Spekulationen über mögliche Strauss-Kahn-
Nachfolge: Rücktritt von IWF-Boss gefordert

Mögliche Kandidaten: Mirow, Ackermann und Lagarde IWF-Verwaltungsrat will Gerichtsverfahren abwarten

Spekulationen über mögliche Strauss-Kahn-
Nachfolge: Rücktritt von IWF-Boss gefordert © Bild: Reuters/Dunand

Angesichts der Vorwürfe zu erzwungenem Sex mit einer Hotelangestellten verliert der Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn, an Rückhalt in Europa. Finanzministerin Maria Fekter legte dem 62-Jährigen den Rücktritt nahe. Während eine Debatte um seine Nachfolge in vollem Gang war, wurde Strauss-Kahn auf die New Yorker Gefängnisinsel Rikers Island gebracht.

"Im Hinblick auf die Situation, dass eine Kaution abgelehnt wurde, muss er sich selber überlegen, dass er sonst der Institution Schaden zufügt", sagte Fekter am Rande eines Treffens mit ihren EU-Kollegen in Brüssel. Die spanische Finanzministerin Elena Salgado sagte: "Die Solidarität, zumindest meine, gilt der Frau, die eine Aggression erlitten hat, wenn es so war." Ihrer Ansicht nach seien die Vorwürfe gegen den Franzosen Strauss-Kahn von "außergewöhnlicher Schwere".

Laut der deutschen "Bild"-Zeitung werden in Berlin bereits der Leiter der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung in London, Thomas Mirow, sowie Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann als mögliche Nachfolger für Strauss-Kahn genannt. Als mögliche Kandidatin gilt auch Frankreichs Finanzministerin Christine Lagarde. Sie äußerte sich in der Debatte bisher nicht. Die Lage ihres Landsmanns sei "niederschmetternd und schmerzhaft", sagte sie lediglich. Der türkischen Zeitung "Hürriyet" zufolge ist auch der frühere türkische Wirtschaftsminister und ehemalige Chef der UN-Entwicklungsorganisation UNDP, Kemal Dervis, als Nachfolger im Gespräch.

IWF-Sondersitzung
Der IWF-Verwaltungsrat erklärte nach einer Sondersitzung am Montagabend, zunächst die Entwicklungen im Verfahren gegen Strauss-Kahn abzuwarten und noch keine Entscheidung hinsichtlich dessen Zukunft beim IWF getroffen zu haben. Sowohl Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) als auch Belgiens Finanzminister Didier Reynders hatten am Montag erklärt, den IWF-Chefposten solle wieder ein Europäer übernehmen. EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso sagte: "Wenn eine Nachfolge notwendig wird, sollten die Länder der Europäischen Union einen Kandidaten aufstellen." Euro-Gruppenchef Jean-Claude Juncker warnte hingegen vor Vorverurteilungen und kritisierte die Diskussion über einen Nachfolger.

Auch Frankreichs konservativer Regierungschef Francois Fillon sagte, für Strauss-Kahn müsse die Unschuldsvermutung gelten. Das mutmaßliche Opfer habe zugleich ein "Recht auf Respekt und Mitgefühl". Fillon rief dazu auf, in der Affäre "Taktgefühl und Verantwortung" unter Beweis zu stellen. "Niemand darf sie ausbeuten." Strauss-Kahn galt bei den oppositionellen Sozialisten in Frankreich bisher als aussichtsreicher Präsidentschaftskandidat.

Kaution abgelehnt
Strauss-Kahn soll in einem New Yorker Luxushotel ein Zimmermädchen sexuell attackiert und zum Oralsex gezwungen haben. Eine Haftrichterin lehnte am Montag eine Entlassung auf Kaution ab. Strauss-Kahn wurde auf die Gefängnisinsel Rikers Island gebracht, wo bis zu 17.000 Gefangene untergebracht werden können. Dort sollte der IWF-Chef keinen Kontakt zu anderen Insassen haben, sagte ein Justizsprecher. Dies bedeute aber nicht, dass er immer in seiner Zelle bleiben müsse. Vielmehr werde er bei jedem Freigang von einem Gefängniswärter begleitet. Die nächste Anhörung soll am Freitag stattfinden.

(apa/red)