Sozialpartner wollen mehr Hitzeschutz für Arbeiter am Bau

von Sozialpartner wollen mehr Hitzeschutz für Arbeiter am Bau © Bild: APA/APA/dpa/Julian Stratenschulte

Vor allem am Bau ist die Hitze ein Thema

Vertreter der Sozialpartner sowie die staatliche Autobahnholding Asfinag sind am Dienstag zu einer Pressekonferenz ausgerückt, um angesichts zunehmender Tropentage auf entsprechende Belastungen für Arbeitnehmende aufmerksam zu machen. Mit der gemeinsamen Initiative wolle man das Bewusstsein für Schutzmaßnahmen schon vor der ersten Hitzewelle des Jahres stärken, so der Tenor bei dem Medientermin. Hervorgehoben wurde dabei vor allem die "Hitzefrei"-Option am Bau.

"Die Arbeit unter Hitze stellt eine große Belastung dar, insbesondere für jene, die mit Schwerarbeit konfrontiert sind", hielt der Vorsitzende der Gewerkschaft Bau-Holz (GBH), Josef Muchitsch, fest. Für die betroffenen Hackler sei Arbeit bei Temperaturen über 30 Grad nicht nur gesundheitsgefährdend, auch die Produktivität leide darunter. Es sei daher im Interesse aller, Arbeitnehmende unter solchen Bedingungen freizustellen, so der Gewerkschaftschef.

Muchitsch verwies auf die "Hitzefrei-Regelung" der Bausozialpartner, wonach es Arbeitgebern ab 32,5 Grad freisteht, ihre Arbeiter von den Baustellen abzuziehen. Wendet eine Baufirma die Regelung an, gibt es eine Entgeltfortzahlung von 60 Prozent und eine Refundierung an den Arbeitgeber durch die Bauarbeiter-Urlaubs- und Abfertigungskasse (BUAK).

Es sei wichtig, Arbeitgeber verstärkt über diese Möglichkeit zu informieren, damit von der Freistellung künftig mehr Gebrauch gemacht werde, so Muchitsch. Finanziert würden die Hitzestunden aus einem "Schlechtwetterfonds", in den Arbeitgeber sowie Arbeitnehmer gleichermaßen einzahlen - es entsteht dadurch also keine zusätzliche Belastung für die Steuerzahler, wie der SPÖ-Nationalratsabgeordnete erklärte.

Asfinag-Vorstandsdirektor Hartwig Hufnagl hob die Strapazen für Arbeiter auf Autobahnen unter der Asphalthitze im Sommer hervor. Als Arbeitgeberin habe man daher mit der Reduktion von Tätigkeiten an besonders heißen Tagen reagiert. "Wir versuchen, diese Tätigkeiten in die Randzeiten, in die Morgen- oder Abendstunden, zu verlagern", so Hufnagl.

Als große Auftraggeberin für die Bauindustrie wiederum trage die Asfinag den Wetterextremen damit Rechnung, dass Auftragnehmern eine gewisse Flexibilität bei der Erfüllung ihrer Verträge eingeräumt werde. "Die Auftragnehmer können dadurch disponieren und ihre Arbeiterinnen und Arbeiter an diesen Hitzetagen vor Ort abziehen", betonte Hufnagl, der um Verständnis unter Verkehrsteilnehmern bat, wenn es an solchen Tagen keinen Fortschritt auf den Autobahnbaustellen gebe.

Auch den Arbeitgebern sei der Schutz der Arbeiter ein großes Anliegen, zumal deren Leistungsfähigkeit unter extremen Wetterverhältnissen massiv sinke, sagte der Obmann des WKÖ-Fachverbands der Bauindustrie, Peter Krammer. "Trotzdem gibt es Baustellen, die so unter Termindruck sind, dass auch unter solchen Bedingungen zu arbeiten ist. Dafür bitte ich um Verständnis", ergänzte er. Um großer Hitze auszuweichen, setze die Branche vor allem auf einen zeitigen Baubeginn. Wichtig sei daher auch eine stärkere Sensibilisierung für die Thematik unter Anrainern, die dadurch Lärmstörungen in der Früh in Kauf nehmen müssten.

Begrüßt wurde die Initiative vom österreichischen Baukonzern Porr. "Die steigenden Temperaturen auf den Baustellen werden die Branche noch viele Jahre in Atem halten", wurde CEO Karl-Heinz Strauss in einer Aussendung zitiert. Aus diesem Grund habe das Unternehmen eine eigene Arbeitsgruppe eingerichtet. "Wir reagieren damit auf die wachsende Belastung durch die Hitze auf einigen unserer Baustellen. Im Rahmen dieses Schwerpunkts sind wir dabei, Maßnahmen zum Schutz unserer Mitarbeitenden auszutesten und auszuwerten", so Strauss.