Song Contest 2012 von

Vollgas in Baku

Trackshittaz Lukas Plöchl und Manuel Hoffelner über Trängen, Ängste und getrennte Wege

Song Contest 2012 - Vollgas in Baku © Bild: NEWS/Zach-Kiesling

Das Feintuning der Show ihres Lebens steht derzeit auf dem Programm von "Trackshittaz“ mit ihrem Song "Woki mit deim Popo“ beim ersten Song-Contest-Halbfinale am 22. Mai in Baku auf der großen Bühne stehen.

Bis zu 23.000 Menschen werden in der extra für den Event gebauten, 100 Millionen teuren "Crystal Hall“ live die Performance der Oberösterreicher verfolgen - 120 Millionen Fans sind via TV (Ablauf siehe Kasten Seite 27) dabei. "Wir werden konditionell an unsere Grenzen gehen. Wir wollen beim Song Contest nicht nur mitspielen, sondern werden alles riskieren“, verspricht Plöchl im Interview mit NEWS.

Meilenstein-Kalender
Zum 57. Mal wird der europäische Song-Wettbewerb ausgetragen. Erst einmal konnte Österreich den Sieg einfahren - 1966 mit Udo Jürgens und seinem "Merci Chérie“. Seither dümpeln heimische Beiträge zumeist im hinteren Mittelfeld dahin - Nadine Beiler wurde im Vorjahr 18. Danach ist es still um sie geworden. Diesem Schicksal wollen die Trackshittaz trotzen. Plöchl: "Egal wie der Contest ausgeht, wir haben einen fixen Meilenstein-Kalender, wie es für uns weitergeht.“ Kurz vor ihrem Abflug nach Baku ließen es sich die beiden Musiker nicht nehmen, für NEWS trotz Termindrucks noch einmal nur zum Spaß Vollgas zu geben - diesmal im Wiener Prater. Danach ging es, vorbei an den Figuren von "Calafati“ und der Glücksgöttin "Fortuna“, zum Talk...

NEWS: Bisher wurdet ihr als Helden gefeiert, die das Land beim Song Contest vertreten. In Österreich wird man schnell zum Watschenmann der Nation, wenn man schlecht abschneidet. Angst?
Lukas Plöchl: Wir sind auch schon jetzt nur Helden mit einem schwarzen Schatten. Unser Image ist eben schwierig: Wir sind die Proleten und waren schon die ärgsten Sexisten, die Frauen als zweitklassig ansehen. Schau, wir leben noch immer, und es macht uns Spaß, darum haben wir sicher keine Angst vor irgendwas. Wir sind sowieso nicht die braven Bubis, die man in die Welt schickt und die dann weinen, weil es nix geworden ist. Tränen der Enttäuschung wird es bei uns sicher nicht geben.

NEWS: Wenn man nach den Buchmachern geht, wird der Einzug ins Finale für euch zur echten Zitterpartie.
Plöchl: Mir kommt vor, die rechnen nach dem Mondkalender. Mir ist das im Prinzip egal, was da herumgerechnet wird. Wir wollen und werden eine gute Show machen.
Manuel Hoffelner: Bisher sind wir ja nur Halbgas gefahren mit unseren Auftritten. Aber beim Song Contest geben wir so richtig Vollgas.
Plöchl: Wir treten ja nicht mit einem Alibi-Lied auf, das auf irgendeiner Welle mitschwimmt und mit dem wir vielleicht das Mittelfeld besetzen. Ich glaube, es kann alles passieren: Entweder wir kommen richtig gut an, oder es ist ein Schuss nach hinten. Wir wollen beim Song Contest nicht nur mitspielen, sondern wir sind bereit, alles zu riskieren. Wenn’s nicht klappt in Baku, dann ärgert man sich halt einen Tag, und dann geht es wieder weiter.

NEWS: Und wie?
Plöchl: Wir haben schon unseren fixen Meilenstein-Kalender, der ganz unabhängig vom Ausgang in Baku ist. Im Herbst kommt mein Soloalbum, das ein bisschen anders klingen wird als die Trackshittaz.

NEWS: Nervt ihr euch etwa schon, dass ihr dann getrennte Wege geht?
Hoffelner: Es will halt jeder seine eigene Sache machen. Ich denke an ein Soloalbum dann im Sommer oder Herbst 2013. Aber es wird ja dazwischen auch noch ein Trackshittaz-4-Album geben.
Plöchl: Wir mögen uns sehr, aber es gibt viele Dinge, die wir musikalisch gemeinsam nicht machen können.
Ich will meinen eigenen Schmäh und Themen, die mich beschäftigen, umsetzen. Darum geht’s.

