Staatsbesuch von

Evo Morales in Wien

Boliviens Präsident kritisiert die USA und fordert Legalisierung von Koka-Blättern

Staatsbesuch - Evo Morales in Wien © Bild: APA/Jäger

Der bolivianische Präsident Evo Morales hat in Wien die Legalisierung von Koka-Blättern für die indigene Bevölkerung in Lateinamerika gefordert. "Der historische Irrtum muss korrigiert werden, um das Koka-Kauen der Indigenen zu erlauben", sagte er am Montag bei einer UNO-Drogenkonferenz. Bei seinem Wien-Besuch verteidigte der Präsident aber auch die Haltung seines Landes im Syrien-Konflikt.

Abkommen im Rahmen der UNO verbieten den Anbau der Koka-Pflanze, aus der die Droge Kokain gewonnen wird. Morales betonte, Bolivien sei entschlossen, die "Geißel der Drogen" zu bekämpfen. "Wir haben Ernten und Labore zerstört", betonte Morales vor Vertretern von 120 Teilnehmerstaaten der Konferenz des UNO-Büros für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC). Seine Regierung wünscht schon seit einigen Jahren eine Unterscheidung zwischen illegalem Koka-Anbau zur Kokain-Produktion und der in Bolivien traditionellen Nutzung der Pflanze als Stimulanzmittel.

Zu Besuch bei Heinz Fischer
Im Rahmen seines eintätigen Österreich-Besuchs traf Morales auch Bundespräsident Heinz Fischer. Dieser habe seine Unterstützung für die Drogenbekämpfung in Bolivien versichert, aber auch erneut betont, dass er sich für das Recht der Indigenen auf Nutzung des Koka-Blattes ausspreche, teilte Präsidentensprecher Bruno Aigner der APA mit.

Der frühere Koka-Bauer Morales hat bei Aufenthalten in Österreich in den vergangenen Jahren immer wieder für das Koka-Blatt geworben. Bei einem Besuch 2009, bei dem er ebenfalls an einer Konferenz der UNO-Drogenkommission teilnahm, bekräftigte er seine Devise "Ja zum Koka-Blatt! Nein zu Kokain!" ("Coca si! Cocaina no!"). Seiner Ansicht nach hat das Kauen der Koka-Pflanze, wie es die Ureinwohner der Anden-Staaten seit Jahrhunderten pflegen, nichts mit Drogenkonsum zu tun.

Kritik an den USA
Vor einem restlos gefüllten Hörsaal der Universität Wien sagte Morales, es seien die USA und andere "imperialistische Kräfte", die eine Legalisierung der Koka-Nutzung und damit eine Verbesserung der Lebensumstände der meist armen Koka-Bauern verhinderten. Die USA würden ihn zu einem "Osama bin Laden Boliviens" und sein Volk zu den "Taliban der Anden" machen.

Mit seiner anti-imperialistischen Haltung begründete der Boliviens Präsident auch die Weigerung seiner Regierung, eine Resolutions zur Verurteilung des syrischen Regimes in der UNO-Generalversammlung zu unterstützen. Bolivien erkenne alle demokratisch gewählten Regierungen an, bei dem Konflikt in dem Nahost-Staat handle es sich um eine "interne Angelegenheit".