Fakten von

Sprengstoff TATP -
die Mutter des Satans

Wie in Paris setzten die Terroristen vermutlich auch in Brüssel auf das weiße Pulver

Zerstörung in Brüssel © Bild: imago/Belga

Noch steht nicht offiziell fest, welcher Sprengstoff bei den Anschlägen in Brüssel verwendet wurde. Bei der Durchsuchung eines Unterschlupfs im Brüsseler Stadtteil Schaerbeek wurden aber große Mengen der Substanz TATP festgestellt, die Kämpfer des Islamischen Staats in- und außerhalb Europas mit Vorliebe zum Einsatz bringen. Warum ist die „Mutter des Satans“ bei den Jihadisten so beliebt?

Am wahrscheinlichsten rührt die Verbreitung von TATP oder Triacetontriperoxid aus der einfachen Herstellung her. In Syrien und im Irak greifen Kämpfer regelmäßig auf den Sprengstoff zurück, auch die Pariser Attentäter verwendeten das weiße Pulver. Nachdem für die Anschläge von Brüssel dieselbe Terrorzelle verantwortlich ist, liegt der Verdacht nahe, dass auch am Flughafen Zaventem und in der Metrostation Maelbeek TATP zum Einsatz kam.

Zusätzliche Nahrung erhält die Vermutung aus dem Fund von 15 Kilogramm der fertigen Substanz sowie Materialien zur Herstellung des Sprengstoffs in einer Wohnung der Attentäter: 150 Liter Aceton, 30 Liter Wasserstoffperoxid, Zünder und ein Koffer voller Nägel und Schrauben wurden von den Ermittlern entdeckt.

Zutaten aus der Drogerie

Entdeckt wurde TATP 1895 von dem Berliner Chemiker Richard Wolffenstein und lässt sich mit Zutaten aus jeder Drogerie zusammenmischen. Haaraufheller (Wasserstoffperoxid) und acetonhaltiger Nagellackentferner reichen dafür schon aus, wie das Online-Portal „Motherboard“ berichtet. Um aus den Zutaten aber auch einen stabilen Sprengstoff herzustellen, ohne sich dabei versehentlich hochzujagen, erfordere hingegen einige Erfahrung.

Erfunden hat der IS die Verwendung von TATP für Terroranschläge freilich auch nicht. Bereits in den achtziger Jahren verwendeten Palästinenser im Westjordanland das Gemisch im Kampf gegen die Israelis. 2001 gelangte der daraufhin als „Schuhbomber“ berühmt gewordene Brite Richard Reid, mit 100 Gramm TATP in der Sohle seines Schuhs in einen American-Airlines-Flug von Paris nach Miami zu gelangen, wurde jedoch vor der Zündung des Sprengsatzes überwältigt.

Neben der allgemeinen Verfügbarkeit der Zutaten hat TATP für die Terroristen übrigens noch einen weiteren großen Vorteil: Es gibt momentan noch keine Sensoren, die den Sprengstoff aufspüren können. Wenn sich Terroristen wie im Fall von Brüssel an ungeschützten Orten in die Luft sprengen, ist das aber ohnehin hinfällig, denn das könnten selbst die besten Sensoren nicht verhindern.

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