Spitzentöne von

Ein Preis für die
Besten der Besten

Heinz Sichrovsky © Bild: NEWS

Es geht also auch anders, wenn in Stockholm Preise vergeben werden. Weder Plácido Domingo noch Riccardo Muti oder die Wiener Philharmoniker haben bisher über unerbetene sexuelle Annäherungen geklagt. Und auch ihre Nachfolgerin, die Sopranistin Nina Stemme, dürfte keine einschlägigen Traumata erlitten haben: Sie ist die eben bekannt gegebene vierte Trägerin des Birgit-Nilsson-Preises, der mit einer Million Dollar nur unwesentlich geringer dotiert ist als der im Gefolge erröten machender Verwerfungen ausgesetzte Literaturnobelpreis. Innerhalb des trendgehetzten Klassik-Betriebs ist er ein Unikum. Gestiftet hat ihn die 2005 verstorbene Sopranistin Birgit Nilsson, der ich beispiellose Erlebnisse in den Großbereichen Wagner und Richard Strauss verdanke. Domingo wurde noch von ihr selbst nominiert, in weiterer Folge entschied eine Jury internationaler Fachleute, die sich den Teufel um die Befindlichkeiten der Feuilletonisten-und Dramaturgenmafia scherten. Domingo, Muti, die Philharmoniker und nun die grandiose Stemme sind naheliegende, im gute Sinn konservative Preisträger, deren Priorität die Erzeugung möglichst konkurrenzloser musikalischer Qualität ist. Nun lese ich mit Schrecken, dass die Nilsson-Stiftung 2019 der Royal Academy of Music in Stockholm übertragen wird. Wenn es dann - man denkt an den Nobelpreis - nur nicht vorüber ist mit der Ruhe und der Kompetenz.

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