Staatsfonds Libyens mit dicker Geldbörse:
Gaddafis Investinstitut verwaltet 44,7 Mrd €

Bereits Beteiligungen an UniCredit, Fiat und Juventus Betriebe mit nützlichen Technologien sind im Fokus

Der libysche Staatsfonds Libyan Investment Authority ("LIA") wurde im Jahr 2006 gegründet um die hohen Öleinnahmen des libyschen Staates zu managen. Der Staatsfonds befindet sich unter der Kontrolle der Regierung des libyschen Revolutionsführers Muammar al-Gaddafi. Nach Schätzungen des Sovereign Wealth Fund (SWF)-Institut verwaltet der Fonds derzeit ein Vermögen von rund 44,7 Mrd. Euro (65 Mrd. US-Dollar). Experten des SWF-Instituts bewerten die Transparenz des libyschen Staatsfonds mit 2 von 10 Punkten.

Der LIA-Fonds will mit bis zu 10 Prozent beim österreichischen Baustoffkonzern Wienerberger einsteigen, teilte der Baustoffkonzern am Montag mit. Der Investmentfonds habe sich bereiterklärt bei einer Kapitalerhöhung bis zu 10 Prozent an Wienerberger zu einem Preis von 10 Euro je Aktie zu erwerben.

In Europa ist der Staatsfonds vor allem in Italien investiert und hält unter anderem 4,6 Prozent an der Bank UniCredit, weniger als 2 Prozent am Autobauer Fiat und 7,5 Prozent am italienischen Fußballclub Juventus Turin. Weiters ist der Fonds am Energieversorger Eni und der Telecom Italia interessiert. In Großbritannien ist der Staatsfonds in Immobilen investiert und hat in den vergangen Monaten Gebäude im Wert von 275 Mio. Pfund gekauft, meldet die britische Tageszeitung "The Guardian".

Das Transparenzrating des Sovereign Wealth Fund Institut attestiert dem libyschen Staatsfonds mit 2 von 10 Punkten eine sehr geringe Transparenz. Empfohlen wird ein Rating von 8 Punkten um eine adäquate Transparenz der Geschäftsgebarung sicherzustellen. Kriterien des Ratings sind unter anderem ein jährlicher Geschäftsbericht, eine transparente Investitionsstrategie und Veröffentlichung der Unternehmensbeteiligungen.

Nützliche Technologie im Fokus
Der Chef des libyschen Staatsfonds, Mohammed Layas erklärte, dass der Fonds an Joint Ventures interessiert sei um einen Technologie-Transfer nach Libyen zu schaffen. Im Visier des Staatsfonds seien vor allem Energieversorger, Pharmaunternehmen sowie andere Unternehmen mit nützlichen Technologien, so Layas.

In den libyschen Staatsfonds wurde bei seiner Gründung im August 2006 die Libyan Arab Foreign Investment Company, die Libyan African Investment Portfolio und die Oilinvest Company eingebracht. Der Staatsfonds ist laut SWF-Institut weiters unter anderem in Algerien, Tunesien, Pakistan und Jordanien investiert.

Ein anderer in Österreich aktiver Staatsfonds ist der abu-dhabische Staatsfonds International Petroleum Investment Company: Die IPIC hält 19,2 Prozent am österreichischen Energiekonzern OMV und am in Wien ansässigen europäischen Kunststoffhersteller Borealis 64 Prozent.

Rund 15 Unternehmen und hundert Österreicher sind nach Auskunft der österreichischen Außenhandelsstelle in Libyen tätig. Das prominenteste österreichische Unternehmen in Libyen ist der österreichische Energiekonzern OMV mit einer Fördermenge im Jahr 2008 von rund 33.900 Fass täglich. Damit trägt Libyen mit mehr als 10 Prozent zur weltweiten OMV-Tagesproduktion (Öl und Gas) bei.
(apa/red)