NEWS: Euer Leben ist innerhalb weniger Monate mehr als turbulent und zu einer Hochschaubahnfahrt geworden. Mal wart ihr ganz oben, dann wieder unten, jetzt wieder oben. Wie verkraftet ihr das?
Plöchl: Ja, das frage ich mich selbst manchmal. Ich war vor ein paar Tagen krank und habe nachgedacht, ob das wegen der vielen Arbeit ist. Aber dann habe ich mir gedacht, dass ich ein Weichei bin, wenn ich so denke.
Das Achterbahngefühl habe ich eigentlich jeden Tag. Denn ich bin eigentlich generell wenig zufrieden mit mir und muss mir meine Hochs immer selbst hervorrufen. Das Krafttraining gibt mir da viel.
Und mir ist wichtig, dass ich selbstbestimmt bin. Darum beiße ich durch und hole das Maximum aus mir raus. Auch wenn es momentan wirklich an die eigenen Grenzen geht.

NEWS: Und wenn es mit der Musik nicht mehr klappt, was dann? Gibt es einen Plan B?
Hoffelner: Sollte das wirklich sein, dann würde mich Musikvideoproduktion interessieren. Aber ganz ohne Musik, das wäre nichts für mich.

NEWS: Du hast Matura, aber machst du jetzt neben der Musik noch eine Ausbildung?
Hoffelner: Nein, das geht sich zeitlich nicht aus. Die Matura zu machen mit Hängen und Würgen, das war mir Stress genug. Aber im Endeffekt habe ich’s irgendwie geschafft. Das reicht mir jetzt einmal.

NEWS: Wenn man an Nadine Beiler zurückdenkt: Sie war im Vorjahr nach dem Song Contest ganz schnell wieder weg aus der öffentlichen Wahrnehmung. Gibt euch das nicht zu denken?
Plöchl: Die Nadine hatte ein Wahnsinns-Stimmorgan. Aber die Imagefindung war ihr Problem. An sie gab es beim Contest außerdem große Erwartungen. Das ist ja bei uns nicht so. Uns traut man von Haus aus nichts zu. Wir sind die Underdogs.
Auf der Bühne werden wir aber dann so richtig abliefern, wirst sehen. Und alle werden staunen. Aber egal, wie der Song Contest ausgeht, wir werden uns nicht die Laune verderben lassen.

NEWS: Wer hat euch so viel Selbstvertrauen mitgegeben?
Hoffelner: Bei uns in Oberösterreich, im Mühlviertel, ist jeder so (lacht). Bei mir war’s die Mama, die mir gesagt hat, wie der Hase läuft.
Plöchl: Ich hab das von meinem Papa eingeimpft bekommen. Er war ja lange Tischtennistrainer der österreichischen Damen-Nationalliga und kommt aus China. Und dort sind nur die Stärksten durchgekommen. Ich hätte das nicht überlebt, was er alles durchgemacht hat.

NEWS: Bist du stolz auf deine asiatischen Wurzeln?
Plöchl: Ja, aber genauso stolz bin ich auch darauf, dass ich aus dem Mühlviertel komme. Das war ein langer Lernprozess, so weit zu sein. Ich hatte eine Zeit, da war ich sehr pro-österreichisch. Das darf man nicht mit rassistisch verwechseln, was schnell gemacht wird. Und dann war ich voll auf China-Welle. Da hat mir mein Papa dann den Kopf gewaschen und gesagt, dass ich nicht gegen Österreich, das Land, in dem ich lebe, sein darf.

NEWS: Wie oft warst du schon in China?
Plöchl: Einmal als Kind und dann, als ich 15 Jahre alt war. Ich bin damals hin und dachte mir, ich weiß viel über das Land. Aber das Bild, das hier von China und Peking vermittelt wird, ist falsch. Es ist nicht so, dass dort alle Leute unterdrückt werden. Wenn man mit den Menschen spricht, sind 80 Prozent dort zufrieden und sagen, dass es eben politisch schwierig ist, so ein großes Land zu führen. Die Leute arbeiten viel, bringen Leistung. Das hört man in Europa eben nicht gern. Davor hat man Angst. Und weil ich in China gesehen habe, dass vieles anders ist, als man hier übermittelt bekommt, ist mir das auch für Baku eine Lehre: Ich werde mir die Stadt und das Land erst einmal selbst genau ansehen, bevor ich mich zu den Zuständen in Aserbaidschan irgendwie äußere.