Spitzentöne von

Zum Gedenken an Heinz Petters

Heinz Sichrovsky © Bild: NEWS

Zurückgezogen hatte er sich seit Längerem. Die heutige Theaterwelt war nicht mehr die seine, obwohl über der Vorgängerära der amtierenden Volkstheaterdirektion noch der helle Abglanz einer großen Nestroy-Kompetenz leuchtete. Nestroy und das Volkstheater: Das waren die Welten des Schauspielers Heinz Petters. Nestroy war in den Nachkriegsjahrzehnten das markanteste unter den strategischen Missverständnissen der Verdrängungskulturpolitik: Zum Operettenwurstel verzerrt, musste er die zu Nazi-Zeiten verleugnete österreichische Identität in Überdosis nachreichen. Aber am Volkstheater wusste man, wie es geht. In der Regie des großen Direktors Gustav Manker wurde auf fast leerer Bühne der authentische Nestroy rekonstruiert: ein rasierklingenscharfer Sprachvirtuose, dessen einziger Orientierungspunkt die Skepsis gegen die Gattung Mensch war. Petters war hier der König, der die von Nestroy selbst gespielten Rollen verkörperte, den Knieriem, den Weinberl, den Wendelin seine weiche, einschmeichelnde Rhetorik war das ideale Instrument zur Feinzeichnung hinterhältiger und doppelbödiger Charaktere. Dabei war er ein Sympathieträger von unwiderstehlichem Magnetismus und das, was man einen echten - keinen "Seitenblicke"-generierten - Volksschauspieler nennt. Man kannte ihn aus dem "Mundl" und aus "Trautmann", aber er wusste, wo er hingehörte. Auch das macht ihn einzigartig.

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