Sorgen um Milan Baros: Unaufgeregter Empfang für tschechisches National-Team

EM-Torschützenkönig laboriert noch an Fußprellung Gruppe E: Tschechen zum Auftakt gegen die USA

Mit reichlich Zuversicht, aber neuen Sorgen um EM-Torschützenkönig Milan Baros ist die tschechische Nationalmannschaft in Deutschland eingetroffen. Auf dem abgelegenen Flughafen Siegerland bestaunten 400 Fans am Mittwoch die Ankunft des hochgehandelten Weltranglisten-Zweiten um Leitwolf Pavel Nedved - und die erste Landung einer Boeing 737-800. Noch vor dem Abflug in Prag hatte Staatspräsident Vaclav Klaus dem Team mit Blick auf die schweren WM-Gruppenspiele gegen die USA, Ghana und Italien Mut zugesprochen: "Habt keine Angst."

Für einen längeren Blick in die Zimmer des 20 Kilometer vom Flughafen entfernten noblen Lindner Hotels nahe Westerburg mit Seeblick, Golfplatz und Sauna-Landschaft blieb den Neuankömmlingen nur wenig Zeit. Schon am Nachmittag bat Trainer Karel Brückner, für den vor dem Hotel ein eigener Golf-Elektro-Caddy bereitstand, auf dem gepflegten Rasen des heimischen Schulstadions zum Training. Fünf Tage vor dem Spiel in der Gruppe E gegen die Amerikaner in Gelsenkirchen wächst auch bei einem gestandenen Profi wie Nedved (Juventus Turin) die Anspannung: "Von einer WM-Teilnahme haben Generationen tschechischer Fußballer geträumt. Auch ich."

16 Jahre ist das letzte WM-Spiel der Tschechen (damals CSFR) her: Damals kam das Aus im Viertelfinale (0:1) gegen den späteren Weltmeister Deutschland. Die Chancen auf ein erfolgreicheres Abschneiden haben sich in den vergangenen Tagen erhöht. Rechtzeitig zur Ankunft konnte Brückner zumindest in einer Hinsicht aufatmen: Sowohl der kongeniale Nedved-Helfer Tomas Rosicky (Muskelprobleme) als auch Tomas Galasek (Knieprobleme), die in den vergangenen Testspielen geschont wurden, kehrten ins Mannschaftstraining zurück.

Allerdings bereitet Baros' Verletzung weiterhin Kopfzerbrechen. Auf Grund einer Fußprellung, die er sich im letzten Testspiel gegen Trinidad und Tobago zugezogen hatte, fehlte der Angreifer von Aston Villa beim ersten Training in Deutschland. "Ich kann keine Prognose über Milan abgeben, aber die Mediziner sind optimistisch", sagte Brückner mit Blick auf das USA-Spiel.

Nur gut, dass Baros' Sturmkollege Koller nach siebenmonatiger Zwangspause ein beachtliches Comeback feierte. Wie ein Heilsbringer feierten die Fans den von einem Kreuzbandriss genesenen Hünen am Samstag beim 3:0 gegen Trinidad und Tobago, zu dem er zwei Tore beisteuerte. Der bisher für Dortmund spielende Angreifer Koller gab sich bei der Ankunft im WM-Quartier ähnlich höflich wie die Gastgeber: "Mit so einem warmen Empfang haben wir nicht gerechnet."

Die Erwartungshaltung in der Heimat ist beträchtlich. Wie eine Umfrage ergab, glauben 60 Prozent der Tschechen an ein Weiterkommen in der kniffligen Gruppenphase. An Unterstützung durch die Anhänger wird es nicht mangeln: Rund 30.000 Landsleute haben sich nach Angaben des tschechischen Verbandes mit WM-Karten eingedeckt.

(apa)