Song Contest von

Paenda: Österreichs Kandidatin
für den Song Contest polarisiert

In jedem Fall wäre ein Erfolg für die Steirerin ein Sieg für Mut und Unbeugsamkeit

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Paendas Weg zum Song Contest begann genau genommen schon vor zehn Jahren. Da war die Steirerin aus Deutschlandsberg 21 Jahre alt und hatte eine Ausbildung im Kolleg für Mediendesign sowie ein Jahr Psychologiestudium hinter sich. Ihre Freunde quittierten diesen beruflichen Weg nur mit Kopfschütteln und fragten: "Wann machst du bitte endlich etwas mit Musik?"

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Paenda, damals noch unter ihrem bürgerlichen Namen Gabriela Horn bekannt, musste 21 werden, bis sie den Mut fand, ihre Leidenschaft in den Mittelpunkt zu rücken. Lange hatte sie Sorge gehabt: "Dass der Spaß an der Musik abhanden kommt, wenn sie zu druckbehaftet wird." Sie ging nach Wien und studierte Jazz und Pop am Vienna Music Institute.

Zehn Jahre später hat sie in Österreichs Elektropop-Szene mit ihrem ausgefeilten Stil die Nase vorn, zwei Alben veröffentlicht und ist als Autodidaktin nebenbei Produzentin geworden. Dass sie als Alternative-Act Österreichs Beitrag zum Song Contest liefert, hält sie für ein "cooles Statement für Österreich". Für Programmdirektorin Kathrin Zechner ist die "Vollblut-Profimusikerin mit ihrer eindringlichen Botschaft ein positives Signal gegen Herabwürdigung" - so die Begründung von Paendas Wahl. In ihrem Song für Tel Aviv, wo der 64. Sängerwettstreit ausgetragen wird, geht es um den gesellschaftlichen Druck, stets perfekt sein zu müssen, für den man sich zu oft verbiegt.

Die bewusst reduzierte Elektropop-Ballade wird entweder geliebt oder gehasst. Dazwischen gibt es kaum etwas. Fans lieben den atmosphärischen Sound und Paendas klare Stimme, Kritiker maulen über Fadesse mit Falsettstimme. Wie Europa das sieht, entscheidet sich im zweiten Semifinale (16. Mai, 21.00 Uhr, ORF 1), wo sich Paenda mit Startnummer neun für die Finalsendung am 18. Mai (21.00 Uhr, ORF 1) qualifizieren muss.

Das Gefühl, bewertet zu werden - oft mit hässlichen Kommentaren - schreckt die Musikerin nicht. "Im Grunde wird man im Musikbusiness doch immer am Erfolg gemessen. Nur wird nie so offen darüber geredet wie beim Song Contest. Da redet halt jeder mit", sagt sie gelassen.

Paenda
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Der Weg zum "Mittelfinger"-Lied

Paenda freut sich darauf, "als weibliche Figur in einer extrem männerdominierten Industrie der breiten Öffentlichkeit zu zeigen, dass es auch anders geht", wie sie erzählt. Das Frauen andere Musik als Pop machen, mit Technik umgehen können, das haben ihr Männer oft nicht zugetraut, so Paenda. "Das hat zu Machtkämpfen geführt, bei denen ich das Gefühl hatte, die Kontrolle über meine Lieder zu verlieren, nur weil ein Mann dachte, er weiß besser, wie das klingen soll", erinnert sie sich. Das war etwa 2016, als sie begann, unter dem Künstlernamen Paenda ihren Elektropop zu produzieren. Sie reagierte defensiv, zog sich zurück, war unglücklich. Doch dann stellte sie sich die richtigen Fragen: "Warum habe ich das bekommen vom Leben? Was soll ich daraus lernen?"

Heute weiß sie es und streckt früheren Wichtigtuern mit dem Song "I Like The Way You Hate Me" den metaphorischen Mittelfinger entgegen. "Männer führen ja die gleichen Machtkämpfe, aber ich bin draufgekommen, dass die ruhig bleiben und von sich überzeugt", hat sie damals analysiert und bemerkt, dass ihr der hundertprozentige Glaube an sich und ihr Werk fehlte. "Ich habe gemerkt, dass ich mir selbst nicht genug Respekt gebe. Also wie sollen mich dann andere respektieren? Das war eine große Lektion. Seit ich das mit mir geklärt habe, gibt es viel weniger Einmischung", definiert Paenda einen richtungweisenden Punkt in ihrem Leben.

»"Ich mache, was mich als Mensch glücklich macht. Das kann mir niemand nehmen."«

Erfahrungen wie diese wurden auf ihrem aktuellen Album "Evolution II" zu Liedern wie "Love Myself", einer ohrwurmträchtigen Ode an das Vertrauen in eigene Fähigkeiten. "Everything I'm Not" heißt ein anderer Song, der sich mit Erwartungshaltungen beschäftigt. "Ich könnte mich gefällig machen, um den gängigen Bildern zu entsprechen: dünn sein, immer lächeln, nichts Falsches sagen. Aber ich habe gemerkt: Das bin ich einfach nicht. Auch wenn es bedeuten würde, dass ich keinen Erfolg habe, werde ich mich keinen Millimeter verbiegen."

Egal, wie viele Punkte es für Paenda kommenden Donnerstag gibt, gewonnen hat die 31-Jährige schon: "Ich mache, was mich als Mensch glücklich macht. Das kann mir niemand nehmen."