Spannendste Springertournee seit Jahren:
Junge Wilde sagen Routiniers den Kampf an

Sind Schlierenzauer & Co schon reif für Gesamtsieg? Fünfter Triumph? Ahonen will Geschichte schreiben

Spannendste Springertournee seit Jahren:
Junge Wilde sagen Routiniers den Kampf an

Sind die "Jungen Wilden" Gregor Schlierenzauer und Anders Jacobsen schon reif für den Kampf um den Gesamtsieg? Schafft nach "Pionier" Sven Hannawald 2001/02 wieder ein Springer den Grand Slam? Schreibt der vierfache Triumphator und Titelverteidiger Janne Ahonen Skisprung-Geschichte? Gibt es für Doppel-Olympiasieger Simon Ammann eine glorreiche Rückkehr aus der sportlichen Versenkung oder den ersten österreichischen Gesamtsieger seit Andreas Widhölzl in der Saison 1999/2000?

Nur eine Auswahl an Fragen, die sich vor der in Oberstdorf beginnenden Vierschanzen-Tournee stellen. Dort startet der Kampf um die Nachfolge von Ahonen und Jakub Janda, die sich im Vorjahr ex aequo den Gesamtsieg teilten. In Frage kommen neben dem Weltcup-Führenden Ammann und seinem Schweizer Landsmann Andreas Küttel (WC-4.) natürlich die österreichisch-norwegische Jungstar-Fraktion Jacobsen (2.) und Schlierenzauer (3.).

Deutsche krasse Außenseiter
Auch der Pole Adam Malysz (5.), Tournee-Gesamtsieger 2000/01, wird ein Wörtchen mitreden. Aus ÖSV-Sicht außerdem erfreulich: Die Formkurve von Doppel-Olympiasieger Thomas Morgenstern zeigt ebenso nach oben wie jene der weiteren Hoffnungen Wolfgang Loitzl, Martin Koch, Andreas Kofler, Martin Höllwarth und Andreas Widhölzl. Nur krasse Außenseiter sind die deutschen Springer, deren "Goldene Zeiten" vorbei sind. Fünf Jahre nach dem Gesamtsieg von Hannawald, der als Erster und bisher Einziger alle vier Springen gewann, ist für das DSV-Team nur eine Nebenrolle vorgesehen.

Schanzen sind bereit
Die Schanzen sind bereit, der Vorverkauf in Oberstdorf (Wettkampf am 30.12.), Garmisch-Partenkirchen (1.1.), Innsbruck (4.1.) und Bischofshofen (7.1.) läuft auf Hochtouren. Während in Oberstdorf die Präparierung der Schattenbergschanze mit Kunstschnee über die Feiertage abgeschlossen wurde, wird Garmisch mit Schnee von der Zugspitze und aus dem Tiroler Schmirntal beliefert. Ebenfalls aus dem Schmirntal holt Innsbruck das kostbare Weiß, und Bischofshofen hat Schnee vom Großglockner bestellt.

Schafft Ahonen fünften Gesamtsieg?
"Finnair" Ahonen, heuer allerdings bei weitem noch nicht in Top-Form, hat doppelte Gelegenheit, für Furore zu sorgen. Der 29-Jährige ist neben Jens Weißflog mit vier Gesamtsiegen (1998/99, 2002/03, 04/05, 05/06) der erfolgreichste Tournee-Springer und könnte sich heuer alleine an die Spitze setzen. Außerdem würde Ahonen mit einem Sieg in Oberstdorf mit Martin Schmitt gleichziehen. Der Deutsche hatte von 1998 bis 2000 dreimal in Folge das Auftaktspringen gewonnen, Ahonen siegte zuletzt zweimal en suite.

Junge in bestechender Früh-Form
So wie der tschechische Weltcup-Titelverteidiger Janda (28) muss sich aber auch Ahonen des Ansturms der Newcomer erwehren. Der 21-jährige Jacobsen verbuchte in dieser Saison in fünf Bewerben einen Sieg, zwei zweite und einen dritten Platz. Der 16-jährige Schlierenzauer gewann in Lillehammer und Engelberg und wurde je ein Mal Dritter und Vierter. Ahonen und Janda finden sich in der WC-Gesamtwertung nur auf den Rängen elf und 14, während Ammann, Olympia-Held von Salt Lake City 2002, nach Jahren des Misserfolges mit einem Sieg (Lillehammer) und zwei zweiten Plätzen in die Erfolgsspur zurückgefunden hat.

Norweger Jacobson gibt sich abgebrüht
Jacobsen beeindruckt vor seiner ersten Tournee mit Gelassenheit: "Ich freue mich sehr, denn ich habe die Tournee bisher nur vor dem Fernseher erlebt. Ich werde bestimmt viel Spaß haben." Bis Mai dieses Jahres hatte er neben dem Skispringen als Installateur gearbeitet. Bei einer Sichtung des norwegischen Verbandes in Lillehammer wurde er dann doch noch entdeckt. "Die Tournee sehe ich als Herausforderung, Druck empfinde ich nicht", betonte Jacobsen.

Ammann meldet sich endlich zurück
Der liegt noch eher bei Ammann. Fünf Jahre nach seinem Olympia-Triumph hat sich der Schweizer zurückgemeldet. "Ich freue mich, dass ich als Weltcup-Spitzenreiter zur Tournee fahre und will dort angreifen", erklärte der 25-Jährige. Die Ursachen für seine Steigerung sieht er im psychischen und technischen Bereich. "Mental bin ich im Sommer vorwärts gekommen. Ich bin jetzt viel geduldiger. Und ich habe viel am Material gewerkelt. Alles zusammen hat mich stärker gemacht", erläuterte Ammann, der heuer ein Studium der Elektrotechnik begonnen hat. "Es macht mir enormen Spaß, wieder zu lernen." Bei der Tournee will er nun in die Rolle des Lehrmeisters schlüpfen.

Als Besonderheit wird bei der Tournee übrigens der erste Durchgang im K.o.-System durchgeführt. Die Startreihenfolge bzw. die 25 K.o.-Paare ergeben sich aus der Qualifikation. Der Springer mit dem besseren Ergebnis ist automatisch für den zweiten Durchgang qualifiziert, außerdem schaffen die fünf besten Verlierer ("lucky loser") den Sprung ins Finale der besten 30.

(apa/red)