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Vitamin D: Mangel
durch Sonnencreme?

Nachgefragt - Vitamin D: Mangel
durch Sonnencreme? © Bild: iStockphoto.com

Vitamin D wird in erster Linie durch Sonneneinstrahlung produziert. Was aber, wenn Sonnencreme die Strahlen daran hindert, in die Haut einzudringen? Beeinträchtigt das die Vitamin-D-Produktion? Und wenn ja, ab welchem Lichtschutzfaktor zeigt sich ein entsprechender Effekt?

Ein Mangel an Vitamin D im Kindesalter kann zu Rachitis, sprich Knochenschwund oder einem fehlerhaften Aufbau des Knochengerüsts, führen. Bei Erwachsenen steigt das Risiko für Osteoporose oder Osteomalazie, einer schmerzhaften Erweichung der Knochen. Mit anderen Worten: Vitamin D ist für einen gesunden Knochenstoffwechsel und -aufbau unerlässlich. Gebildet wird Vitamin D in der Haut unter der Einwirkung von UVB-Strahlung. Zwar kommt Vitamin D auch in Nahrungsmitteln vor - allen voran in Fisch, Eiern und Käse -, das allerdings nur in geringen Mengen. Damit unser Körper mit ausreichend Vitamin D versorgt ist, brauchen wir also die Sonne.

Vitamin-D-Mangel wegen Sonnencreme?

Um einem Sonnenbrand vorzubeugen, tragen wir Sonnenschutzmittel auf. Damit wiederum halten wir bis zu einem gewissen Grad die UVB-Strahlen davon ab, in unsere Haut einzudringen. Was ja auch Sinn der Sache ist. Hier stellt sich aber die Frage: Wird durch das Auftragen von Sonnencreme die Bildung von Vitamin D gehemmt? Dazu Dr. Harald Maier von der MedUni Wien: "Jedes Sonnenschutzmittel mit UVB-Schutz verringert die Vitamin-D-Produktion." In welchem Ausmaß dies geschieht, hängt von verschiedenen Faktoren ab, nämlich wie dick man das Sonnenschutzmittel aufträgt, wie häufig man nachcremt und wie hoch der Lichtschutzfaktor ist.

»Jedes Sonnenschutzmittel mit UVB-Schutz verringert die Vitamin-D-Produktion«

Bemerkbar macht sich dieser Effekt ab einem Lichtschutzfaktor von 15. Je höher der Lichtschutzfaktor, desto größer natürlich der Einfluss auf die Vitamin-D-Produktion. Wobei hier noch ein anderer Faktor eine Rolle spielt: der Hauttyp. Je dunkler die Haut, desto eher werden die UVB-Strahlen am Eindringen gehindert. Umgekehrt bedeutet das: Menschen mit blasser Haut produzieren schneller Vitamin D als Menschen mit dunkler Haut. Was bedeutet diese Erkenntnis nun aber für uns? Sollen wir, damit unser Körper genügend Vitamin D herstellen kann, die Verwendung von Sonnencreme einschränken?

Sollen wir auf Sonnencreme verzichten?

Keineswegs! "Vitamin D wird bei regelmäßiger Bestrahlung des Gesichts und der Hände produziert", erklärt der Dermatologe. Ob dies reicht, um den Bedarf zu decken, kann allenfalls via Bluttest ermittelt werden. Dabei gilt aber die Devise: Lieber durch die Gabe von Vitamin-D-Präparaten nachhelfen als einen gefährlichen Sonnenbrand riskieren. Wovon Maier allerdings abrät, ist die permanente Verwendung von Kosmetika mit Lichtschutzfaktor 30 oder mehr. "Das ist kontraproduktiv", mahnt Maier, dem zufolge die Haut im Gesicht und an den Händen besonders gut an die Vitamin-D-Synthese angepasst ist.