Spaniens Aragones "innerlich glücklich":
Bleibt auch beim größten Erfolg gelassen

Teamchef schiebt Favoritenrolle den Deutschen zu Finalteilnahme als Ergebnis von tollem Teamwork

Spaniens Aragones "innerlich glücklich":
Bleibt auch beim größten Erfolg gelassen © Bild: Reuters/Bader

Auch in der Stunde seines bisher wohl größten Erfolges blieb Spaniens Teamchef Luis Aragones gelassen. Zumindest nach außen. "Ich bin innerlich sehr glücklich, das sieht man mir aber nicht an", sagte der bald 70-Jährige, nachdem seine Elf sich in beeindruckender Weise der Semifinalhürde Russland entledigt hatte. Durch ein 3:0 hat Spanien heute die Chance, zum zweiten Mal nach 1964 Fußball-Europameister zu werden. Im Endspiel der EURO 2008 wartet freilich Deutschland, das dieses Kunststück bereits dreimal (1972, 1980, 1996) zuwege brachte.

Dazu kamen die Deutschen bereits in zwei weiteren Fällen (1976, 1992) so weit, wodurch Aragones die Favoritenrolle für das Match gleich dem Team von Jogi Löw zuschob: "Ich glaube eher, dass Deutschland Favorit ist, weil sie mehr Finalerfahrung haben." Und der deutsche Teamchef werde sich wohl auch ein Spezialrezept für Spanien überlegen.

"Gegengift" der Spanier: Mentale Stärke
Ob Spanien daher das von ihm forcierte Spiel, das den Ballbesitz zur Maxime erhebt, wieder so durchziehen wird können wie gegen Russland, sei daher fraglich: "Sie werden wahrscheinlich Pressing spielen, weil sie wissen, wo sie uns wehtun können." Zudem scheint Deutschland zumindest auf dem Papier physisch stärker zu sein. Aber das galt eigentlich auch für die Russen. Doch kennt Aragones das Gegengift: "Die anderen Teams werden durch unsere Spielweise müde, und meine Spieler sind mental stark. Sie wissen, wie man das Match kontrolliert."

Immerhin ist Spanien nun seit 21 Spielen unbesiegt. Nach einer kurzen Schwächeperiode im Anschluss an die WM-Endrunde 2006 in Deutschland, bei der Spanien bereits im Achtelfinale gegen Frankreich Abschied genommen hatte, ging es für Aragones und seine Burschen nur noch bergauf. Für den Coach auch das Produkt eines Lernprozesses: "Sie sind in den zwei Jahren seit der WM gewachsen."

"Wir haben immer an uns geglaubt"
Von ungefähr kommt für Aragones der Erfolg bei der EURO 2008 daher nicht: "Als wir zu diesem Turnier kamen, wussten wir, dass wir ein gutes Team hatten und sehr weit kommen können, wir haben immer an uns geglaubt." Gegen Russland lag einer der Schlüssel, welche die Tür zum Endspiel aufsperrten, auch darin, den russischen Spielmacher Andrej Arschawin zu entschärfen.

Ihm stellte Aragones als erstes Bollwerk den gebürtigen Brasilianer Marcos Senna in den Weg. "Wir wussten wie Arschawin spielt. Er spielt sehr frei, aber bei uns war in jedem Raum ein Mann da, der sich um ihn kümmerte. Wenn er einmal Senna überwunden hatte, dann war ein anderer da, beispielsweise Xavi, um ihn zu bewachen."

David Villa fällt gegen Deutschland aus
Ein Nachteil für die Spanier könnte natürlich sein, dass David Villa mit einer Muskelverletzung im Oberschenkel gegen Deutschland ausfallen wird. Immerhin hat der Valencia-Stürmer bei der EURO 2008 bisher vier Tore erzielt. Aber "Luis" schwärmt ohnehin immer von seinem 23-Mann-Kader, wo jede Position durch einen anderen Spieler gleichwertig ersetzt werden könne.

So hätten auch Daniel Güiza, der in der 69. Minute Fernando Torres abgelöst und kurz darauf (73.) das 2:0 erzielt hatte, oder Cesc Fabregas (ab der 34. Minute Ersatz für Villa) ihre Rollen voll erfüllt. "Fabregas ist gut und jung. Wir haben aber auch andere, die so gut sind. Villa, Torres, Güiza, alle waren beeinruckend."

Finalteilnahme Ergebnis von beeindruckendem Teamwork
Dass bei den Spaniern im Jahr 2008 tatsächlich der Mannschaftsgedanke im Vordergrund steht, bewies gegen die Russen auch Andres Iniesta wieder. Er wurde zum "Man of the Match" gewählt, stellte diese Auszeichnung aber in den Hintergrund: "Für mich ist das Wichtigste, dass alle die Freude fühlen: Wir sind im Finale. Das wollten wir unbedingt. Wir haben alle dafür gearbeitet, das ist das Ergebnis von Teamwork."

(apa/red)

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