Nach Wahldebakel von

SPÖ: Drozda geht als Bundesgeschäftsführer

"Wahlergebnis muss Konsequenzen haben"

Nach Wahldebakel - SPÖ: Drozda geht als Bundesgeschäftsführer © Bild: APA/ROBERT JAEGER

Thomas Drozda zieht sich als SPÖ-Bundesgeschäftsführer zurück. Das teilte er Montagvormittag gegenüber Journalisten mit: "Ein Wahlergebnis wie gestern muss Konsequenzen haben." Er wolle mit diesem Schritt einen Reformprozess in Gang setzen.

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Betont wurde vom scheidenden Bundesgeschäftsführer, dass ihm gegenüber niemand Druck ausgeübt habe. Er habe heute Früh Parteichefin Pamela Rendi-Wagner über seinen Schritt informiert und diese habe ihn bedauert. Sein Mandat im Nationalrat wird Drozda "selbstverständlich" annehmen. Auch Kultur- und Mediensprecher will er bleiben.

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Steirischer SPÖ-Chef sagt sich los

Steiermarks LH-Stv. Michael Schickhofer (SPÖ) grenzt sich acht Wochen vor der Landtags- und kurz nach der NR-Wahl von der Bundespartei ab: "Die steirische SPÖ und ich persönlich stehen für einen zukunftsorientierten, eigenständigen und unabhängigen Kurs in der Sozialdemokratie", sagte er in einer "Kleinen Zeitung"-Diskussion. Er nehme bis auf weiteres keine bundespolitischen Funktionen mehr wahr.

Ob das ein Niederlegen oder Ruhendstellen von Schickhofers Funktionen auf Bundesebene bedeute, ließ sich Montagmittag vorerst nicht eruieren. "Wir werden unseren Kurs für die Steiermark konsequent und eigenständig umsetzen", sagte Schickhofer in der Diskussion unter anderem.

Viele prominente Abgänge bei Rot und Blau

Im Wesentlichen steht die personelle Zusammensetzung des künftigen Nationalrats fest. Die zeigt, dass es bei SPÖ und Freiheitlichen jede Menge lang gediente Abgeordnete erwischt hat.

Selbst bei der ÖVP, deren Klub sich ordentlich, aber nicht um Prominente, vergrößert, gibt es gemäß Ergebnis plus (SORA-)Briefwahlprognose Personalopfer. Star-Mathematiker Rudolf Taschner hat kein Mandat mehr und auch das des oberösterreichischen Langzeitabgeordneten Nikolaus Prinz, immerhin seit 1999 im Nationalrat, wackelt bedenklich vor der Briefwahl-Auszählung.

Bei der SPÖ muss Hermann Krist, immerhin seit 2002 im Hohen Haus, gehen, gleiches gilt für Walter Bacher aus Salzburg. Ausscheiden muss auch die frühere Staatssekretärin Muna Duzdar, vielleicht auch Sicherheitssprecherin Angela Lueger und fix SoHo-Vertreter Mario Lindner. Noch unsicher ist der Einzug von SJ-Chefin Julia Herr, eher dürfte es Barbara Teiber, die Vorsitzende der größten Einzelgewerkschaft GPA, schaffen. Fix neu ein Mandat hat dafür der frühere Bundesgeschäftsführer Max Lercher.

In der FPÖ heißt es etwa für den früheren niederösterreichischen Landesparteisekretär Christian Höbart nach elf Jahren Schreibtisch räumen. Auch Frauenchefin Carmen Schimanek hat derzeit kein Mandat. Gleiches gilt etwa auch für Maximilian Linder aus Kärnten, ebenso für seinen Landsmann Wendelin Mölzer und den Gewerkschafter Werner Herbert. Weichen muss weiters der frühere BZÖ- und Stronach-Politiker Robert Lugar, das gleiche blüht Gesundheitssprecherin Birgit Povysil und Seniorenvertreter Werner Neubauer. Nicht zuletzt hat - zumindest noch - Hans-Jörg Jenewein, immerhin Fraktionschef im BVT-U-Ausschuss, kein Mandat.

Senior Norbert Van Handel ist der bekannteste Neuzugang, Philippa Strache hat angekündigt zu verzichten, was aber noch nicht fix ist. Bei der FPÖ ist freilich die Mandatszuteilung immer besonders schwierig einzuschätzen, da hier oft noch auf Wunsch der Landesparteien Kandidaten ihre Mandate nicht annehmen. Ob es heuer im geschrumpften Klub auch so sein wird, muss man abwarten.