Staatsanwaltschaft verhaftet Siemens-Top-
manager: Spur führt auch nach Österreich!

Korruptionsaffäre bei Elektrokonzern weitet sich aus Insgesamt zwölf Beschuldigte im Visier der Justiz

Die Korruptionsaffäre bei Siemens schlägt immer größere Wellen: Wie bekannt wurde, sind unter den Beschuldigten zwei ehemalige Vorstandsmitglieder einzelner Konzernsparte. Gegen einen von ihnen sowie gegen vier weitere Konzernmitarbeiter erging Haftbefehl. Die Mitarbeiter stehen unter Verdacht, Jahre lang Firmengelder in Höhe von insgesamt 20 Millionen Euro abgezweigt zu haben, um damit möglicherweise Schmiergeldtöpfe für Auslandsgeschäfte zu füllen. In der Schweiz wurde eine zweistellige Millionensumme beschlagnahmt.

Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" führt eine Spur auch nach Österreich, wo zwei geheime Konten entdeckt worden seien, die ein Münchner Siemens-Manager betreute. Über diese beiden Konten seien vor allem in den neunziger Jahren hohe Beträge hin- und hergeschoben worden.

Das sei ein Vorläufermodell des in den vergangenen Jahren praktizierten Geheimsystems gewesen. Durch Österreich soll damals weit mehr Geld geschleust worden sein als bei dem vor allem in der Schweiz angewandten Nachfolgemodell in diesem Jahrzehnt, heißt es im Bericht weiter.

Siemens Österreich ist von den Ermittlungen übrigens nicht betroffen. Allerdings wurden laut Informationen der "ZiB1" auch eine Handelsfirma in Wien durchsucht, die mit Siemens in Geschäftskontakt stehe.

Nachdem die Münchner Staatsanwaltschaft zunächst die Verhaftung eines inzwischen aus dem Unternehmen ausgeschiedenen Vorstandsmitgliedes der Kommunikationstechnik-Sparte Siemens Com bestätigt hatte, wurde bekannt, dass sich auch ein amtierender Sparten-Vorstand des Unternehmens in Haft befindet.

Laut "Süddeutscher Zeitung" und "Spiegel Online" schied einer der beiden Spitzenmanager 2005 aus dem Konzern aus, der andere wechselte von Com in den Vorstand einer anderen Konzernsparte.

Zwölf Beschuldigte im Visier der Justiz
Der Münchner Oberstaatsanwalt Christian Schmidt-Sommerfeld hatte zuvor mitgeteilt, dass sich die Zahl der beschuldigten Siemens-Mitarbeiter von sechs auf zehn erhöht habe. Auch gegen zwei Nicht-Mitarbeiter des Konzerns aus dem privaten Umfeld der Verdächtigen werde ermittelt, erklärte die Staatsanwaltschaft. Gegen die Beschuldigten bestehe der Verdacht der Untreue zum Nachteil von Siemens.

Die Beschuldigten stünden unter Verdacht, seit 2002 über Tarnfirmen und Auslandskonten in der Schweiz und Liechtenstein Konzerngelder in Höhe von rund 20 Millionen Euro abgezweigt zu haben. "Ob und in welchem Umfang diese Gelder zu Schmiergeldzahlungen verwendet wurden, wird noch zu prüfen sein", erklärte der Oberstaatsanwalt. Auslöser der Ermittlungen war seinen Angaben zufolge eine anonyme Anzeige sowie Hinweise von den Ermittlungsbehörden aus der Schweiz und Italien.

Laut "Süddeutscher" steht im Zentrum der Ermittlungen der Verdacht, dass der Konzern in großem Stil schwarze Kassen gebildet habe, um Schmiergelder in Millionenhöhe für Auslandsaufträge einzusetzen. Der Zeitung zufolge prüft die Staatsanwaltschaft Siemens-Projekte, unter anderem bei den Olympischen Sommerspielen 2004 in Athen.

Die Zeitung schrieb weiter, es gelte als sicher, dass die Verdächtigen nicht aus eigenen Antrieb, sondern auf Anweisung aus dem Konzern gehandelt hätten. Ein Siemens-Sprecher betonte jedoch, dass bei den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft "keine Konzernvorstände befragt wurden". Die in dem Bericht genannten Vorwürfe wollte der Sprecher nicht kommentieren: "Es ist noch zu früh, um sich über Details zu äußern und Vermutungen anzustellen." Er betonte, dass sich Siemens als möglicher Geschädigter sehe und die Ermittlungen die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft voll unterstütze.

(apa/red)