SPD-Hoffnungsträger legt sein Amt zurück: Matthias Platzeck geht nach einem Hörsturz

52-Jährige drängte sich bei Ämtervergabe nie auf

Matthias Platzeck sollte im November 2005 als neuer Hoffnungsträger die SPD aus der Krise herausführen, in die sie durch den abrupten Abgang von Franz Müntefering gestürzt worden war. Zugleich blieb Platzeck bei der Übernahme des Parteivorsitzes Ministerpräsident und SPD-Landeschef in Brandenburg. Ein Hörsturz - das klassische Alarmsignal des Körpers für Stress - brachte den 52-Jährigen vor knapp zwei Wochen ins Krankenhaus. Am Montag erklärte Platzeck den Rücktritt als SPD-Chef.

Platzeck hat sich bei der Vergabe von Ämtern nie aufgedrängt. Fast immer wurde er gerufen. Berliner Regierungsämter hatte er ausgeschlagen. Bisher wurde aber davon ausgegangen, dass er als Herausforderer von Kanzlerin Angela Merkel bei der nächsten Bundestagswahl 2009 antritt.

Der am 29. Dezember 1953 in Potsdam geborene Platzeck wuchs in einem evangelisch geprägten Elternhaus auf. Der studierte Umwelthygieniker begann sein politisches Engagement mit der Wende 1989. Ein Jahr später zog er für die Grüne Partei der DDR in die erste frei gewählte Volkskammer ein. Nach der Einheit war er bis 1998 Umweltminister im brandenburgischen Kabinett von Manfred Stolpe.

Weil er die Fusion von Bündnis 90 mit den westdeutschen Grünen ablehnte, war Platzeck vorübergehend parteilos, bis er 1995 der SPD beitrat. Der als geradlinig und besonnen beschriebene Politiker wurde 1998 Potsdamer Oberbürgermeister und folgte 2002 auf Stolpe als Brandenburger Regierungschef. Seitdem leitet der geschiedene Vater von drei Töchtern eine große Koalition mit der CDU. (apa)