Spitzentöne von

Noch eine Ehrung für Menasse

Heinz Sichrovsky © Bild: NEWS

Robert Menasse hat ein unmögliches und großartiges Buch geschrieben: Krimi, Satire, politisches Manifest und Liebesroman in einem, wobei der Gegenstand schmerzvoller Leidenschaftsbekundung der EU-Apparat in Brüssel ist. Dass dergleichen schon aufgrund der libidominimierenden Themenstellung nur scheitern könne, war allen klar. Bis der Roman "Die Hauptstadt" verfügbar war, sich als formidables Erzählkunstwerk herausstellte und mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet wurde.

Interessant sind die Reaktionen: Ein subterrestrisch argumentierter Ausbruch in der "FAZ" ausgenommen, bewundert das Feuilleton den an Karl Kraus geschärften Sprachwitz und den Reichtum der Erfindung. Spannend aber ist der Blick in die Foren österreichischer Tagesperiodika: Der Groll überwiegt, und erkennbar die linke bzw. liberale Konkurrenz wütet gegen den Erfolgreicheren. Das Hauptmaß der Erbitterung bezieht sich darauf, dass Menasse schon so viele Preise hat: Hier herrscht offene Fressfeindschaft.

Eine stattliche Abordnung stellen klarerweise auch die "Staatskünstler"-Paranoiker und Kommunistenausspäher. Merke: An Geistern wie Menasse versagt sogar der österreichische Unterwürfigkeitsreflex vor Orden und Urkunden. Schon Elfriede Jelinek erfuhr das, als sie den Nobelpreis bekam. Sich in diese Gesellschaft geschrieben zu haben, ist dem Deutschen Buchpreis zumindest gleichrangig.

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