Spritpreis: Der teure Weg des Erdöls

<b>NEWS</b> zeigt die Schritte der Preisentwicklung

Spritpreis: Der teure Weg des Erdöls © Bild: APA

Brennpunkt Spritpreis. Vom Ölfeld über Tanker und Pipelines zur Raffinerie und in den Tank. NEWS zeigt, wie der Preis an der Zapfsäule entsteht - und wer wie viel verdient...

Der teure Sprit ist das heißeste Aufregerthema dieses Sommers. Wutanfälle an der Zapfsäule inklusive. Den Autofahrern mangelt es nicht an Sündenböcken: In ihren Augen sind alle schuld - die Scheichs, die Mineralölmultis und der Finanzminister. Zu spüren bekommen den Ärger meist die Tankstellenpächter. Warum ist der Sprit aber wirklich so teuer? NEWS geht der Frage nach, wer am Ölkuchen am kräftigsten mitnascht.

Scheichs gewinnen. Augenscheinliche Gewinner der Preisexplosion sind die Produzenten. Von den Öl-Emiraten und den Saudis über Venezuela bis in die russische Taiga oder die Steppen Aserbaidschans - überall, wo das schwarze Gold aus der Erde sprudelt, sorgt das teure Öl für lachende Gesichter. Die Förderrechte sind zumeist in den Händen nationaler Ölgesellschaften oder über Lizenzen bei den großen Multis wie ExxonMobil, Shell oder BP. Und deren Gewinne sind in der Tat atemberaubend. So hat der weltgrößte börsennotierte Ölkonzern ExxonMobil von April bis Juni 11,7 Milliarden Dollar verdient. Noch nie hat eine US-Company in drei Monaten so viel geschafft. Auch Shell und BP konnten in diesem Zeitraum satte Milliardengewinne einfahren (Shell: 11,6 Mrd., BP: 9,5 Mrd.). Kein Wunder, hat doch der Rohölpreis Mitte Juli mit 145,66 Dollar pro Fass seinen bisherigen Höchststand erreicht. Die Verkaufspreise konnten im Vergleich zum Vorjahr nahezu verdoppelt werden.

Ölmarktexperte Johannes Benigni relativiert allerdings. Angesichts der Tendenz der Förderländer, ihre Ressourcen vermehrt unter staatliche Kontrolle zu bringen, sei klar, dass jetzt nichts verschenkt werde. Hinzu kommt, dass die Suche nach und die Förderung von Öl Investitionen in der Höhe von hundert Millionen Dollar erfordert - pro Bohrloch.

Der lange Weg des Öls. Wird allerdings Öl guter Qualität gefunden, lohnt sich die Förderung allemal. So kostet das Fördern eines Liters Öl im günstigsten Fall 0,007 Euro. Die Preisspirale kommt erst danach in Gang. Denn der unendliche Hunger der Welt nach Öl macht weite und aufwendige Transporte über Pipelines und Supertanker nötig. In Schiffe wie die 322 Meter lange kuwaitische "Al Shuadaa" passen rund 285 Millionen Liter. Kaum ist das Öl an Bord, wird es allerdings teurer. Der Treibstoffverbrauch des Schiffs und die Mautgebühr am Suezkanal (ein halber Cent pro Liter) machen sich bemerkbar. Nach rund 7.500 Kilometer erreichen die Öltanker die Mittelmeerhäfen. Für Österreich spielt Rotterdam keine, Triest aber eine zentrale Rolle. 0,1 Cent je Liter werden im Hafen an Gebühr fällig. Danach kommt das Öl in die Pipeline (Gebührenpflicht) und fließt mit rund sechs Kilometer pro Stunde nach Österreich.

In der Raffinerie wird das gereinigte Rohöl aufgespalten und in Benzin, Diesel/Heizöl und Schweröle zerlegt. Da man allerdings nicht beliebig viel Diesel oder Benzin aus dem Öl gewinnen kann und in Europa eine größere Nachfrage nach Diesel besteht, verschiffen die europäischen Raffinerien Benzin hauptsächlich in die Vereinigten Staaten.

Abzocker Fiskus. Von der Raffinerie kommt der Sprit an die Tankstellen und schlussendlich in die Tanks der Autofahrer. Und hier schlägt der Steuerhammer voll zu. Ein Beispiel: Zum Grundpreis von 0,565 Euro pro Liter Benzin, an dem Produzenten, Spekulanten und Mineralölfirmen verdienen, kommen saftige Steuern. Über Mineralölsteuer und Umsatzsteuer beträgt der Steueranteil des Finanzministers 53 Prozent. Ohne Steuern wäre Benzin zum Schnäppchenpreis von einem halben Euro pro Liter zu haben.

Darin sind aber bereits Förderung mit teuren Bohranlagen, der Transport, die Verarbeitung in der Raffinerie, Verladung in Tankwagen, Tankstelleninfrastruktur, Personal und die Gewinne von Mineralölfirmen, Raffinerien und Öl-Brokern enthalten. Preistreiber Nummer eins ist also der Staat.

Und der hohe Spritpreis schlägt voll auf Frächter, Airlines, Industrie und Gewerbe durch - die ihren höheren Aufwand an die Konsumenten weiterleiten. Kein Wunder, dass die Senkung der Mineralölsteuer willkommene Wahlkampfmunition ist.

Mehr zur Story finden Sie im aktuellen NEWS-Magazin 32/2008