Sotschi von

Olympia: Schlierenzauer enttäuscht

ÖSV-Springer weint nach Platz elf statt eins und jagt weiter seinem letzten Ziel nach

Schlierenzauer © Bild: APA/Schlager

Im Gegensatz zu vielen anderen Sportlern, ob aus Österreich oder international, wird bei den ÖSV-Skispringern nicht tiefgestapelt. Plattitüden wie "mein Bestes geben" waren im Vorfeld der Olympischen Spiele in Sotschi kaum zu hören, sondern ganz klare (Medaillen-)Ziele. Und bei Gregor Schlierenzauer gibt es eben nur noch ein letztes großes Ziel, das in seiner Erfolgs-Sammlung noch fehlt.

Der 24-jährige Tiroler konnte einem am späten Sonntagabend (Ortszeit) im Kurz-APA-Interview gegen Mitternacht nur leidtun."Das Blöde ist halt das: Wenn ich es erwische, und manchmal gelingt mir wirklich ein guter (Sprung) so wie in der Qualifikation, dann bin ich vorne dabei. Es ist sehr ärgerlich", sagte Schlierenzauer mit belegter Stimme, während ihm die Tränen herunterkullerten. Platz 11 statt Platz eins hatte ihm zugesetzt.

Keine Maschine

Auch ein Schlierenzauer ist eben keine Maschine, sondern ein Sportler, der das ihm fehlende Einzel-Olympia-Gold noch holen möchte. "Er hat heute daneben gegriffen bei seinen Sprüngen. Es gibt eben gute und schlechte Tage", resümierte Cheftrainer Alexander Pointner im Auslauf des kleinen Olympia-Bakkens. Dabei hatte Schlierenzauer mit einem sehr guten Qualifikationssprung auf 104 m gezeigt, dass mit ihm zu rechnen ist.

"Es war angerichtet, irgendwie hat er das Fressen nicht gefunden", versuchte sich Pointner in einem Wortspiel und lobte Schlierenzauer für seine professionelle Vorbereitung, die nicht hätte besser sein können. "Aber es ist etwas ganz Besonderes in einer Karriere, wenn genau noch eines fehlt."

Gratwanderung

Weder am technischen, noch am körperlichen macht Pointner das Abschneiden Schlierenzauers fest. "Es ist einfach eine Gratwanderung zwischen Loslassen und Lockersein, wo man aufpassen muss, dass man noch genug aufmerksam ist", erklärte Pointner. Die mentale Ausgangs-Situation ist in so einem Fall eben speziell. "Es ist nur noch ein Schritt, der in zwei Stunden geschehen kann. Dann kann er sagen: 'danke, der Skisprungsport hat mir alles geboten'", veranschaulicht Pointner.

Die offensichtliche Zielsetzung vor dem Ereignis auch kundzutun und dahinterzustehen, schafft da keinen zusätzlichen Druck. "Er möchte seine Goldene gewinnen. Es wäre schade, wenn wir sagen, wir möchten gut springen und schauen, was rauskommt. Das sagt eh jeder und die lügen ja alle, aber die haben Angst, dass sie dann keine gewinnen."

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© GEPA pictures Schlierenzauer hat in Sotschi noch eine Chance auf Einzel-Gold

Das Resultat sei am Ende bei Nichterreichen des Ziels dasselbe. "Das spielt keine Rolle. Ich habe lieber eine Mannschaft, die sich das sagen traut. Jeder sieht, dass wir das Können haben. Wenn man mal keine gewinnt, bricht die Welt nicht zusammen. In einer Sportkarriere verliert man öfter, als man gewinnt."

Menschliche Seite

Die Tatsache, dass Schlierenzauer seine Enttäuschung so offen zeigte, mache ihn nur menschlich. "Der hat seine ganze Jugend geopfert und alles gewonnen bis auf Einzel-Gold. Selbst ein Janne Ahonen hat es bis jetzt noch nicht geschafft, deswegen hat er sogar ein Comeback gemacht."

Schlierenzauer, der sich am Montag mit einem Trip nach Sotschi und am Abend einem Besuch beim Biathlon ablenken wollte, hat bei diesen Spielen aber noch eine Chance, wenn es am Samstag (18.30 Uhr MEZ) auf der Großschanze erneut um Gold geht.

Kommentare

Es gibt eben Höhen und Tiefen in einem Sportlerleben, aber bei Allem was Gregor schon erreicht hat, kann er schon auf der Großschanze mit etwas Glück wieder gewinnen. Alles Gute, ich halte Dir die Daumen !

napy-one melden

Armes Bubi, ganz in Weis hat auch nicht geholfen. Hätte sowieso keine Chance gegen Stoch gehabt. Ein würdiger Olympia-Sieger.

Josef Seisl
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he vom Schlieri hab i sogar als 60 J an Respekt in meinen Augen einer der besten aller Zeiten was den Sport und Auftreten anbelangt,Du machst es schon Gregor Viel Glück Joschi

Jacek Jacewicz
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Gregor, viel Glueck, aber Du wiesst doch genau, dass Kamil nicht zu schlagen ist. Ich liebe Euch alle, ihr seid ( Kamil, Du, Thomas, Noriaki, Anders, Peter, Severin und alle anderen ) fantastische Sportler und dazu noch sympatische Leute. Aber alle konnt ihr nicht gewinnen ( eigentlich schade ). Gewinnen kann nur einer, Kamil Stoch.
Heisse Grusse und viel Erfolg im Kampf um Platz....2.

Jacek Jacewicz
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Herzliche Gruesse aus Polen an alle echten Skispringerfans aus Oesterreich! Und aus aller Welt!

Urlauber2620
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Und warum hat dann der ach so tolle Stoch nicht die Tournee gewonnen? Ach ja, ich weiss schon. Auf Olympia konzentriert.

Jacek Jacewicz
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Richtig.
Gregor hat die Tournee auch nicht gewonen. Auch auf Olympia konzentriert?

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