Spanien jubelt über seinen "Kinder-Sturm":
Villa & Torres mausern sich zum Dreamteam

Demonstrative Einheit zwischen "El nino" & "el guaje" Duo spielte mit der russischen Abwehr Katz und Maus

Spanien jubelt über seinen "Kinder-Sturm":
Villa & Torres mausern sich zum Dreamteam © Bild: AP/Armangue

"El nino" und "el guaje": Spaniens "Kinder-Sturm" ließ die Herzen ihrer jubelnden "aficionados" im Innsbrucker Tivoli-Stadion höher schlagen. Fernando Torres und David Villa haben im Grunde denselben Spitznamen: "Nino" heißt wie "guaje" Kind oder Bub, wobei die zweite Version nur in Villas engerer Heimat Asturien gebräuchlich ist. Zusammen spielten die beiden "Buben" mit der russischen Abwehr beim 4:1-(2:0)-Sieg zum Auftakt der Gruppe D Katz und Maus, wobei Villa mit drei Treffen den angenehmeren Part übernahm.

"El guaje" wusste aber, bei wem er sich bedanken musste, deshalb lief er nach dem dritten Tor (75.) auch zur Ersatzbank, um den schon ausgewechselten Torres zu umarmen. "Das war mir einfach wichtig, weil er an diesem Tag die Drecksarbeit übernommen hat und ich davon profitiert habe", erklärte der Valencia-Stürmer. Torres dankte es ihm und zeigte keinen Neid: "Es ist klar, dass jetzt alle von David reden, das ist einfach so." Beim nächsten Match könne das aber schon ganz anders sein.

Torres spielte ideal für Villa auf
Vor allem beim 1:0 (21.) legte Torres die Basis. Er düpierte den russischen Verteidiger Denis Kolodin und spielte den Ball ideal für Villa auf, der ihn nur noch über die Linie zu kicken brauchte. Die Freude darüber war so herzlich und körperbetont, dass sich der Torschütze beim gemeinsamen Jubel mit dem Zeigefinger der rechten Hand im Trikot von Torres verhedderte und sich dabei eine Verletzung zuzog.

Villa wollte noch den Arzt aufsuchen: "Was ich genau habe, weiß ich nicht, aber mir tut es ziemlich weh. Aber es kann nichts Schlimmes sein und außerdem ist das ziemlich egal, weil es ja nur die Hand ist." Es wurde erwartet, dass der Finger mit einer Schiene gestützt werden wird.

Leichte Kritik von Vater Villa
Am Tag nach dem Spiel hatten die Spieler, die im Einsatz gewesen waren, abgesehen von einem lockeren Lauftraining frei. Villa bekam Besuch von seiner Familie. Kritische Töne seines Vaters, der gegenüber spanischen Medien gesagt hatte, er habe seinen Sohn trotz der drei Tore schon viel besser spielen gesehen, quittierte er mit einem Lächeln. "Für mich war es wohl mein bisher komplettestes Spiel. Es war ein Match mit der Nationalmannschaft, es war bei einer EURO und ich habe drei Tore gemacht. In anderen Fällen war ich vielleicht sogar besser und trotzdem hat am Ende nicht alles so gepasst."

Dass er in Tirol zur Hochform aufläuft, kommt vielleicht nicht von ungefähr. Villa stammt aus Asturien. Landschaftlich unterscheidet sich diese Region im Norden Spaniens kaum vom Tiroler Alpin-Panorama. Er wurde am 3. Dezember 1981 in Tuilla, einem kleinen Nest mit nicht einmal 2.000 Einwohnern in der Gemeinde Langreo geboren. Mit Sonne, Strand und Meer hat man in der Bergwelt Asturiens wenig am Hut. Daher fühlt sich Villa im Stubai sehr wohl. Die Gegend erinnere ihn sehr an seine Heimat, erklärte er dem spanischen TV, auch der Regen sei kein Problem. "Dafür gibt es den Schirm."

"El nino" Torres achtet auf den Hausfrieden
Während "el guaje" also zum Volkshelden aufstieg, musste "el nino" bereits in der 54. Minute Cesc Fabregas Platz machen. Angesichts des Spielstandes von 2:0 verstärkte Teamchef Luis Aragones das Mittelfeld, um die Taktik mehr auf Konter zu verlegen. "Am Anfang war ich über die Auswechslung angefressen," meinte der Liverpool-Striker, um dann wieder auf den Hausfrieden zu achten. "Aber gleich darauf war es mir schon wieder egal."

Ob dem wirklich so war, sei dahin gestellt. Schließlich wurde Aragones am Tag danach von den spanischen Journalisten zu diesem Thema förmlich gelöchert. "Das sind interne Dinge, zu denen ich nichts sage", blockte "Luis" zuerst ab, um dann aber klar zu stellen: "Dass sich ein Spieler, der ausgewechselt wird ärgert, ist klar. Ich war als Aktiver bei so etwas auch sauer. Dann soll er eben einen Tag böse auf mich sein. Wenn er sich nicht ärgert, ist er hier ohnehin falsch am Platz."

Für Coach Aragones sind alle Spieler gleich wichtig
Für ihn jedenfalls sei jeder Spieler gleich wichtig, hielt Aragones fest: "Einer auf der Bank genauso wie einer, der drei Tore schießt." Der Erfolg gab ihm zuletzt recht: Seit einem 0:1 gegen Rumänien in einem Testspiel in Cadiz im November 2006 wurden nunmehr 15 Spiele gewonnen und nur zwei remisiert. Diese ausgerechnet gegen eher als bescheiden geltende Fußball-Länder wie Finnland (0:0) und Island (1:1). Jeweils auswärts und im Herbst freilich, wodurch die Südländer den Kältefaktor als Entschuldigung ins Spiel brachten. Das nasse Ambiente beim Match störte sie aber offenbar nicht...

(apa/red)

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