Sperre für Österreich? IOC-Sprecherin dementiert Androhung von Sanktionen

ÖOC reagiert & setzt Untersuchungskommission ein Strafen drohen: Unerlaubtes Equipment gefunden

Im Rahmen der Doping-Affäre rund um Österreichs Biathleten und Langläufer stand zuletzt sogar eine Sperre Österreichs im Raum. IOC-Sprecherin Giselle Davies dementierte nun aber Gerüchte, wonach das Internationale Olympische Komitee (IOC) dem ÖOC wegen der Doping-Affäre Sanktionen angedroht hätte.

"Das IOC übt überhaupt keinen Druck auf das Österreichische Olympische Komitee aus. Wir begrüßen hingegen sehr, dass das ÖOC selbst eine Untersuchungskommission einsetzen wird", meinte Davies auf APA-Anfrage. Im Gegenteil man arbeite mit dem ÖOC zusammen. "Wir hoffen, dass auch deren Kommission helfen wird, Licht in die Sache zu bringen."

Gerüchte, wonach sogar von einem "Krieg zwischen dem IOC und ÖOC" die Rede sei, seien absurd. "Es gibt gute Beziehungen zwischen dem IOC und dem ÖOC. Leute können immer schlecht zitiert werden, ich weiß das aus eigener Erfahrung, also mache ich keine Statements zu solchen Aussagen."

Auch ein Disziplinar-Komitee sei noch nicht ins Leben gerufen worden. "Es ist besser abzuwarten, bis wir das gesamte Bild der Sache haben. Wenn wir es jetzt machen, wofür genau? Wir haben keinen Zeitdruck." Und darum seien auch die angeblich angedrohten Sanktionen nur ein Gerücht, weil es ja nicht einmal noch eine Disziplinar-Kommission gebe. Möglicherweise habe es ein Verständnisproblem oder eine Missinterpretation auch in dieser Angelegenheit gegeben.

ÖOC-Untersuchungs-Kommission
Das Österreichische Olympische Comite (ÖOC) reagierte unterdessen auf die Vorfälle rund um die Razzien in den Quartieren der österreichischen Langläufer und Biathleten und setzt zur lückenlosen Aufklärung eine eigene Untersuchungs-Kommission ein. Dieter Kalt, Vorsitzender des Wintersportausschusses im ÖOC, wird die Leitung übernehmen. Ihm werden zwei weitere Leute, ein ehemaliger Sportler und ein Vertreter des Internationalen Sportgerichtshofes (CAS), zur Seite gestellt.

"Die Arbeit hat bereits mit ersten Gesprächen mit Beteiligten begonnen", erklärte ÖOC-Generalsekretär Heinz Jungwirth. Es bestehe, so Jungwirth, "extremer Handlungsbedarf". "Der Druck vom IOC ist enorm." Sogar eine Strafe, die bis zu einer eigentlich unüblichen Sperre führen könne, stehe im Raum.

"Beim IOC braut sich Wolke zusammen"
Jungwirth äußerte sich einigermaßen besorgt. "Beim IOC braut sich eine Wolke zusammen. Ob die Testergebnisse positiv oder negativ sind ist egal. Wir müssen reagieren, bevor wir uns alles aus der Nase ziehen lassen", sagte Jungwirth. Es sei genügend gefunden worden und mit disziplinären Maßnahmen sei zu rechnen. "Es wurde absolut nicht erlaubtes Equipment gefunden, darunter Material zur Bluttransfusion."

Live-Übertragung der Pressekonferenz hat geschadet
Grund für die Verschärfung der Lage dürfte wohl auch die im ORF live übertragene Pressekonferenz des ÖSV gewesen sein, die auch die internationale Medien-Schelte noch intensiver hat werden lassen. "Ich bin der Ansicht, dass das nicht gescheit war. Es hat allen nur geschadet", meinte der ÖOC-Generalsekretär zu dem Medientermin. Es habe Kontakt mit der IOC-Kommunikationsstelle des IOC-Präsidenten Jacques Rogge gegeben. "Man hat uns Wort für Wort Zitate aus der Pressekonferenz vorgelesen und sich gewundert. Wir müssen zu diesem Zeitpunkt alles tun, um Österreich ins rechte Licht zu rücken!"

