SPEZIAL: DER EINSTURZ DER REICHSBRÜCKE

SPEZIAL: DER EINSTURZ DER REICHSBRÜCKE

Der 1. August 1976 sollte ein heißer Tag werden. Stunden später wären tausende Wiener über die Reichsbrücke in die Bäder der Alten Donau gefahren. An diesem Tag stehen sie jedoch schockiert vor den Trümmern der Reichsbrücke, die mitten in der Donau schwimmen. Auf einem Stück Fahrbahnrest schwimmt auch ein Bus der Linie 26A. Unter den Trümmern der Brücke verschwindet das Wrack eines Kleinlastwagens.

"Herrgott, die Bruck'n is weg"
Eine Bewohnerin des Hauses Mexikoplatz 2 schreit nach dem Blick aus ihrem Wohnungsfenster laut auf. "Die Reichsbrücke ist eingestürzt" heißt es kurz darauf in den Frühnachrichten. Schon um sechs Uhr früh stehen hunderte Schaulustige auf beiden Seiten der Donau und beobachten die Bergearbeiten.

Das Unglück
Gegen 4:40 Uhr in der Früh überquerten gerade ein Kleinbus und ein Gelenkbus der Wiener Verkehrsbetriebe die Brücke. Der Busfahrer Erich Volcamsek beschrieb damals, dass sich die Brücke zuerst völlig lautlos um einen halben Meter hob. Danach sank sie mit einem ohrenbetäubenden Krachen in die Donau. Erich Volcamsek überlebte und wurde aus der Donau gezogen. Der 22-jährige Karl Kretschmer hatte weniger Glück. Er starb in den Trümmern seines Kleinlasters.

Die "unzerstörbare" Brücke
Die Reichsbrücke galt zu dieser Zeit in Wien als Symbol für Unzerstörbarkeit und Ewigkeit. Sie hatte als einzige Brücke Wiens den Zweiten Weltkrieg beschädigt aber unzerstört überlebt. Als Bürgermeister Leopold Gratz von der Katastrophe verständigt wurde, soll er gesagt haben "Was die Reichsbrücke? Ich hab' geglaubt, die Floridsdorfer Brücke?"

Damals wusste man zwar vom desolaten Zustand der Brücke in Floridsdorf, war aber vom guten Zustand der Reichsbrücke überzeugt.

Unglücksursache
Die Untersuchung der Expertenkommission ergab, dass das Unglück nicht vorhersehbar war. Der Einsturz hätte auch durch eine eingehende Prüfung nicht vorhergesehen werden können. Schuld war der schlampige Wiederaufbau des linken Pfeilers nach Kriegsende. Der Pfeiler war zum Teil mit Sand und unverdichtetem Beton gefüllt worden. Durch das schlechte Material war Wasser eingedrungen. Dadurch kam es zum Einsturz der ganzen Brücke.