Spitzentöne von

Der große Dichter Florjan Lipuš

Heinz Sichrovsky © Bild: NEWS

Wie zornig Peter Handke war, als ich ihn vor zwei Jahren daheim in Chaville bei Paris besucht habe! Soeben war dem österreichischen Schriftsteller Florjan Lipuš der Große Österreichische Staatspreis für Literatur verweigert worden. Jurymitglied Handke hatte ihn vorgeschlagen, doch der entscheidungsbefugte Kunstsenat hatte das Ansinnen mit der Begründung, Lipuš schreibe nicht auf Deutsch, sondern auf Slowenisch, zurückgewiesen. Slowenisch sei eine anerkannte österreichische Amtssprache und Lipuš ein österreichischer Dichter weltliterarischen Formats, empörte sich Handke, der das zentrale Romanwerk seines Freundes, "Der Zögling Tjaž", übersetzt hat.

Nun wurde die Schande von damals getilgt. Der 81-Jährige bekommt den Preis, und die Begründung kann als Entschuldigung gelesen werden: "Lipuš behandelt in seiner Literatur den Widerstand gegen den Nationalsozialismus, die Vertreibung und Ermordung der Kärntner Slowenen, die Geringschätzung der slowenischen Minderheit durch die Mehrheitsbevölkerung, aber auch die Rettung der schwindenden Welt slowenischer Wörter und Wendungen als Grundlage einer neuen selbstbewussten Identität."

Das wäre schon viel, aber für die Vergabe eines Literaturpreises letztlich unerheblich. Deshalb das Wichtigste: Lipuš ist ein großer, faszinierender, wortgewaltiger Erzähler. Lesen Sie ihn, Sie werden es nicht bereuen.

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