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Bausparvertrag: Lohnt
sich das überhaupt noch?

Viele Österreicher vertrauen immer noch auf den guten alten Bausparvertrag.

Bausparen © Bild: Shutterstock.com/pogonici

Rund 5,3 Millionen Österreicher haben einen Bausparvertrag. Im Stimmungsbarometer des Marktforschungsunternehmens GfK Austria für das 1. Quartal 2016 bezeichneten 30 Prozent der Befragten Bausparen als besonders attraktiv. Damit rangiert der "Bausparer" heuer aber nur noch auf Platz drei der beliebtesten Spar-oder Anlageformen. Aber lohnt sich das überhaupt noch?

Auch die Neuverträge sind seit 2013 rückläufig. 2015 gab es da ein Minus von 8,3 Prozent im Vergleich zu 2014. Und trotzdem: Bausparen gilt in Österreich nach wie vor als eine sichere und risikolose Sparanlage und Finanzierungsform. Und das trotz der dramatisch niedrigen Zinsen der Bausparkassen. "Momentan ist im Sparbereich, egal bei welcher Sparform, nicht daran zu denken, die Inflation mit diesen niedrigen Zinsen auszugleichen", sagt Walter Hager, Projektleiter im Bereich Finanzdienstleistungen beim Verein für Konsumenteninformation (VKI). Für wen lohnt sich ein Bausparvertrag also noch? Und was sollte man beachten?

1. Volle Summe einzahlen
Bausparen eignet sich am ehesten noch für sogenannte Vollsparer. Das sind Sparer, die den geförderten monatlichen Maximalbetrag von 100 Euro einzahlen. Nur so kann man die volle staatliche Prämie kassieren. Diese macht derzeit 1,5 Prozent aus. Zahlt man den maximalen geförderten Betrag ein, bringt das pro Jahr 18 Euro. Gegenrechnen muss man Kontoführungsgebühren von rund sechs Euro jährlich. Über die Laufzeit von sechs Jahren, die Bausparverträge aufweisen, kommt so ein jährlicher Effektivzinssatz von derzeit 0,5 bis 0,6 Prozent heraus. Wird weniger eingezahlt, fällt die Prämie geringer aus. Damit sinkt auch der Effektivzins, da die Kontogebühren ja trotzdem bezahlt werden müssen. Sinn ergibt ein Bausparer im Moment also finanziell nur, wenn man wirklich das Maximum vom Staat herauskitzelt. Selbst wenn dieses Maximum über die ganzen sechs Jahre gerechnet aus jetziger Sicht gerade einmal 108 Euro ausmacht.

2. Lukrativere Online-Abschlüsse
Ein deutlicher Vorteil kann es jedoch sein, wenn man seinen Bausparer online abschließt. "Hier gibt es bessere Renditen, weil man für den Vertragsabschluss meist ein Geldgeschenk von 20 oder 40 Euro gutgeschrieben bekommt", sagt Walter Hager. Die Online-Abschlüsse werden von Vermögensberatern durchgeführt, und diese geben einen Teil ihrer Prämie an die Kunden weiter. Auch bei den Online-Anbietern findet man vorab alle Informationen zur Rendite und diverse Rechenszenarien. Diese sollte man gut vergleichen. Das gilt freilich nicht nur für das Internet. Bei der variablen Verzinsung ist besondere Vorsicht geboten: Für das erste Jahr bieten Bausparkassen häufig viel höhere Zinssätze, meist von 1,75 bis 2,5 Prozent, an. Nach dem ersten Jahr sinkt der Zinssatz aber stark ab, derzeit liegt er bei um die 0,25 Prozent. Vor dem Vertragsabschluss ist es also ratsam, nicht nur auf den verlockenden Anfangszins zu achten, sondern auch auf die möglichen Mindest-und Maximalbeträge. "Derzeit sollte man sich eher darauf einstellen, dass man nach den sechs Jahren die Worst-Case-Rendite herausbekommt", sagt Hager.

3. Sparbuch vs. Bausparer
Wer sparen möchte, kann sich auch überlegen, ein Sparbuch anzulegen. Hier kann man, wenn man sich intensiv mit den Angeboten beschäftigt, mehr lukrieren als beim Bausparen. Aber der Sparer muss sich selbst darum kümmern, jedes Jahr die Zinsen vergleichen und je nach günstigstem Angebot die Bank wechseln. Auf www.konsument.at gibt es einen Bankenrechner, der beim Recherchieren der Zinssätze hilft. "Wer jedoch einfach sechs Jahre seine Ruhe haben will und sich nicht kümmern möchte", sagt Walter Hager, "der ist definitiv beim Bausparer am besten aufgehoben."

4. Kredit vs. Bauspardarlehen
Der Bausparer galt in früheren Zeiten für viele nicht nur als Geldanlage, sondern auch als guter Weg zu einem Kredit, dem Bauspardarlehen. Bei diesem sind die jährlichen Zinsen mit sechs Prozent gedeckelt, was in Hochzinszeiten ein Vorteil ist. Allerdings beträgt die Mindestverzinsung zwei bis drei Prozent. Und das gilt derzeit, da das allgemeine Zinsniveau niedrig ist, im Vergleich mit normalen Krediten als unattraktiv. Der VKI rät, eine Umschuldung auf einen Bankkredit zu prüfen. Über eine längere Laufzeit könne das deutliche Einsparungen bringen. Man müsse aber jeden Fall einzeln durchrechnen. Als Faustregel gilt laut VKI, dass sich ab einer Restschuld von 75.000 Euro und einer Restlaufzeit von 15 Jahren ein Wechsel lohnt. Die Bausparkassen versuchen, neuen Kunden ein Bauspardarlehen mit langen und niedrigen Fixzinsen am Laufzeitbeginn schmackhaft zu machen. Bei Raiffeisen argumentiert man auch mit der Planungssicherheit und der Erwartung eines im Verlauf der Jahre allgemein wieder steigenden Zinsniveaus.

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