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Welche Sparformen sich noch lohnen

Raiffeisen KAG-Geschäftsführer über Alternativen und Zinsentwicklungen

Sparen - Welche Sparformen sich noch lohnen © Bild: © Corbis. All Rights Reserved.

In Zeiten von Niedrigzinsen stellen sich viele Österreicher die Frage: Lohnen sich herkömmliche Sparformen eigentlich noch? Rainer Schnabl, Geschäftsführer der Raiffeisen KAG, spricht im Interview mit NEWS.AT darüber, wie sich Sparen heutzutage noch rentiert, welche Risiken damit verbunden sind und mit welchen Zinsentwicklungen zu rechnen ist.

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Rainer Schnabl, Geschäftsführer von Raiffeisen Capital Management.
© Josef Fallnhauser Rainer Schnabl, Geschäftsführer der Raiffeisen KAG.

NEWS.AT: Welche herkömmlichen Sparformen, wie das Sparbuch, sind in Zeiten von Niedrigzinsen überhaupt noch lohnenswert?
Rainer Schnabl: Ich glaube, dass die Menschen derzeit, wenn sie sparen, mehr eine gewisse Sicherheit suchen. Die Sichtweise der Kunden hat sich in den letzten Jahren geändert. Früher ist der Zinssatz im Vordergrund gestanden und heute ist das Motiv die sichere Geldanlage ohne Kapitalverlust.

NEWS.AT: Durch die Niedrigzinsen ist die Inflation, die derzeit bei 1,7 Prozent liegt, aber nicht mehr gedeckt.
Schnabl: Die Inflation ist eine Mischgröße, die sich aus einem bestimmten Waren- und Dienstleistungskorb ergibt, und ist daher für jeden Menschen unterschiedlich. Wer wenig mit dem Auto fährt oder eine Eigentumswohnung beziehungsweise ein eigenes Haus hat, den treffen gewisse Inflationstreiber wie Mietpreise oder Spritkosten nicht. Jeder muss also für sich selbst entscheiden, welche Sparform man wählt. Es gibt auch Alternativen zum Sparbuch.

NEWS.AT: Welche Alternativen sind das?
Schnabl: Geht es um langfristiges Sparen, dann ist ein Fondssparplan sicher eine gute Alternative. Betrachtet man zum Beispiel den "Raiffeisenfonds-Sicherheit", ein konservativ gemanagtes Produkt, so hat der Fonds in der Finanzkrise 2008 auf die Turbulenzen auf den Kapitalmärkten sehr gut reagiert und Verluste abgefedert. Wenn ich auf die letzten zehn Jahre zurückblicke, hat dieser Fonds nach Abzug der Fondsmanagementkosten pro Jahr im Schnitt etwa vier Prozent erwirtschaftet. Das ist eine mehr als passable Entwicklung.

NEWS.AT: Welches Risiko ist mit Fondssparen, zum Beispiel mit dem "Raiffeisenfonds-Sicherheit", verbunden?
Schnabl: Im konkreten Produkt sind ungefähr 25 Prozent an Aktienfondsanteilen und 75 Prozent an Anleihefondsanteilen enthalten. Der Fonds ist auf Langfristigkeit ausgerichtet und weist ein vergleichsweise geringes Risiko auf. Trotzdem sehen wir auch zukünftig solides Entwicklungspotenzial. Man muss allerdings davor warnen, wenn jemand mit wenig Risiko hohe Beträge verspricht. Das ist relativ unwahrscheinlich und die Vergangenheit hat oft genug gezeigt, dass das nicht funktioniert.

NEWS.AT: Inwieweit ist ein Fondssparplan für den österreichischen Durchschnittsverdiener eine Option?
Schnabl: Fondssparpläne beginnen bei 30 Euro monatlich. Das ist ein Betrag, den man sich durchaus mit einem Durchschnittseinkommen auf die Seite legen kann. Tatsächlich werden im Schnitt rund 90 Euro pro Monat in solche Fonds investiert. Kundinnen und Kunden zahlen mit der Intention ein, dass sie das Geld für später auf die Seite legen. Will man über die eiserne Reserve hinaus etwas ansparen, ist das eine gute Alternative zum Sparbuch.

