karthager zeigt sie als fürsorgliche Landesmutter, die sich in eine glühend Liebende wandelt, die sich mit Furor ihrer Trauer ergibt, als sie Äneas verlassen hat. Brandon Jovanovich agiert als Äneas wie ein Filmheld. Stimmlich überzeugt der Tenor mit seiner gelungen Phrasierung. Monika Bohinec ist kurzfristig für die erkrankten Anna Caterina Antonacci in der gewaltigen Rolle der Kassandra eingesprungen und singt diese Partie makellos. In den kleineren Partien fällt vor allem Benjamin Bruns auf. Sein schönes, klares Timbre hat schon jetzt einen Hang zur Unverkennbarkeit. Achtbar ergänzen Rachel Frenkel, Jongmin Park, Szilvia Vörös und Paolo Fanale mit seiner ausbaufähigen Tenorstimme.

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Alain Altinoglu überzeugt am Pult des Wiener Staatsopernorchesters nicht nur als Meister der Koordination, der präzise zwischen den Chören, den einzelnen Sängern und den Musikern vermittelt. Aus der umfänglichen, vielschichtigen Partitur kehrt er feinsinnig Finessen hervor, bringt Passagen musikalisch zum Schweben und verweist auch auf das Moderne bei Berlioz. Grandios!