Spitzentöne von

Tausend Dank, Sgt. Pepper!

Heinz Sichrovsky © Bild: NEWS

Fünfzig Jahre ist das her, und ich habe es schon bei halb entwickeltem Bewusstsein erlebt, was mich prinzipiell nicht fröhlich stimmen sollte. Aber "Sgt. Pepper 's Lonely Hearts Club Band", das Ende Mai 1967 veröffentlichte achte Studioalbum der Beatles, war ein Initiationserlebnis, lebensverändernd wie später meine erste "Götterdämmerung". Ö3 stand noch im embryonalen Alter von minus fünf Monaten. Also jagte Evamaria Kaiser, Urahnin aller DJanes, via Radio Wien alles Anfallende radikaldemokratisch über den Plattenteller: Roy Black und die Stones, das Osterwald-Sextett und Joan Baez. Ich lauschte unter der Bettdecke, und mit einem Mal war da eine neue Tonalität, die meine Gewissheiten zutiefst erschütterte. "She's Leaving Home" war das Erste, was ich aus dem "Sgt. Pepper's"-Kosmos zu hören bekam: Eine Frau macht sich im Schutz des Morgengrauens davon, mit einem letzten Schmerzensblick auf die Kinder. Damals habe ich zu ahnen begonnen, was Feminismus ist, so wie mir "A Day in the Life" eine Idee des Existentialismus vermittelt hat. Ob "Lucy in the Sky with Diamonds" tatsächlich für LSD steht, hat mich sehr beschäftigt, und was eine "Meter Maid" ist, war Gegenstand erregter Mutmaßungen meinerseits. "Sgt. Pepper's" aber, das erste Konzeptalbum, behauptet in meiner Bach-Mozart-Wagner-Welt einen der vornehmsten Plätze.

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