Sparen ist angesagt: Nach Benzin und Diesel steigen auch die Preise für Erdgas kräftig

Laut US-Experten verdoppelt sich der Preis bis 2009 Frankreich hat bald größten Energiekonzern der Welt

Sparen ist angesagt: Nach Benzin und Diesel steigen auch die Preise für Erdgas kräftig © Bild: APA/Techt

Neben Benzin und Diesel werden auch die Preise für Erdgas in diesem Jahr noch erheblich steigen. Das prognostiziert zumindest das amerikanische Cambridge Energy Research Associates in einer Studie. Laut ihren Berechnungen wird sich der Roh-Erdgaspreis bis Jahresende verdoppeln. Die Gasrechnungen werden zwar nicht so rasant anwachsen, Teuerungen sind hier aber auf jeden Fall zu erwarten.

"Die Verbraucher dürfen sich fürchten", sagte der Chef der Energieregulierungsbehörde E-Control Walter Boltz im "Ö1-Morgenjournal". Und zwar davor, dass im nächsten Jahr die Preise um mindestens 20 bis 30 Prozent steigen.

Seine Empfehlungen: Konsumenten sollen Gasanbieter vergleichen - ein Wechsel des Lieferanten kann laut Boltz 70 bis 120 Euro im Jahr Ersparnis bringen. Und Energiesparen. Hier liege das Potential etwa durch Kauf neuer Geräte bei 10 bis 20 Prozent ohne an Komfort einzubüßen.

Gasexperte Stern: 80 Prozent Anstieg
Auch Jonathan Stern, Gasexperte des Oxford Institute for Energy Studies schließt sich im Ö1-Interview den jüngsten Prognosen im Wesentlichen an. Der Preis, den die Produzenten von Erdgas den europäischen Gasgesellschaften verrechnen, werde deutlich steigen: "Vielleicht wird es keine Verdoppelung, aber sicher ein Anstieg von 70 oder 80 Prozent innerhalb eines Jahres“, sagt Stern.

Gaspreis an Ölpreis gekoppelt
Grund der Preissteigerungen ist aber nicht etwa, dass das Angebot an Gas zu klein oder die Nachfrage zu groß ist: "Der Gaspreis bildet sich überhaupt nicht auf einem Markt, er wird vielmehr nach einer Formel errechnet, und zwar aus dem Ölpreis. Wenn der Ölpreis steigt, so folgt ihm der Gaspreis mit sechs bis neun Monaten Verspätung - so steht es in den meisten der Lieferverträge, die die Abnehmer in Europa mit ihren Lieferanten abgeschlossen haben, etwa mit der russischen Gazprom, die rund 60 Prozent des in Österreich verbrauchten Gases liefert."

Damit steht also heute bereits fest, wie hoch der Gaspreis in einem halben Jahr sein wird. Und will man noch weiter in die Zukunft schauen, muss man lediglich eine Prognose für den Ölpreis erstellen. Der Gaspreis ergibt sich dann zwangsläufig. Und da fast alle Prognostiker damit rechnen, dass der Ölpreis hoch bleibt, wird also auch der Gaspreis hoch bleiben - hoch nicht nur gegenüber dem heutigen Wert. "Die Berechnungsformel führt auch dazu, dass der tatsächliche Gaspreis schon jetzt weit über dem - freilich nur aufgrund von Modellen schätzbaren - Marktpreis für Gas liegt. Dieser würde maximal 60 Prozent des derzeitigen Preises ausmachen", meint der Gasexperte Stern.

Bildung von Gas-Märkten
Dass das historisch gewachsene System der Ermittlung des Gaspreises per Formel trotz dieser Diskrepanzen noch nicht zusammengebrochen ist, ist laut Stern unter anderem darauf zurückzuführen, dass es bisher keine Märkte für Gas gegeben hat, wo sich ein Preis hätte bilden können. Doch das könnte sich ändern: "Meine Prognose ist, dass die derzeitigen hohen Ölpreise der Anfang vom Ende der Preisbindung Gas - Öl sind. Aber ich erwarte nicht, dass das schnell gehen wird. Denn die Produzenten wollen das System jetzt, wo der Ölpreis so hoch ist, natürlich nicht ändern, weil sie daran ja gut verdienen. Aber ich glaube, 2011 oder 2012 werden wir in Europa Spot-Märkte und Verteilerzentren haben, wo sich der Gaspreis dann weitgehend aufgrund von Angebot und Nachfrage bildet."

Wettbewerb drückt Preise
Vier Jahre werden wir also mindestens noch warten müssen, wenn die Prognose Sterns stimmt. Dann, so Stern, könnten mehr Wettbewerb und echte Märkte tatsächlich zu niedrigeren Gaspreisen führen. Allzu lang werde das Konsumentenglück aber vermutlich nicht währen. Längerfristig, etwa in zehn Jahren, ist nämlich wieder mit einem Anstieg der Preise zu rechnen - und daran wird auch mehr Wettbewerb nichts ändern, sagt Jonathan Stern, Gasexperte des Oxford Institute for Energy Studies.

Sarkozy zentralisiert Gaseinkauf
Frankreich geht seinen eigenen Weg, um die Gaspreise niedrig zu halten. So haben die Aktionäre des privaten Energiekonzerns Suez die milliardenschwere Fusion mit dem staatlichen Gasversorger GDF gebilligt. 99,6 Prozent der Anteilseigner stimmtenin Paris für den Zusammenschluss, durch den einer der größten Energiekonzerne der Welt entsteht.

Das Grüne Licht der Anteilseigner sei "die Erfüllung eines Traumes", sagte Suez-Chef Gerard Mestrallet, der auch die neue Gruppe mit 200.000 Mitarbeitern leiten wird. Die französische Regierung hatte die Fusion Anfang 2006 eingefädelt, um Suez vor einer feindlichen Übernahme durch den italienischen Energiekonzern Enel zu schützen. Das Vorhaben stieß aber in Frankreich auf große Widerstände, weil der Staat dadurch anders als zugesichert seine Mehrheit bei GDF verliert. An der neuen Gruppe wird Paris fortan 35,6 Prozent halten und größter Einzelaktionär sein.
(red/apa)