Spitzentöne von

Peymann kommt an die Burg zurück

Heinz Sichrovsky © Bild: NEWS

Aus dem immer noch reichen Innenleben des Burgtheaters dringt eine auch offiziell bestätigte Nachricht: Claus Peymann, Direktor des Hauses zwischen 1986 und 1999, kommt nächste Saison, in der Spätabenddämmerung der Intendanz seiner früheren Pressechefin Karin Bergmann, als Regisseur zurück. Angeblich soll es Ionescos "Die Stühle" werden, ein Schlüsselwerk des Surrealismus und so aus der Zeit gefallen wie Peymann selbst. Der hat an seinem früheren Haus zuletzt vor acht Jahren Shakespeare inszeniert: Seinen Nachfolgern war seine Anwesenheit nie geheuer, denn sie wurden ständig an ihm gemessen. Aber die explosive Wirkung, mit der er das Haus in Trümmer gelegt und wieder aufgebaut hat, ist heute gar nicht mehr zu erzielen, denn das Medium Theater verliert systematisch an Bedeutung. Weshalb das so ist, hat Peymanns großer Schauspieler Gert Voss erklärt: Wenn man die Ereignisse auf der Bühne ihrer Einzigartigkeit entkleidet und sie in die Heutigkeit herunterblödelt, schafft man nicht etwa Aktualität. Man holt sich auch kein junges Publikum, denn man begibt sich in aussichtslose Konkurrenz zu einer Flut digitaler und analoger Belanglosigkeit. Kürzlich inszenierte Peymann "Lear" in Stuttgart und holte dafür Martin Schwab aus Wien. Das Feuilleton wollte sich vor Lachen ausschütten: Da spielt einer Shakespeare vom Blatt! Gaga, der Typ. Aber das Publikum kommt in hellen Scharen.

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