Spanair-Drama von Ermittlern nun geklärt:
Keine Schuldzuweisung an die Flugfirma

Auftriebshilfen waren bei Start nicht funktionstüchtig Warnsystem für flats und slats war zuvor ausgefallen

Spanair-Drama von Ermittlern nun geklärt:
Keine Schuldzuweisung an die Flugfirma © Bild: APA/EPA

Die in Madrid verunglückte Spanair-Maschine war gestartet, obwohl das Flugzeug nicht startklar gewesen war. Der Unglücksjet war am 20. August vom Madrider Flughafen losgeflogen, obwohl die Vorflügel und Landeklappen nicht ausgefahren waren, die dem Flugzeug beim Start Auftrieb geben sollen. Dies stellten die Ermittler der Katastrophe in ihrem ersten offiziellen Untersuchungsbericht fest. Die Maschine vom Typ MD-82 hob damals nur etwa zwölf Meter vom Boden ab, prallte neben der Startbahn auf die Erde und ging in einem Flusstal in Flammen auf. 154 Menschen starben. 18 Insassen überlebten den Absturz schwer verletzt.

Die Piloten hatten beim Start nicht gewusst, dass die Auftriebshilfen der "slats" (Vorflügel) und "flaps" (Landeklappen) an den Tragflächen sich nicht in der korrekten Startposition befanden. Das für solche Fälle vorgesehene Alarmsystem im Cockpit versagte. Die Ursache des Defekts lässt das zwölfseitige Papier offen.

Keine Schuldzuweisungen
Die Ermittler unterließen in ihrem vorläufigen Bericht jegliche Schuldzuweisungen an die Piloten, an die Fluggesellschaft oder den Hersteller. Sie gaben auch keine Empfehlungen, was getan werden soll, um eine Wiederholung eines solchen Unglücks zu vermeiden. Dies soll erst im Abschlussbericht geschehen, der in ein oder zwei Jahren erscheinen soll.

Die Experten blieben in dem Papier sogar hinter dem zurück, was sie vorher in einem Entwurf festgehalten hatten. Im Entwurf hatten sie geraten, das Alarmsystem vor jedem Start zu testen. Eine solche Empfehlung hatte auch der Flugzeughersteller McDonnell Douglas den Fluggesellschaften nach dem Absturz einer MD-82 im Jahr 1987 in Detroit erteilt. Im Entwurf hatten die Experten ausdrücklich auf die Parallelen zwischen dem Madrider Unglück und der Katastrophe von Detroit hingewiesen.

Kritische Passage gestrichen
Dies war jedoch als ein indirekter Vorwurf gegen Spanair verstanden worden. Denn die spanische Gesellschaft hatte sich darauf beschränkt, den Alarm nur jeweils zu Tagesbeginn und nach einem Wechsel der Besatzung zu testen. Die Passage über das Unglück von 1987 wurde daher aus dem offiziellen Text des Berichts komplett gestrichen.

Unter den Mitgliedern der Ermittlungskommission gab es nach Angaben der Zeitung "El País" einen heftigen Streit über die Formulierungen. "Es ging nicht darum, etwas zu verschleiern", verlautete nach Angaben des Blatts aus dem Gremium. "Aber ein vorläufiger Bericht darf keine voreiligen Schlussfolgerungen ziehen."

Die Ermittler verwerfen eindeutig eine Reihe von Spekulationen, die in den ersten Tagen nach dem Unglück angestellt worden waren. Es war unter anderem vermutet worden, dass die Triebwerke dem Flugzeug beim Start nicht genügend Schub gegeben haben könnten und ein Triebwerk vielleicht sogar auf Umkehrschub gestellt war. "Eine erste Auswertung der Flugschreiber zeigt an, dass beide Triebwerke während des gesamten Unglücksverlaufs korrekt funktionierten", betonten die Ermittler in dem Bericht. "Es gibt auch keine Anzeichen für ein unnormales Verhalten der Umkehrschubsysteme."
(apa/red)