"Staatliche Eingriffe sind kein Allheilmittel":
Gedämpfte Erwartung vor Weltfinanzgipfel

Pläne für Weltfinanzreform im Vorfeld noch umstritten Russland hofft auf gemeinsames Vorgehen mit EU

"Staatliche Eingriffe sind kein Allheilmittel":
Gedämpfte Erwartung vor Weltfinanzgipfel © Bild: APA/EPA/Moreira

Heute findet das Gipfeltreffen der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer in Washington statt. Die Marschroute für eine Weltfinanzreform war im Vorfeld noch umstritten. US-Präsident George W. Bush dämpfte die Erwartungen: "Staatliche Eingriffe sind kein Allheilmittel", betonte er. Der russische Präsident Dmitri Medwedew hofft auf ein gemeinsames Vorgehen von Russland und der Europäischen Union. Merkel drückt aufs Tempo.

Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte, das Finanzsystem mit einem dichten Überwachungsnetz zu überspannen. "Es darf keine blinden Flecken mehr geben, in deren Schutz sich Risiken unbeobachtet aufbauen." Bis Ende März sollen erste Vorschläge für eine Neuordnung des Weltfinanzsystems erarbeitet werden.

Der russische Präsident Dmitri Medwedew hofft auf ein gemeinsames Vorgehen von Russland und der Europäischen Union (EU). "Ich denke, wir werden mit einer Stimme in Washington sprechen", sagte er.

Empfang im Weißen Haus
Bush empfängt die Staats- und Regierungschefs der G-20 im Weißen Haus. Die Gruppe repräsentiert zwei Drittel der Weltbevölkerung und fast 90 Prozent der Weltwirtschaftskraft. An dem Treffen nehmen auch die Spitzen von Weltbank, Internationalem Währungsfonds und Forum für Finanzstabilität sowie UN-Generalsekretär Ban Ki Moon teil.

Obama entsendet Albright
Bushs Nachfolger Barack Obama wird nicht mit am Verhandlungstisch sitzen. Er entsendet aber die frühere Außenministerin Madeleine Albright und den ehemaligen Kongressabgeordneten Jim Leach als Beobachter.

Bush sagte bei einem Besuch in New York laut einem vorab verbreiteten Redetext, eine Reform der Finanzmärkte alleine helfe nicht weiter, wenn gleichzeitig wirtschaftliche Freiheiten beschnitten würden. "Die Krise beruht nicht auf einem Versagen der freien Marktwirtschaft", betonte der US-Präsident. "Und die Antwort kann nicht sein, dieses System neu zu erfinden."

Merkel fordert mehr Regulation
Merkel forderte dagegen weitgehende Maßnahmen. Leitlinie für die Reformen müsse sein, dass "in Zukunft alle Gebiete, alle Produkte und alle Geschäfte" auf den Finanzmärkten angemessen reguliert und überwacht würden, sagte sie in einem Interview der "Süddeutschen Zeitung" (Freitagausgabe). "Es darf keine blinden Flecken mehr geben, in deren Schutz sich Risiken unbeobachtet aufbauen."

Merkel warb dafür, bei der Reform des internationalen Finanzsystems keine Zeit zu verlieren. "Wir müssen die ersten Schritte bereits in den kommenden Monaten umsetzen", sagte die Kanzlerin.

"Vergesst die Ärmsten nicht"
UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon hat an die Teilnehmer des Weltfinanzgipfels appelliert, die Ärmsten der Welt nicht zu vergessen. In einem dreiseitigen Brief forderte der UNO-Chef die Staats- und Regierungschefs des G-20-Gipfels dazu auf, umfassende Lösungen für die Finanzkrise für alle Länder weltweit zu finden. Das Treffen beginnt heute in Washington.

Ursachenfindung
Die G-20 will in Washington zunächst die Ursachen der derzeitigen Finanzkrise analysieren und auf dieser Grundlage dann Prinzipien für eine Reform aufstellen. Nach Angaben aus der deutschen Delegation sollen die Finanzminister beauftragt werden, für eine Reihe fest definierter Themen konkrete Vorschläge zu erarbeiten. "Dann wird man bis spätestens Ende März wieder an die Ebene der Staats- und Regierungschefs zurückliefern", hieß es aus der deutschen Verhandlungsdelegation. (apa/red)