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Machen Sparbücher noch Sinn?

Wegen der starken Inflation macht man derzeit sogar Verlust

Sparbücher - Machen Sparbücher noch Sinn? © Bild: APA

Machen Sparbücher überhaupt noch Sinn? Diese Frage müssen sich derzeit Bankkunden stellen, die derzeit in ein klassisches Sparbuch einzahlen. Weil die Inflation zum Teil kräftig über den Zinsen aufs Spargeld liegt, droht sogar noch Schlimmeres: "Derzeit macht man mit Sparbüchern Verlust. Das betrifft 86 Prozent der Österreicher - das Sparbuch ist in Zeiten der Krise beliebt wie nie.

Privaten Haushalte bleiben wichtigster Geldgeber
Die Realverzinsung ist seit Beginn des Jahres unabhängig von der Bindung negativ", sagte der Statistik-Chef der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), Johannes Turner, in einer Pressekonferenz mit OeNB-Direktor Andreas Ittner am Donnerstag. Bei täglich fälligen Geldern war das schon länger der Fall.

Die Sparquote, die früher lange Jahre netto über 10 Prozent lag, dürfte auch 2011 mit weniger als 9 Prozent unter dem langjährigen Schnitt liegen, schätzt die Nationalbank. Schon 2009 und vor allem 2010 war die Quote unter die alten Durchschnittswerte gefallen. Trotzdem bleiben die privaten Haushalte wichtigster privater Geldgeber der Banken, sagte Ittner. Von 110 Euro, die im Schnitt pro Monat neu veranlagt werden, gehen heuer knapp drei Viertel (75 Euro) in Einlagen und festverzinsliche Papiere (Anleihen) inländischer Banken, rechnete die OeNB vor. "Das ist wichtig für die Banken", so Ittner. "Diese gegenseitige Stärkung ist gut für beide Seiten".

Die Hälfte des Geldvermögens sei bei inländischen Banken veranlagt, bei den Banken mache dies bei der Refinanzierung ein Viertel der gesamten Passivseite aus. Diese Größenordnungen hätten sich in den vergangenen fünf Jahren nicht wesentlich geändert. Für die OeNB ist diese starke finanzielle Verknüpfung vor dem Hintergrund eines stabilen Finanzsystems zu sehen. Und sie spiegle auch das Vertrauen in das heimische Bankensystem wider.

Sparbücher beliebt wie nie
86 Prozent der Österreicher setzen immer noch auf das klassische Sparbuch. Der Bausparvertrag liegt mit 64 Prozent auf Platz zwei der beliebtesten Sparformen. 46 Prozent haben eine Lebens- oder Kapitalversicherung. Fonds und Wertpapiere liegen bei 27 Prozent.

Haushalte besitzen 471 Mrd. Euro
Österreichs private Haushalte besitzen nach Statistiken der Oesterreichischen Nationalbank Finanzvermögen von 471 Mrd. Euro (Stand Ende Juni 2011). Vor einem Jahr waren es 458 Mrd. Euro. Bei einem Schuldenstand der Haushalte von 163 Mrd. Euro (Vorjahresvergleich: 157 Mrd. Euro) verfügten die Österreicher per Juni 2011 über ein Netto-Geldvermögen von 308 (301) Mrd. Euro. Diese Zahl hat sich seit Ende 2009 nicht wesentlich verändert, die Nationalbank sprach am Donnerstag von einer stabilen Entwicklung. Rein statistisch hat jeder Österreicher damit 37.000 Euro Geldvermögen. Das ist - ebenso wie bei den Deutschen - über dem Europa-Schnitt, aber unter dem Niveau der Schweizer oder Briten.

64 Mrd. Euro und somit fast ein Drittel der privaten Einlagen bei den Banken - die sich auf 208 Mrd. Euro belaufen - liegt auf täglich fälligen Konten, weitere 47 Prozent auf Sparkonten bis zu zwei Jahren. Für die Notenbank ein Beweis, dass die Österreicher in Krisenzeiten schnell verfügbares Geld präferieren - es wird wieder mehr Geld "zwischengeparkt". "Die Position der Haushalte ist stabil", sagte Ittner.

Die Kreditaufnahme hat sich zuletzt eingebremst. 140 Mrd. Euro waren Ende Juni an Bankkrediten aushaftend, davon 40 Mrd. Euro in Fremdwährung. 106 Mrd. Euro waren Wohn- und Wohnbaukredite, denen aktivseitig entsprechendes Immobilienvermögen gegenüberstand. Die OeNB schätzt das gesamte Immo-Vermögen der österreichischen Haushalte auf 900 Mrd. Euro.

Weiterhin nur 4 Prozent sind in börsenotierte Aktien investiert. Auffallend laut OeNB: Die wichtigsten 30 Aktien machten 60 Prozent des Aktienvermögensbestands aus, im wesentlichen also Indexschwergewichte aus Österreich, Deutschland und der Schweiz. Immer wichtiger wird den Österreichern die Lebensversicherung.

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