Spitzentöne von

Eine Ovation für die Symphoniker

Die Wiener Symphoniker erregen Aufsehen, das bis nach China reicht

Heinz Sichrovsky © Bild: NEWS

Innerhalb weniger Tage konnte ich mich zuletzt zwei Mal von der fabelhaften künstlerischen Kondition der Wiener Symphoniker überzeugen. Erst spielten sie im Theater an der Wien Henzes vertrackt-geniale "Elegie für junge Liebende", dann im Konzerthaus ein akklamiertes Abonnementprogramm. Der Dirigent Jukka-Pekka Saraste gewährleistete mit Sibelius' zweiter Symphonie ein finnisches Originalklangerlebnis: Die Türmungen, koboldhaften Lichtreflexe und trotzigen Eruptionen wurden mit technischer Perfektion und blühendem Farbenreichtum umgesetzt. Zuvor trat das Orchester in idealen Dialog mit der Virtuosin Sol Gabetta, die Schostakowitschs erstes Cellokonzert mit Furor zum Triumph brachte; besser ist das heute nirgends herstellbar. Vor Kurzem erst erregten die Symphoniker unter ihrem Chefdirigenten Philippe Jordan mit einem Zyklus der neun Beethoven-Symphonien Aufsehen bis China.

Vorbei ist die Zeit, da man hinter den Philharmonikern den notorischen Zweiten abgab. Die leiden in der Oper an schwachen Dirigenten, und das Fehlen eines Musikchefs wirkt sich in Zeiten des Generationenwechsels hörbar aus. So bezogen sich die Schlagzeilen zum 175-Jahre-Jubiläum eher auf Probleme der Orchesterführung. Selbstverständlich spielen die Philharmoniker nach wie vor grandios. Aber die alten Besitzstände haben sich aufgelöst.

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