Spießroutenlauf: Hundekot als Falle für Blinde, Sehbehinderte und Rollstuhlfahrer

Aber vierbeinige Helfer führen um Haufen herum

Mag sich ein Gesunder bei einem "Tritt ins Glück" noch selbst Unaufmerksamkeit vorwerfen, so ist der Ärger eines Blinden oder Sehbehinderten, der gerade in einen Hundehaufen getappt ist, umso größer: "Das ist eine sehr unangenehme Sache. Man kann sich die Schuhe ja nur schwer putzen, wenn man keinen Sehenden dabei hat", erzählte Martin Tree von der Wiener Landesorganisation des Österreichischen Blinden und Sehbehindertenverbands.

Mit dem Blindenstock hat man nur wenig Chancen, die Häufchen aufzuspüren. Im schlechtesten Fall pickt der Kot dann nicht nur auf den Schuhen, sondern eben auch auf dem Stock. Aber es gibt auch richtige Glückspilze: So blieb eine Kollegin Trees ihr ganzes bisheriges Leben von einer unangenehmen Begegnung mit den allgegenwärtigen Häufchen verschont.

Das kann auch Beate Krames, Vorsitzende des Fachbereichs der Blindenführhunde, zumindest teilweise von sich behaupten - was sie ihrem elf Jahre alten "Attila" verdankt. Die vierbeinigen Helfer führen ihre Besitzer nämlich zuverlässig um den Kot ihrer Artgenossen herum. Und es kommt noch besser: Blindenhunde sind laut Krames darauf trainiert, sich nicht auf dem Gehsteig zu erleichtern, sondern nur dort, wo niemand hin tritt - etwa unter einem Gebüsch. Im Falle von Durchfall, will sie sich allerdings auch nicht für ihren Begleiter verbürgen.

Hundekot ist aber auch für Rollstuhlfahrer eine immer wiederkehrende Belästigung, weiß der selbst davon betroffene Walter Sebek. Schmale Gehsteige, Bereiche rund um Parks und Grünflächen werden zu einem richtiggehenden Häufchenslalom. Durch die Greifreifen, die nur geringen Abstand von der Lauffläche haben, spiegeln Hände und Ärmel oft genug den Zustand der Gehsteige wieder: Nässe, Gatsch oder im schlimmsten Fall Hundekot.

(apa)