Spektakuläre Entscheidung: Altmann erhält auch Palais in Wiener Innenstadt zurück!

Gebäude in Elisabethstraße 18 ist ÖBB-Zentrale Immobilie hat Wert von vier bis fünf Millionen Euro

Spektakuläre Entscheidung: Altmann erhält auch Palais in Wiener Innenstadt zurück!

Im Entschädigungsfonds der Republik Österreich ist eine spektakuläre Entscheidung gefallen. Die Schiedsinstanz für Naturalrestitution hat diese Woche die Empfehlung ausgesprochen, das Wiener Innenstadtpalais in der Elisabethstraße 18 (Bild) den Erben der Familie Bloch-Bauer zurückzugeben.

Dieser Erbengemeinschaft gehört auch die 90-jährige Nichte der Familie, Maria Altmann, an. Erst vor wenigen Wochen wurden der Erbengemeinschaft um Maria Altmann fünf wertvolle Klimt-Bilder restituiert.

Der Entschädigungsfonds der Republik wollte den Spruch der Schiedsinstanz am Donnerstag, veröffentlichen, nachdem alle am Verfahren Beteiligten informiert sind. Die Wiener Gratiszeitung "Heute" hat aber bereits am Mittwoch über die Entscheidung berichtet.

Altmann, die in den USA lebt, ist die Nichte von Adele und Ferdinand Bloch-Bauer. Die Familie Bloch-Bauer hatte das Palais 1919 erworben. In der NS-Zeit wurde das Gebäude "arisiert" und von der Reichsbahn gekauft. Seit 1945 ist in diesem Palais auch die ÖBB untergebracht.

Experten: Immobilie 4 bis 5 Millionen Euro wert
Experten schätzen den Wert der Immobilie auf vier bis fünf Millionen Euro. Der Spruch der Schiedsinstanz ist nur eine Empfehlung. Die Republik hat jedoch zugesagt, allen Entscheidungen Folge leisten zu wollen.

Die Schiedinstanz prüft Anträge auf Rückgabe in der NS-Zeit "arisierter" Liegenschaften und Immobilien, die sich heute im Besitz der Öffentlichen Hand befinden und gibt dann eine Empfehlung für oder gegen eine Rückgabe ab. So empfahl das Gremium die Rückgabe eines Palais in der Weihburggasse in Wien-Innere Stadt (heute AMS) und eines ehemaligen Sanatoriums in der Schmidgasse in Wien-Josefstadt (heute von der US-Botschaft genutzt). In einem weiteren prominentem Fall, der ehemaligen Amtsvilla des Bundespräsidenten auf der Hohen Warte, sprach sich die Schiedsinstanz gegen eine Restitution aus.

ÖBB wartet Vorgaben des Eigentümers ab
Die ÖBB wird im Fall "Elisabethstraße 18" die Vorgaben des Eigentümers, der Republik Österreich, zeitlich und inhaltlich abwarten", erklärte eine Sprecherin des Konzerns Mittwochnachmittag auf Anfrage der APA. In dem Verfahren habe nicht die ÖBB, sondern die Republik Parteienstellung gehabt.

Die Sprecherin verwies weiters darauf, dass in dem ehemaligen Palais der Familie Bloch-Bauer nie die ÖBB-Zentrale untergebracht gewesen sei. Diese habe sich - bis zur Übersiedlung im Vorjahr auf den Wienerberg - im Haus Elisabethstraße 9 befunden. Im Haus Elisabethstraße 18 seien Verwaltungsabteilungen der ÖBB untergebracht gewesen, dieses stehe jedoch seit dem Vorjahr leer.

Schiedsinstanz empfiehlt Rückstellung
Die Schiedsinstanz für Naturalrestitution hat nur die Rückstellung des Viertelanteils der Bloch-Bauer-Erbin Maria Altmann an der Liegenschaft Elisabethstraße 18 in der Wiener Innenstadt empfohlen. In dem 41 Seiten umfassenden Schiedsspruch, heißt es, dass von den anderen Erben des Palais "derzeit keine Anträge vorliegen". Ob diese Erben nun auch Anträge stellen werden, war vorerst nicht bekannt.

Die Liegenschaft war bereits Gegenstand eines früheren Verfahrens gewesen, jedoch stellt der damals - vor 50 Jahren - abgeschlossene Vergleich nach Ansicht der Schiedsinstanz eine "extreme Ungerechtigkeit" dar, so die Schiedsinstanz.

Maria Altmanns Anwalt E. Randol Schoenberg erklärte, er wisse nicht, was die Erbin mit dem Viertelanteil vorhabe. "Ich weiß nur eines: Diesmal bleibt es sicher in Wien", so der Anwalt in Anspielung auf die fünf restituierten Klimt-Bilder, die in der Vorwoche aus Österreich in die USA gebracht wurden.

(apa/red)