Sprengungen an See in China notwendig: Wassermassen bedrohen Städte und Dörfer

Stausee als größte Herausforderung nach Erdbeben 220 Millionen Kubikmeter Wasser zurückgehalten

Sprengungen an See in China notwendig: Wassermassen bedrohen Städte und Dörfer © Bild: Reuters

Mit gezielten Sprengungen haben chinesische Soldaten versucht, das Abfließen der Wassermassen aus dem von Erdrutschen aufgestauten Tangjiashan-See zu beschleunigen. Die Maßnahme wurde notwendig, nachdem der Pegel trotz eines kürzlich geöffneten Abflusskanals weiter gefährlich anstieg. Flussabwärts leben mehr als 1,3 Millionen Menschen, 250.000 davon wurden wegen der Gefahr einer Flutwelle bereits evakuiert.

Die Soldaten sprengten gezielt im Wasser schwimmende Holzhäuser, große Trümmer und auch Felsblöcke, die den Abfluss blockierten. Obwohl das Wasser abfließe, seien die Behörden immer noch in größter Alarmbereitschaft, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua. Sie standen vor einer schwierigen Aufgabe: Läuft nicht genug Wasser ab, könnte der Druck hinter dem durch Erdrutsche aufgeschütteten Damm zu groß werden. Wenn das Wasser allerdings zu schnell abläuft, könnte es den knapp 500 Meter langen Abflusskanal aushöhlen und damit den ganzen Damm gefährden.

Rettungsarbeiten dauern an
Rund 45 Kilometer flussabwärts im Dorf Jiuling war von einem Abfließen der Wassermassen kaum etwas zu merken: Der Fluss Tongkou floss gemächlich dahin. "Ich wünschte, die würden sich beeilen", sagte Reisbauer Cai Yuhua, der mit hunderten anderer Familien in Behelfszelten auf einem nahe gelegenen Hügel ausharren musste. "Das letzte Mal, dass wir in unsere Häuser konnten, war am 22. Mai", sagte Cai. Staatliche Medien berichteten, dass die Anrainer frühestens in einer Woche in ihre Häuser zurück könnten.

Erst kurz davor wurde damit begonnen, Wasser aus dem Stausee abzulassen. "Die Rettungsarbeiten dauern an, aber in absehbarer Zeit besteht kein Risiko eines Dammbruchs", sagte der stellvertretende Armeechef in der Region Chengdu, Fan Xiaoguang.

Vorwurf des Spendenbetrugs
Die Behörden kündigten unterdessen an, sie wollten Vorwürfe von Spendenbetrug im Zusammenhang mit dem Erdbeben untersuchen. Ein Bericht sollte am 20. Juni vorliegen. Xinhua berichtete, im In- und Ausland seien bisher 6,3 Milliarden Dollar (vier Milliarden Euro) für die Opfer gespendet worden.

Das Erdbeben in der Provinz Sichuan vom 12. Mai hatte eine Stärke von 7,9. Nach offiziellen Angaben wurden 69.127 Menschen getötet, fast 18.000 weitere werden noch vermisst.

Schätzungen zufolge waren unter den Todesopfern 7.000 Kinder ohne Geschwister. Die Kommission für Familienplanung kündigte an, sie werde Mediziner ins Katastrophengebiet schicken, die Sterilisierungen rückgängig machen sollten, falls Paare ein weiteres Kind haben wollten. In China dürfen Paare meist nur ein Kind bekommen. Wenn das Kind getötet oder schwer verletzt wird, dürfen sie ein zweites bekommen.

(apa/red)