Spaniens Traumstart bringt keine Euphorie:
Schaumgebremster Jubel nach 4:1-Erfolg

Villa: "Müssen mit den Füßen auf dem Boden bleiben" Teamchef Aragones denkt bereits an Schweden-Spiel

Spaniens Traumstart bringt keine Euphorie:
Schaumgebremster Jubel nach 4:1-Erfolg © Bild: AP/Meissner

Die spanischen Fußball-Fans im Innsbrucker Tivoli-Stadion sprudelten über, doch "La Roja" selbst gab sich nach dem klaren 4:1-Auftaktsieg gegen Russland äußerst schaumgebremst. "Wir müssen mit den Füßen auf dem Boden bleiben", warnte jener Mann, der am meisten Grund gehabt hätte, auf Wolke sieben zu schweben, nämlich der dreifache Torschütze David Villa. "Wir haben das erste Spiel gewonnen, aber es bleiben uns noch zwei Partien und da müssen einen Schritt nach dem anderen machen."

Auch Teamchef Luis Aragones dachte trotz aller Zufriedenheit bereits an die nächste Aufgabe gegen Schweden. Und gegen das Drei-Kronen-Team hatte Spanien in der EM-Qualifikation im Oktober 2006 in Stockholm immerhin mit 0:2 verloren. Das Rückspiel wurde dann 13 Monate später mit 3:0 gewonnen. Der Respekt ist aber geblieben, gaben die Schweden doch mit einem 2:0-Sieg in Salzburg gegen den noch amtierenden Europameister Griechenland ebenfalls ihre Visitenkarte ab.

Schweden "sehr schwieriger" Rivale
Präsentiert wurde sie von Zlatan Ibrahimovic, der in der 67. Minute den Ball von der Strafraumgrenze zum 1:0 ins Tor hämmerte. Kein Wunder also, dass "Luis" bereits von einem "sehr schwierigen" Rivalen sprach. Überhaupt schien ihm und den Seinen das Ergebnis von 4:1 in seinem Ausmaß etwas unheimlich gewesen zu sein. Nicht nur, weil das von Konrad Plautz angeführte österreichische Schiedsrichter-Trio im strömenden Regen beim letzten Treffer in der 90. Minute eine Abseitsstellung von Torschützen Cesc Fabregas übersah.

Liverpool-Striker Fernando Torres, der vor allem vor der Pause die russische Abwehr erfolgreich angebohrt hatte (Villa: "Er hat uns die Dose aufgemacht"), hegte leichte Zweifel: "Ich bin mir nicht sicher, ob es gerecht ist, dass wir 4:1 gewonnen haben." Torres sah die Gründe für den Sieg auch darin, dass sich die Spieler vor dem Match nicht von der Favoritenrolle hatten verrückt machen lassen: "So ein Spiel gewinnst du, wenn du Bescheidenheit und Respekt zeigst."

Aragones: "Wir haben Glück gehabt"
Auch der Teamchef blieb nüchtern: "Wenn man nur auf das Resultat schaut, könnte man glauben, dass es ein leichtes Spiel für uns war. Aber das war es nicht. Die ersten 15 Minuten haben wir uns sehr schwer getan, der Gegner war vor allem physisch enorm stark. Wir haben Glück gehabt, dass sie uns nach dem 1:0 nicht den Ausgleich geschossen haben." Nach dem zweiten Treffer habe sich Spanien aber erfolgreich darauf verlegen können, auf Konter zu spielen.

Daher räumte Aragones ein, dass er mit der bisherigen Arbeit in Tirol recht zufrieden sein kann. "Wir finden immer mehr zu unserem Spiel, zu unserer Identität und wir gewinnen an Moral. Wenn wir einmal den Ball haben, kommen wir ziemlich leicht zum gegnerischen Strafraum. Es ist natürlich bestens als Sieger aus dem ersten Match herauszugehen. Jetzt haben wir unseren ersten Streich erledigt und die Gegner wissen, dass wir es ernst meinen. Aber es kommen noch zwei ganz schwere Spiele."

Guter Auftakt nicht alles
Dass mit einem guten Auftakt noch bei weitem nicht alles getan ist, hatten die Spanier vor zwei Jahren bei der WM 2006 in Deutschland erfahren. Da fuhren sie im ersten Spiel überraschend furios mit 4:0 über die Ukraine hinweg, auch die weiteren Gruppenspiele gegen Tunesien (3:1) und Saudi-Arabien (1:0) wurden gewonnen, ehe Frankreich bereits im Achtelfinale mit einem 3:1-Sieg alle Träume zunichte machte.

Dennoch: Die Euphorie der Fans und mancher Medien kannte nach dem 4:1 keine Grenzen. "Illa, illa, illa, Villa maravilla!" ("Illa, illa, illa, das Wunder Villa!"), skandierten die rot-gelb gewandeten Anhänger und auch ein enthusiasmierter Reporter des seriösen öffentlich-rechtlichen TV-Senders TVE begann seine Reportage im morgendlichen Nachrichtenblock mit diesem Slogan.

Kronprinz Felipe spekuliert bereits mit Titelgewinn
Selbst die ehemalige TVE-Kollegin Letizia Ortiz und ihr Ehemann ließen sich von der guten Stimmung anstecken. "Ich denke, die Spieler können die Illusionen, die sie und wir alle haben, wahr machen", meinte Kronprinz Felipe, der das Match im Stadion verfolgt hatte. Auf die Frage, ob "wir" "es" diesmal schaffen können, reagierte seine Hoheit gegenüber TVE geradezu ausgelassen: "Natürlich können wir!" Wobei mit "es" wohl der erste Titel seit 44 Jahren (EM 1964) gemeint war.

Den Vogel der Begeisterung schoss aber wohl eine Zeitung ab, die meinte, dass in ganz Österreich eine Supermarktkette an den Helden von Innsbruck erinnere. Im Spanischen wird nämlich das "B" und das "V" recht ähnlich ausgesprochen. Der Gedankensprung von "Billa" zu "Villa" scheint dennoch etwas gewagt...

(apa/red)

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