Konflikt von

Plant Nordkorea
einen neuen Atomtest?

Sorge über Eskalation: China wart vor einem Militärschlag

Kim Jong-Un © Bild: APA/ED JONES / AFP

Im Streit über eine atomare Bewaffnung Nordkoreas wachsen die Sorgen über einen baldigen Nukleartest und eine militärische Intervention der USA. China warnte US-Präsident Donald Trump eindringlich vor einem Militärschlag gegen das abgeschottete kommunistische Land. Trump verwies seinerseits darauf, dass der Flugzeugträger "USS Carl Vinson" in die Krisenregion unterwegs ist.

Satellitenbilder zeigen neue Aktivitäten

"Wir schicken eine Armada, sehr schlagkräftig", sagte Trump dem TV-Sender Fox. Nach mehreren Raketentests befürchten Beobachter, dass Nordkorea einen neuen Atomwaffentest unternehmen könnte - möglicherweise sogar zum 105. Geburtstag des Staatsgründers Kim Il-sung am Samstag, der als "Tag der Sonne" gefeiert wird. Das US-Korea-Institut der Johns-Hopkins-Universität berichtete, Satellitenbilder des Testgeländes im Nordosten zeigten anhaltende und neue Aktivitäten. Die Forscher berichteten wie im März schon von Anzeichen für Vorbereitungen. Das Gelände sei "gerüstet und bereit".

Nordkoreas Atomprogramm bereitet der internationalen Gemeinschaft seit Jahrzehnten Sorgen. Jüngste Schätzungen beziffern die Anzahl von Atombomben auf zwischen zehn (südkoreanisches Verteidigungsministerium vom Jänner 2017) und 21 (US-Organisation Institute for Science and International Security vom Juni 2016). Im Folgenden eine chronologische Liste der Atomsprengkörper-Tests:

  • In den 1960er-Jahren wurde das Atomzentrum in Yongbyon errichtet. Etwa 20 Jahre später begann das kommunistische Land mit der Entwicklung von Atomwaffen. 1994 zog Pjöngjang seine Mitgliedschaft in der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) nach 20 Jahren zurück.
  • Februar 2005: Nordkorea bekennt sich erstmals zum Besitz von Atomwaffen. Es verpflichtet sich im September zwar zur Aufgabe seines Nuklearprogramms, stellt die Vereinbarung aber wenig später wieder infrage.
  • Oktober 2006: Nordkorea startet den ersten unterirdischen Atomtest. Die Vereinten Nationen verhängen Sanktionen gegen Nordkorea, die nach weiteren Tests in den Folgejahren immer wieder verschärft werden.
  • Mai 2009: Das abgeschottete Land unternimmt einen zweiten Atomtest.
  • Februar 2013: Pjöngjang startet einen dritten Atomtest.
  • Jänner 2016: Das Land zündet nach eigenen Angaben erstmals erfolgreich eine Wasserstoffbombe, deren Sprengkraft üblicherweise um ein Vielfaches stärker ist als bei einer Atombombe. Experten in Südkorea und anderen Ländern bestätigen den vierten Kernwaffentest, bezweifeln aber, dass eine Wasserstoffbombe detonierte.
  • September 2016: Pjöngjang testet zum fünften Mal einen Atomsprengkörper. Südkoreas Militär spricht von der bisher stärksten Explosion bei einem nordkoreanischen Atomversuch. Ende November verhängt der UNO-Sicherheitsrat seine bisher schärfsten Sanktionen gegen Nordkorea.

China mahnt zur Vorsicht

Der US-Präsident forderte China indes erneut auf, den USA zu helfen, Druck auf Nordkorea auszuüben, sein Atom- und Raketenprogramm einzustellen. Bei einer Pressekonferenz mit NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg in Washington drohte der US-Präsident erneut damit, das Problem notfalls im Alleingang lösen zu wollen. Wenn China nicht helfe, "werden wir es alleine machen".

China warnte nachdrücklich vor einem Militärschlag. Die "Global Times", die vom Parteiorgan "Volkszeitung" herausgegeben wird, schrieb: "Militäraktionen gegen Nordkorea zu unternehmen, ist sehr viel riskanter als einen Raketenangriff gegen Syrien zu starten." Pjöngjang könnte Südkorea im Gegenzug "einen schweren Schlag zu versetzen". Ungeachtet seiner atomaren Fähigkeiten könnte der Einsatz einer "schmutzigen Bombe" gegen Südkorea schwere nukleare Verseuchung verursachen, die für den US-Verbündeten "unerträglich" sein werde.

In dem Leitartikel hieß es weiter: "Sobald Nordkorea sich an Chinas erklärten Rat hält und Atomaktivitäten aussetzt, wird China aktiv daran arbeiten, die Sicherheit einer atomwaffenfreien nordkoreanischen Nation und der Regierung zu schützten." Dies sei Pjöngjangs beste Option.

Spannungen spitzen sich zu

In den vergangenen Wochen haben die Spannungen zwischen Nordkorea und den USA zugenommen. Machthaber Kim Jong-un hatte mehrere Raketentest unternommen und damit gegen UN-Resolutionen verstoßen. Als Demonstration der Stärke wies Trump den Flugzeugträger "USS Carl Vinson" an, nicht wie geplant nach Australien zu fahren, sondern Kurs auf die Gewässer nahe der koreanischen Halbinsel zu nehmen.

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel sprach sich für eine politische Lösung aus. "Ich setze nicht auf militärische Mittel, sondern darauf, dass von verschiedenen Seiten starker politischer Druck auf Nordkorea ausgeübt wird." Für die gesamte Welt sei wichtig zu verhindern, dass sich Nordkorea nuklear bewaffnet.

US-Vizepräsident Mike Pence wird am Sonntag in Seoul erwartet, auch um mit amerikanischen und südkoreanischen Soldaten und ihren Familien das Osterfest zu feiern. Von Südkorea reist Pence am Dienstag nach Japan weiter, wo er Ministerpräsident Shinzo Abe treffen wird. Vor dem Außen- und Verteidigungsausschuss des Oberhauses in Tokio warnte Abe vor den Chemiewaffenfähigkeiten Nordkoreas. Laut Medien sagte Abe, es bestehe die Möglichkeit, dass Nordkorea bereits über das Know-How verfüge, mit mit Sarin-Gas bestückten Sprengköpfen anzugreifen.

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