Spionage-Affäre in Formel 1 weitet sich
nun aus: Ferrari reicht zweite Klage ein

McLaren-Chefingenieur Coughlan unter Verdacht Bei Hausdurchsuchung belastendes Material gefunden

Das Formel 1-Team Ferrari hat eine zweite Klage beim Gericht der Stadt Modena wegen Spionage eingereicht. Technische Informationen über die Ferrari-Boliden sollen an McLaren weitergegeben worden sein, berichteten italienische Medien. Unter Verdacht ist der Chefingenieur von McLaren, Mike Coughlan, geraten. Er ist angeblich die Person, dem der von Ferrari entlassene Chefmechaniker Nigel Stepney Geheiminformationen geliefert haben soll.

McLaren hatte in einer Presseaussendung berichtet, einen "hochrangigen Techniker" suspendiert zu haben. Der Name des Verdächtigen war nicht bekannt gegeben. Nach Ferraris Anzeige wurde Coughlans Wohnung in England durchsucht, berichteten italienische Medien. Dabei wurde belastendes Material gefunden, teilte Ferrari in einer Presseaussendung mit. McLaren bestätigte, dass der Verdächtige Ende April ein Dossier von einem Mitarbeiter Maranellos erhalten habe.

Ferrari hatte Stepney wegen des Vorwurfs der Sabotage entlassen. Der italienische Formel-1-Rennstall wirft dem Engländer vor, beide Autos vor dem Großen Preis von Monte Carlo manipuliert zu haben. Der 48-Jährige soll ein weißes Pulver in die Tanköffnungen der Ferrari geschüttet haben. Stepney, dessen Vertrag bei Ferrari zum Saisonende ausläuft, hatte im Februar Abwanderungsgedanken geäußert. Daraufhin war er vom aktuellen Renngeschehen in den Innendienst versetzt worden.

Stepney stand 14 Jahre in Diensten der Scuderia. Von 1993 bis 2001 war er Chefmechaniker. 2002 war er für das Betanken der Rennwagen während der Grand Prix verantwortlich. Bis Ende dieser Woche sollen Experten der Staatsanwaltschaft von Modena klären, was das Pulver enthält, das Stepney in die Tanköffnungen der Ferrari geschüttet haben soll.

(apa/red)