Spekulanten schuld an Wirtschaftskrise:
Umfrage zeigt deutliche Schuldzuweisung

Aber nur 15 Prozent für Abkehr von Marktwirtschaft 71 Prozent befürchten noch eine Verschlimmerung

Spekulanten schuld an Wirtschaftskrise:
Umfrage zeigt deutliche Schuldzuweisung © Bild: APA/DPA/Boris Rössler

Die Österreicher geben zwar Börse-Spekulanten und unverantwortlich agierenden Managern die Hauptschuld an der Wirtschaftskrise, für eine Abkehr von der Marktwirtschaft sind aber nur rund 15 Prozent. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Linzer Meinungsforschungsinstituts IMAS. Nur 28 Prozent sind demnach für einen Austritt aus der EU.

59 Prozent der Befragten halten Spekulanten für die Hauptverantwortlichen für die Wirtschaftskrise. 56 Prozent geben die Schuld jenen Managern, die nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht sind, ebenso viele den steigenden Energie- und Rohstoffpreisen. Die Skrupellosigkeit amerikanischer Finanzkreise ist für 51 Prozent Auslöser des Debakels. 47 Prozent meinen, dass die Banken zu leichtfertig Kredite vergeben haben.

Fehlende Kontrolle
36 Prozent orten einen Grund in der fehlenden Kontrolle der Wirtschaft durch den Staat, 31 Prozent machen das Versagen des marktwirtschaftlichen Systems und 28 Prozent die Globalisierung für die Krise verantwortlich. Überhöhte Forderungen der Gewerkschaft und zu starke Eingriffe des Staates in die Unternehmen sehen nur 14 bzw. 13 Prozent.

Als Konsequenz aus der Krise wollen zwei Drittel der Österreicher strengere Strafen für Betrügereien in der Unternehmensleitung und eine Beschränkung der Manager-Gehälter (62 Prozent). 56 Prozent raten dem Staat zu einem sparsameren Umgang mit Steuermitteln, einer Entlastung der Steuerzahler sowie einer stärkeren Kontrolle der Banken.

Verstaatlichung hoch im Kurs
27 Prozent wollen, dass jene privatisierten Unternehmen, die für die Allgemeinheit wichtig sind, wieder verstaatlicht werden. Privatisierungen in Staatsbetrieben sehen hingegen nur 12 Prozent als Lösung. Ebenso wenige meinen, dass Arbeitnehmer eine Zeit lang auf betriebliche Sozialleistungen verzichten sollten.

Laut einer ebenfalls am Donnerstag veröffentlichten Umfrage des Linzer "market"-Instituts, das im November 400 Leute befragt hat, befürchten 71 Prozent der Österreicher, dass sich die Wirtschaftskrise noch verschlimmern wird. Der neuen Bundesregierung schreiben 72 Prozent der Befragten als wichtigste Aufgabe die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit ins Stammbuch. Gleich dahinter rangiert die Belebung der Wirtschaft, die für 66 Prozent vorrangig ist. 60 Prozent wollen mehr Unterstützung für Familien, 49 Prozent eine Steuersenkung, die die Haushalte entlastet. Die Stützung der österreichischen Banken rangiert mit 17 Prozent an letzter Stelle.
(apa/red)