SPÖ-Chef kritisiert Bawag-Verantwortliche:
'Unverantwortlicher Umgang mit Spargeldern'

Vizekanzler Gorbach legt Verzetnitsch Rücktritt nahe Leitl rechnet aber nicht mit Abgang des ÖGB-Chefs<br>Bawag-Chef will "weg von exotischen Geschäften"

Mit deutlicher Kritik an den Verantwortlichen für die Spekulationsgeschäfte meldete sich SPÖ-Vorsitzender Alfred Gusenbauer in der Causa Bawag zu Wort. Er verurteilte unverantwortlichen Umgang mit dem Geld kleiner Sparer - und deponierte die Erwartung, dass "die Verantwortlichen auch einen persönlichen Beitrag zur Wiedergutmachung leisten". Versuche der Regierung, die Probleme der Bawag der SPÖ anzulasten, wies er zurück.

"Wann immer in der Vergangenheit Bankdirektoren mit dem Geld der kleinen Sparer unverantwortliche Spekulationsgeschäfte betrieben haben, so wird das von der SPÖ verurteilt", erklärte er wörtlich.

Lob spendete der SPÖ-Chef dem Bawag-Chef Ewald Nowotny: Dieser habe "in bemerkenswerter Art und Weise für Transparenz, Offenheit und Ordnung bei den Vorgängen um die Bawag gesorgt". Es sei im Interesse der hunderttausenden Sparer, einen verlässlichen Partner zu haben und im Interesse der tausenden Beschäftigten, einen sicheren Arbeitsplatz zu haben. "Wir haben die berechtigte Hoffnung, dass Ewald Nowotny hier alles in Ordnung bringen wird."

Nicht zu akzeptierten sei es, wenn die Regierung nun versuche, von der eigenen Schreckensbilanz abzulenken, eine Bank madig zu machen und die Probleme der Bawag der SPÖ anzulasten: "Die Regierung soll ihre Hausaufgaben machen, statt die Sparerinnen und Sparer und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu verunsichern", meinte Gusenbauer.

Er versicherte, dass die SPÖ, wann immer sie mit einer solchen Frage konfrontiert sei - bei privaten oder verstaatlichten Unternehmen - "die selben ethischen Standards" und "die selben strengen Kriterien" anlege. Und: "Wir haben in wirtschaftlichen Fragen die Lektionen aus der Vergangenheit gelernt." Ihm brauche niemand erzählen, was es heiße, ein Unternehmen oder eine Partei zu sanieren. "Das sollen uns Schüssel und Grasser erst einmal nachmachen und ihr eigenes vermurkstes Budget in Ordnung bringen ", sagte Gusenbauer abschließend.

Androsch: "Gusenbauer bleibt nichts erspart"
Mit den Worten "Es ist atemberaubend" kommentierte der frühere SPÖ-Minister Hannes Androsch die Causa - konkret die Tatsache, dass Verzetnitsch und Weninger mit Bawag-Anteilen im Gewerkschaftsbesitz für Verlustgeschäfte der Bawag bürgten. Bisher nie um Kritik gegenüber der eigenen Partei verlegen, ließ er laut "Kurier" in dieser Causa sogar Mitgefühl mit SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer anklingen: "Gusenbauer bleibt nichts erspart. Das ist alles nicht sehr hilfreich im Wahlkampf."

Gorbach legt Verzetnitsch Rücktritt nahe
Konsequenzen aus der Causa Bawag forderte der geschäftsführende BZÖ-Obmann Hubert Gorbach. So legte er dem ÖGB-Präsidenten Fritz Verzetnitsch den Rücktritt nahe. Außerdem will Gorbach "umfassende Aufklärung und Transparenz, um Schaden vom Finanzstandort Österreich abzuwenden". So will er geklärt haben, welche Rolle der frühere Bundeskanzler Viktor Klima bei den Karibik-Geschäften gespielt habe und "ob noch weitere hochrangige SPÖ-Politiker involviert sind".

"Wenn er Anstand hat, weiß er, was am Montag zu tun ist", meinte Gorbach gegenüber der APA zu Verzetnitsch. Kritisch äußerte er sich aber auch zu BAWAG-Vorstandschef Ewald Nowotny. Dieser trete zwar jetzt als Sanierer auf - aber es stelle sich die Frage, warum Nowotny nicht gleich nach seinem Amtsantritt im Jänner, wo er von der Sache erfahren habe, "diese Dinge von sich aus transparent gemacht" habe.

