"Soziales Gewissen" der Österreicher groß: Sozialer Ausgleich für zwei Drittel wichtig

Studie im Auftrag der Universität Wien durchgeführt Soziale Aufsteiger zahlen besonders ungern Steuern

"Soziales Gewissen" der Österreicher groß: Sozialer Ausgleich für zwei Drittel wichtig © Bild: APA

Rund zwei Drittel der Österreicher ist ein Ausgleich von sozialen Unterschieden wichtig: 37 Prozent stimmten im Rahmen einer Erhebung der Universität Wien vorbehaltlos zu, dass Leute mit höherem Einkommen durch höhere Steuern zum Gemeinwohl beitragen sollten. 36 Prozent der Befragten plädieren dafür, dass soziale Unterschiede weitgehend abgeschwächt werden sollen.

Von den Befragten standen laut der Studie etwa ein Viertel schon einmal oder mehrmals in prekären und damit unsicheren Beschäftigungsverhältnissen. Die Einstellung zu Fragen der sozialen Gerechtigkeit hängt weniger vom beruflichen Status als vielmehr von biografischen Erfahrungen wie Krisen oder Erfolgen ab.

Soziale Aufsteiger
Soziale Aufsteiger, die es von ganz unten ins soziale Mittelfeld oder darüber hinaus geschafft haben, zahlen ungern Steuern und halten wenig von Sozialleistungen: "Diese Menschen haben hart gekämpft und glauben, dass das, was ihnen gelungen ist, allen möglich sei", so die Sozialwissenschafterin Hilde Weiss vom Institut für Soziologie. Soziale Absteiger hingegen denken tendenziell sozialer: "Sie haben oftmals erlebt, dass das Individuum nicht immer alle lebensbestimmenden Faktoren im Griff hat und dass Chancen ungleich verteilt sind."

Moralische Grundsätze
Wenn es um die Politik geht, haben gerade die "unteren" sozialen Schichten das Gefühl, keinen Einfluss auf ihr Schicksal nehmen zu können. "Die oberen Einkommensschichten hingegen fühlen sich politisch gut vertreten und wissen, wen es zur Stärkung der eigenen Interessen zu wählen gilt", so Weiss. Generell hält man in Österreich wenig von Politikern: 37 Prozent der Befragten glauben, dass moralische Grundsätze in der Politik nichts mehr gelten.

(apa/red)