NEWS.AT: Wie schätzen Sie die weitere Zinsentwicklung ein?
Schnabl: Nach unten gibt es beim aktuellen Zinsniveau nicht mehr viel Potential. Es stellt sich also die Frage, wie lange es dauern wird, bis die Zinsen wieder ansteigen. Wenn man sich die Prognosen ansieht, muss man davon ausgehen, dass es 2015 und 2016 noch keine Zinserhöhung geben wird. Die nach unten korrigierte wirtschaftliche Entwicklung und die hohe Staatsverschuldung einiger Länder in Europa sind sicher Gründe dafür, dass eine Zinserhöhung in nächster Zeit sehr unwahrscheinlich ist.

NEWS.AT: Stichwort Pension - Welches Anlagemodell ist hier empfehlenswert?
Schnabl: Ich bin der Meinung, dass es vernünftig ist, auf einen breiteren Mix zu setzen. Es macht immer Sinn, eine gewisse eiserne Reserve am Sparbuch zu behalten, auch wenn es dafür derzeit wenig Zinsen gibt. Zusätzlich kann man sich mit einer Versicherung sehr gut gegen bestimmte Risiken im Leben absichern. Und dann halte ich eben noch konservativ gemanagte Wertpapierfonds, mit einer mittelfristigen bis langfristigen Ausrichtung, für eine sehr geeignete Pensionsvorsorge. Wenn man über einige Jahre hinweg beispielsweise 50 Euro pro Monat sparen kann, kommt am Ende ein stattlicher Betrag heraus.

NEWS.AT: Edelmetalle sind oft eine beliebte Anlagevariante. Inwiefern ist Gold derzeit eine sinnvolle Alternative um Vermögen abzusichern?
Schnabl: Gold unterliegt relativ hohen Marktschwankungen. Hätte man zum Beispiel 2011/2012 10.000 Euro in Gold investiert, so hätte man heute einen Wertverlust von 20 bis 25 Prozent. Darüber hinaus bietet Gold keine Ausschüttungen wie Zinsen, und will man das Gold schnell zu Geld machen, unterliegt man dem Marktpreis, wo auch immer dieser gerade liegt. Prognosen erachte ich bei Gold als schwierig.

NEWS.AT: Der Leitzins ist zuletzt auf das Rekordtief von 0,05 Prozent gesenkt worden. Welche Auswirkung hätte eine weitere Leitzinssenkung der EZB auf die Sparer?
Schnabl: Man hat schon bei der letzten Senkung gesehen, dass diese in Wirklichkeit nur mehr kosmetischen Charakter gehabt hat. Rechnet man sich einmal aus, was 0,05 Prozent an Zinsen für einen gewissen Geldbetrag bedeuten, erkennt man, wie wenig das in absoluten Zahlen eigentlich ist. Auf die Sparer hätte eine weitere Leitzinssenkung also de facto keine Auswirkung mehr.

Kommentare

higgs70

Naja, ein jeder Greißler lobt seine Ware.
Und mittlerweile kann wohl auch der Dümmste sehen,dass eine stille Enteignung stattfindet, nur die zahlen nicht die Verantwortlichen, Industrie, Banken und Politiker, die nicht nachdachten, sondern alle, wer hinsah den überrascht es nicht mehr.
Viel interessanter ist aber die Frage,die mir bis jetzt keiner beantworten konnte, können wir die Zinsen überhaupt noch anheben oder kippen dann einzelne Staaten sofort,denn wenns so ist,ists nur ein Siechen auf Zeit bis zum Unvermeidlichen.

Besser ist es sein verdientes Geld auszugeben als es vom Finanzmarkt und den Banken vernichten zu lassen.

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