Der Check von

Eurovision Song Contest:
Die Prognose zum Finale

Wer heute Abend gewinnen sollte - und wer es tatsächlich könnte

  • SONG CONTEST 2015
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    Song-Contest-Finale 2015

    Der Gewinner steht fest!

  • Song Contest 2015
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    Song-Contest-Finale 2015

    Die Moderatorinnen Arabella Kiesbauer, Mirjam Weichselbraun und Alice Tumler am Final-Abend

Der große Tag ist da. Heute Abend steigt das Song-Contest-Finale in der Wiener Stadthalle, das Event des Jahres (ab 20 Uhr hier im Song-Contest-LIVE-TICKER). News.at hat vorab die Kandidaten noch einmal genau unter die Lupe genommen und wagt eine Prognose: Wer den ESC gewinnen sollte und wer ihn tatsächlich gewinnen könnte. Und wo in dieser Bandbreite Österreich zu finden sein wird. Außerdem fragen wir Sie: Wer ist Ihr Favorit?

THEMEN:

Eines gleich vorweg: Wer eine Vorliebe für langwierige Eröffnungen inklusive Erfüllung aller möglichen Wien-Klischees (Stichwort Sängerknaben und Wiener Philharmoniker) hegt, der sollte heute Abend pünktlich um 21 Uhr das Fernsehgerät einschalten. Für den Rest: Nur kein Stress!

© Video: APA

Wer gewinnen sollte

Dennoch gilt es heute, pünktlich zum ersten Beitrag präsent zu sein, denn mit Slowenien eröffnet auch gleich der erste wirklich hörenswerte Beitrag dieses Grande Finales. Das Ehepaar und Duo Maraaya liefert mit „Here For You“ einen schwungvollen Popsong, der nicht nur für die drei Minuten hängen bleibt – vor allem auch dank Marjetkas prägnanter Stimme. Top-Beitrag, auch unter der weiteren Favoriten-Riege, aber für einen Sieg wird es vermutlich nicht reichen.

In dieselbe Kategorie fällt auch Belgiens Beitrag (Startnummer 13): Loic Nottet liefert mit seiner Bass-Nummer „Rhythm Inside“ eine sowohl musikalisch als auch visuell, in schlichtem schwarz-weiß gehaltenen Style, überaus ansprechende Performance, die sich vom üblichen Song-Contest-Einheitsbrei deutlich abhebt und richtig gut tut. Leider aber wohl zu sehr abseits des ESC-Mainstreams, um eine reale Siegerchance zu haben.

Der beste Beitrag


Den musikalisch eindeutig besten Beitrag des Abends liefert mit Startnummer vier das estnische Duo Elina Born und Stig Rästa, die mit „Goodbye To Yesterday“ einfach richtig gute Musik machen. Die Stimme Stig Rästas erinnert an eine Melange aus Nick Cave und Calexico und auch die Klänge könnten von der Tex-Mex-Gruppe stammen. Wirklich gelungen, aber leider wohl zu wenig bombastisch, um den Sieg beanspruchen zu können – allerdings lässt der zweite Platz des letztjährigen Duos aus den Niederlanden, den Common Linnets, hier eine kleine Hoffnung leben.

Hoffen auf Punkte für...

Ebenfalls als Highlights mit allerdings geringen Siegerchancen sollten die Beiträge von Norwegen (eine Disney-Ballade, die nicht gänzlich ausufert), Zypern (angenehme Akustik-Ballade einem Hauch von Weihnachts-Touch), Lettland (esotherische Björk mit großer Stimme dafür ohne großen Pathos) sowie Ungarn (eine liebe Anti-Kriegs-Öko-Ballade, die viel zu sanft ist für eine Wiener Stadthalle und diese Veranstaltung) hervorgehoben werden. Ihnen bleibt zu wünschen, zumindest nicht ganz punktelos Wien wieder zu verlassen.

Außenseiter-Chancen

Auf etwas größere Chancen mit Hinblick auf einen Top-Platz darf hingegen Israels „Golden Boy“ hoffen. Nadav Guedj bringt mit seinem Song endlich etwas Stimmung in die Halle – und vermutlich in die Voting-Telefone. So schaut gute Laune wirklich aus, die musikalische Qualität des nach Balkan klingenden Smashers einmal außen vor gelassen.

Serbien schlägt in dieselbe Kerbe: Gute-Laune-Pop-Techno für den gemeinen Song-Contest-Geschmack liefert Bojana Stamenov. Die Glitzerkugel-Queen muss man einfach mögen, auch wenn hier die Musik ebenso keine für die Ewigkeit ist. Gute Chancen auf einen Top-Platz!

Und auch der „Ehrengast“ in der 60. Song-Contest-Runde hat für seinen ersten Auftritt gut recherchiert: Australien gliedert sich beim Debüt bestens in diese Reihe ein: Mit Kylie-Minogue-Pop und Surfer-Etikette gibt es für Down Under mitnichten einige Sympathiepunkte. Zum Sieg wird es aber nicht reichen.

Duell um den Sieg?

Auf diesen dürfen aber zwei Nationen in diesem Jahr ganz besonders hoffen: Zum einen das viel gehypte Schweden , das der Nutznießer der Self-Fulfilling-Prophecy werden könnte. Als großer Favorit wird Mans Zelmerlöw seit Beginn des Events gehandelt und schon allein dadurch genießt er wohl eine größere Aufmerksamkeit als die meisten seiner Rivalen. Sein Song „Heroes“ selbst ist kein genialer Wurf, aber durchaus Radio-Heavy-Rotation-tauglich. Womit der glatte, wie für den Mainstream geschaffene, Sänger zudem vielerorts punkten wird, ist seine Gesamtperformance: Den unwiderstehlichen Charme der Interaktion mit den projizierten Strichmännchen müssen auch die Konkurrenten neidlos anerkennen.

Sollte wider erwarten Schweden seinen Favoritenstatus nicht ausnutzen können, drängt sich eine zweite Nation auf, die ebenfalls als denkbarer Sieger das österreichischen Event des Jahres beschließen könnte: Italien . Il Volo liefern mit „Grande Amore“ zwar ebenso großen Schmalz, Pathos und Kitsch, dass es vor Fett nur so trieft, doch das Triumvirat macht dies nicht in Pop- sondern Opern-Form, was das gewisse Extra ausmacht. Auch wenn der weltbekannte feine, italienische Stil woanders liegen mag, bei Italophilen wird die Nummer garantiert für „Grande Amore“ inklusive Gänsehaut sorgen. Die große Frage – die für die Wahl zwischen Schweden und Italien, dem hohen Norden und dem heißen Süden Europas die Letztentscheidung sein könnte – lautet: Was sagt (votet) der Rest?

The Makemakes
© APA Das brennende Klavier wird wohl nicht viel helfen

... und Österreich?

„I’m Yours“ von den Makemakes ist zwar eine durchaus passable Nummer, die musikalisch über Österreichs ESC-Durchschnitt liegt, vor allem aufgrund der schönen Rockstimme Dominic Muhrers. Dennoch fehlt trotz brennenden Klaviers das gewisse (Song-Contest-)Extra, um in den vorderen Rängen mitmischen zu können. Aber diese (man kann es bereits sagen: bravourös gemeisterte) Herausforderung hätte man der kleinen Alpenrepublik ohnehin kein zweites Mal zutrauen mögen.

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