Spanischer Sieg im deutschen Regen: Alonso holt sich den Großen Preis von Europa!

Massa & Webber am Stockerl, Wurz sensationell 4.! Rennen musste wegen Regens unterbrochen werden

Spanischer Sieg im deutschen Regen: Alonso holt sich den Großen Preis von Europa!

Regenchaos, Rennabbruch, Massenausfälle, inflationäre Boxenstopps und ein zwischenzeitlicher Sensations-Spitzenreiter: Der Große Preis von Europa wird als eines der denkwürdigsten Rennen in die Formel-1-Geschichte eingehen. Fernando Alonso (McLaren-Mercedes) sorgte nach einem mitreißenden Überholmanöver gegen Felipe Massa (Ferrari) kurz vor Schluss für seinen dritten Saisonsieg und liegt in der WM nur noch zwei Punkte hinter Lewis Hamilton, der als Neunter erstmals punktlos blieb. Mark Webber wurde im Red Bull überraschend und hauchdünn vor dem Österreicher Alex Wurz (Williams) Dritter, David Coulthard im zweiten Red Bull Fünfter.

"Ein irres Rennen", meinte Alonso nach seinem Triumph, der ihn wieder ins Titelrennen zurückbrachte. "Bei trockener Straße waren die Ferrari schneller. Der Regen am Ende hat mir sicherlich geholfen", gestand der Titelverteidiger. "Ich hatte nur sechs Runden, Felipe zu überholen. Das war wirklich eine enge Kiste", sagte der Spanier lachend.

Nach dem zehnten WM-Lauf hatte Alonso einem Kameramann noch die Stelle am Seitenkasten seines McLaren gezeigt, wo ihn Massa beim Überholmanöver touchiert hatte. Den Brasilianer pflaumte er deshalb direkt an. Es sei ja nicht das erste Mal gewesen, so Alonso, entschuldigte sich aber gleich darauf für seine heftige Reaktion.

Auf Kimi Räikkönen lastet dagegen weiterhin der Nürburgring-Fluch. Der finnische Ferrari-Pilot, der die beiden vergangenen GP-Rennen gewonnen hatte und aus der Pole Position gestartet war, rollte in der 35. Runde mit Hydraulikproblemen aus. Statt des scheinbar sicheren Podiumsplatzes musste der "Iceman" im Titelrennen einen weiteren herben Rückschlag hinnehmen.

Alonso gewann nach 308,863 Kilometer in 2:06:26,358 Stunden mit 8,155 Sekunden Vorsprung vor Massa, der die meiste Zeit des Rennens geführt hatte und wie der sichere Sieger aussah. Erneut einsetzender Regen und seine bravourösen Schlussattacken im letzten Rennsechstel brachten Titelverteidiger Alonso noch nach vorn. Hamilton (70 Punkte), der am Samstag bei einem schweren Unfall Glück hatte, verteidigte trotz seines Nullers als Neunter knapp die WM-Führung. Der Alonso-Teamkollege hat aber nur noch zwei Zähler Vorsprung vor Alonso (68). Massa (59) ist nun Dritter vor Räikkönen (52).

Wolkenbruchartiger Regen im Südteil der 5,148 Kilometer langen Strecke unmittelbar nach dem Start führte zu einem absoluten Chaos: Gleich ein halbes Dutzend Fahrer rutschte auf der unter Wasser stehenden Piste in der gleichen Kurve in der dritten Runde ins Kiesbett, darunter WM-Spitzenreiter Hamilton, Nico Rosberg im Williams-Renault, Adrian Sutil im Spyker und Tonio Liuzzi, der seinen Toro Rosso nur Millimeter vor einem Bagger zum Stehen brachte. "Es war schlicht unfahrbar", sagten die Piloten unisono.

Einziger Gewinner dieser Wetter-Wirrwarrs war Markus Winkelhock: Der Formel-1-Frischling aus Deutschland fuhr vom letzten Startplatz direkt in die Box und wechselte sofort auf Regenreifen. Damit war der 27-Jährige in seinem womöglich einzigen Formel-1-Rennen der zehnte Deutsche, der einen Formel-1-GP anführte.

Um Schlimmeres zu verhindern, brachen die Rennkommissare das Regen-Roulette in der 4 von 60 Runden ab. Nach 22 Minuten Pause schickten sie das auf 17 Fahrer geschrumpfte Feld bei Sonne erneut auf die Reise. Der am Samstag im Qualifying schwer verunglückte Hamilton hatte erneut Glück: Obwohl er mit seinem Silberpfeil schon am Haken des Abschleppwagens hing, durfte er wegen seines noch laufenden Motors wieder antreten. Mit Platz neun riss aber die eindrucksvolle Serie des Aufsteigers, der in seinen ersten neun Rennen jeweils auf das Podest gekommen war.

Die chaotischen Verhältnisse nutzte vor allem die Formel Austria perfekt aus. Webber und Coulthard sorgten als 3. bzw. 5. für das beste Team-Ergebnis von Red Bull Racing, obwohl Coulthard nur von Platz 20 gestartet war. Und Wurz bewies einmal mehr, dass er im teaminternen Duell mit Nico Rosberg - der Deutsche schied aus - zumindest in schwierigen Rennen die Nummer eins bei Williams ist.

(apa/red)