Leitl rechnet nicht mit Verzetnitsch-Rücktritt
Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl, der zum Sozialpartner Verzetnitsch eine gute Beziehung hat, rechnet laut "Kurier" allerdings "nicht damit, dass mir Fritz Verzetnitsch abhanden kommt".

Mainoni: ÖGB soll sich aus Bankgeschäft zurückziehen
BZÖ-Staatssekretär Eduard Mainoni plädierte für einen Rückzug des ÖGB aus dem Bankgeschäft. "Die roten Gewerkschaftsbosse haben mit diesem mittlerweile dritten Flop der Bawag eindrucksvoll bewiesen, dass sie nicht fähig sind professionell Bankgeschäfte zu führen. Für mich stellt sich aber generell die Frage, warum eine Gewerkschaft überhaupt ein Bankinstitut betreiben muss", meinte Mainoni.

Rücktrittsforderung von der FPÖ
Auch die FPÖ forderte neuerlich Konsequenzen. Parteichef Heinz-Christian Strache forderte Verzetnitsch und "alle Involvierten" zum Rücktritt auf. Strache sieht die SPÖ "in den Bawag-Skandal viel tiefer verwickelt, als sie zugibt". Denn: Bis gestern habe ÖGB-Chef Verzetnitsch jede Involvierung geleugnet. "Jetzt ist das Gegenteil offenkundig. Es wäre nicht überraschend, wenn das auch für die SPÖ gelten würde. Immerhin ist Verzetnitsch hoher SPÖ-Führungsfunktionär und der eineiige Zwilling von Alfred Gusenbauer", argumentierte Strache seine Ansicht, dass ein "gigantisches Netzwerk" hinter dem "Versuch der Vertuschung" stehen müsse.

Außerdem sieht Strache "eine ganze neue Dimension" der Causa - "wenn man bedenkt, dass ausgerechnet die BAWAG jene Bank ist, die die Vorfinanzierung für den Eurofighter-Deal abwickelt" habe. Für ihn drängt sich daher "der Verdacht auf, dass die ÖVP über dieses Zuckerl sich ein gewisses Wohlverhalten der SPÖ in der Eurofighter-Frage erkauft hat".

Betriebsrat fordert Rücktritt der involvierten Vorstände
Der Betriebsrat der Bawag PSK fordert die "verantwortlichen Vorstände" auf, bei der außerordentlichen Aufsichtsratssitzung am Montag zurückzutreten. "Wir fordern die involvierten Vorstände auf, von sich die Konsequenzen zu ziehen. Wenn dies nicht erfolgt, muss der Eigentümer aktiv werden", erklärte Betriebsratsvorsitzende Ingrid Streibel-Zarfl am Samstag in einer Aussendung.

Sie verwies auch darauf, dass die Bawag den größten Vorstand aller österreichischen Geldinstitute habe - "während wir uns in den Vertriebsbereichen mit immer knapper werdenden Personalressourcen konfrontiert sehen". "Das muss anders werden", merkte die Betriebsratschefin an, die Glaubwürdigkeit gegenüber den Mitarbeitern müsse wieder hergestellt werden.

In diesem Sinn plädierte sie auch für "Gleiches Recht für alle": Vor zwei Wochen sei das Dienstverhältnis mit einer Mitarbeiterin beendet worden, die unter anderem ohne Pouvoir am Filialleiter vorbei eine Kontoüberziehung in der Höhe von 1.000 Euro genehmigt hatte."Wenn MitarbeiterInnen für falsches Verhalten zur Verantwortung gezogen werden, muss dies auch für die Führungsebene gelten", stellte Streibel-Zarfl fest.

BAWAG-Aufsichtsrat Weninger versucht Schadensbegrenzung
Der scheidende BAWAG-Aufsichtsrat Weninger versuchte Freitag Abend in einem Interview für die ZiB2 eine Schadensbegrenzung für die Bank. Die BAWAG sei heute doppelt so viel wert wie Ende der 90er-Jahre, so Weninger. Als er 2000 über die Verluste informiert worden sei, wären dem Vorstand die Dimensionen noch gar nicht bewusst gewesen. Wenn man mit den Zahlen an die Öffentlichkeit gegangen wäre, hätten die Kunden das Vertrauen verlieren und abziehen können. Eine Wertberichtigung über Jahre sei durch das ÖGB-Vermögen möglich gewesen, niemand sei geschädigt worden.
(apa/red)