Spitzentöne von

Wien muss nicht Brüssel werden

Heinz Sichrovsky © Bild: NEWS

In den Beifall für die neue Wiener Kulturstadträtin Kaup-Hasler mengen sich erste skeptische Stimmen. Gewiss war es verdienstvoll, sich des überforderten Festwochen-Intendanten Zierhofer-Kin zu entledigen. Aber um den Preis eines Jahresgehalts? Und vor allem: um wem Platz zu machen? Der Nachfolger, der Belgier Christophe Slagmuylder, leitet mit Erfolg das Kunstenfestival in Brüssel, eine attraktive Adresse für Tanz und Performance. Die Frage ist, ob das für die Festwochen genügt. Wie steht es um seine Anbindung an tradiertes Theater, an Oper und klassische Musik? Im Grunde ist er ein Zierhofer für Wohlhabende. Und dann seine Antwort auf die Frage, ob er die vom Vorgänger stillgelegte Zusammenarbeit mit Musikverein und Konzerthaus wiederzubeleben gedenke: "Es kommt für mich ganz auf die künstlerischen Vorschläge an." Hier verkennt jemand die Proportionen: Nicht Musikverein und Konzerthaus müssen bei Mijnheer Slagmuylder vorstellig werden -er hat diese weltberühmten Institutionen davon zu überzeugen, dass sein Konzept ihren Ansprüchen genügt. Schon hört man von Ideen, auch das Volkstheater in ähnliche Bereiche zu positionieren, um etwas vom Glanz der belgischen Szene an den Arthur-Schnitzler-Platz zu transferieren. Der Letzte, der solches versucht hat, war der Belgier Chris Dercon, der die von ihm verwüstete Berliner Volksbühne kürzlich nach acht Monaten Amtszeit räumen musste.

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