Hinzukomme freilich, dass es ja schon vor vier Jahren in Salt Lake City eine Doping-Affäre gegeben hat. "Wir als NOK sind der Ansprechpartner für das IOC. Jede Sendung des ORF werde auch von Stellen im IOC mit größter Aufmerksamkeit verfolgt. Wir sind auf der Schaubühne!"

"Mit Dieter Kalt als Vorsitzendem der Kommission ist gewährleistet, dass diese Untersuchung mit aller notwendigen Sorgfalt durchgeführt wird. Sie wird alle wichtigen Fakten zu Tage bringen, die dazu beitragen werden, notwendige Veränderungen herbeizuführen und die Integrität des Österreichischen Olympiateams wieder herzustellen", meinte ÖOC-Präsident Leo Wallner in einer Aussendung des NOK. Kalt sei auch als Jurist der geeignete Mann.

Alle Fragen rund um die Anwesenheit des für Olympische Veranstaltungen gesperrten Trainers Walter Mayer sollen geklärt werden. In einem Gespräch mit dem IOC-Präsidenten Rogge hatten Bundeskanzler Wolfgang Schüssel und der ÖOC-Präsident ihre volle Unterstützung hinsichtlich der Anti-Doping-Politik des IOC und auch der vom IOC am Dienstag eingesetzten Untersuchungskommission zugesagt.

Die ÖOC-Untersuchungskommission Turin 2006 hat folgende Ziele:

  • Die Umstände von Walter Mayers Aufenthalt beim Langlauf- und Biathlon-Team während der Winterspiele im Detail aufzuklären
  • Zu evaluieren, wie der Akkreditierungsprozess für Turin 2006 des Österreichischen Olympischen Comites ablief und die klare Grenze zu finden, wie weit das ÖOC bei den Akkreditierten und Nichtakkreditierten verantwortlich ist oder nicht
  • Alle Materialen und Beweise zu bearbeiten, die von der
    italienischen Polizei und vom IOC gesammelt worden sind
  • Alle Mitglieder der Langlauf- und Biathlon-Teams samt des
    Managements des Österreichischen Skiverbandes zu befragen
  • Der IOC-Untersuchungskommission volle Unterstützung zu gewähren


Wallner schätzt Situation als "sehr ernst" ein
Leo Wallner, der Präsident des Österreichischen Olympischen Comites (ÖOC), erklärte in einem ORF-TV-Interview, man wolle feststellen, "wer davon wusste, dass Mayer in einem offiziell von österreichischen Sportlern besetzten Haus war".

Wallner erklärte, er schätze die Situation als sehr ernst ein. "Ich bin aber sicher, dass wir nicht ausgeschlossen werden", sagte Wallner zu möglichen Sanktionen gegen das ÖOC-Team. "IOC-Präsident Rogge ist sehr glücklich über die Einsetzung einer Kommission. Die von uns gesetzten Maßnahmen genügen dem IOC."

Über den Zeitpunkt der Bekanntgabe der Ergebnisse der von ÖSV-Biathleten und -Langläufern genommenen Dopingproben konnte Wallner keine Angaben machen. "Die Ergebnisse werden in den nächsten zwei Tagen oder nach den Spielen bekannt gegeben."

Nach Wallners Angaben sei im Vorfeld der Winterspiele nicht bekannt gewesen, dass sich der nicht akkreditierte Mayer in der Olympia-Region aufhalte. "Wir haben aber erfahren, dass Mayer eine Nacht in einem Haus der Athleten geschlafen hat", sagte der ÖOC-Chef. (apa/red)