Sprengstoff-Massaker in Bagdad verübt:
98 Todesopfer bei Anschlag auf Tiermärkte

Beide Suizidattentäterin angeblich geistig behindert US-Armee macht Al-Kaida für Anschlag verantwortlich

Einen Tag nach den beiden verheerenden Bombenanschlägen in Bagdad ist die Zahl der Toten auf rund 100 gestiegen. Nach Behördenangaben wurden mindestens 99 Todesopfer und 88 Verletzte registriert. Dutzende Leichen waren vor der Leichenhalle eines Krankenhauses aufgebahrt, weinende Verwandte bereiteten sich auf die Beisetzung ihrer Angehörigen vor.

Die gewaltigen Sprengsätze, die zwei geistig behinderte Frauen am Körper trugen, wurden im Abstand von 20 Minuten auf zwei Kleintiermärkten mittels Fernzündung zur Explosion gebracht. Die vom Down-Syndrom betroffenen Frauen waren sich höchstwahrscheinlich nicht darüber im Klaren, dass sie als Selbstmordattentäterinnen eingesetzt wurden.

Rice verurteilt Anschläge zutiefst
Beobachter befürchteten deshalb eine mögliche neue Taktik der Terrorgruppe Al Kaida im Irak, die für die Anschläge verantwortlich gemacht wurde. In letzter Zeit wurden mehrere Attentate von Frauen verübt, da diese in der Regel weniger kontrolliert werden. Behinderte wurden allerdings nur selten eingesetzt. An dieser perfiden Bluttat lasse sich erkennen, dass Al Kaida "die brutalste und heruntergekommenste aller Bewegungen" sei, sagte US-Außenministerin Condoleezza Rice in Washington.

Der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki verurteilte die Anschläge als Versuch, ein normales Leben in der Hauptstadt zu verhindern. Die Täter stellten damit ihren "Hass auf die Menschheit und auf alle Iraker" unter Beweis, hieß es in einer Erklärung des Regierungschefs.

Massive Anschläge zuvor rückläufig
Es war der blutigste Tag in Bagdad seit dem 18. April 2007, als bei der Detonation einer Autobombe 116 Menschen in den Tod gerissen wurden. Die Zahl der schweren Anschläge ging deutlich zurück, seit die USA im Februar vergangenen Jahres 30.000 zusätzliche Soldaten in den Irak schickten.

Bei einer Razzia im Norden des Landes töteten irakische Sicherheitskräfte drei Terrorverdächtige und nahmen drei weitere fest. Unter den Verhafteten befindet sich nach Polizeiangaben auch ein ranghohes Mitglied von Al Kaida in Irak. Der Mann soll im Raum Mossul Aktionen von Extremisten organisiert haben. Die Razzia erfolgte am frühen Samstagmorgen im Dorf Pola Pash, rund 40 Kilometer nordöstlich der Stadt Tal Afar. (apa/red)