Sommerzeit auch wenn es schneit: Uhren
werden wieder eine Stunde vorgestellt

Langschläfer müssen jetzt wieder früher aufstehen Mehrere Atomuhren garantieren genaue Umstellung

Sommerzeit auch wenn es schneit: Uhren
werden wieder eine Stunde vorgestellt © Bild: APA/Pfarrhofer

Auch wenn der Westen Österreichs gerade noch jede Menge Schnee abbekommen hat, wird in der Nacht auf Sonntag wieder an der Uhr gedreht und die Sommerzeit den Langschläfern eine Stunde in den Betten kosten. Um 2.00 Uhr "springen" die Zeiger auf 3.00 Uhr, dafür gewinnen wir am Abend 60 Minuten Tageslicht. Erst am letzten Sonntag im Oktober, heuer am 25., bekommen Morgenmuffel die Stunde zurück.

Während die einen vor dem Schlafengehen ihre Uhren neu einstellen, schreiten die meisten wohl erst nach dem Frühstück zur Tat - und ganz besonders glückliche "Zeitgenossen" besitzen eine Funkuhr, die - wie die Chronometer an Bahnhöfen oder Flughäfen - dies von selbst erledigen. Dieser Impuls, er stammt von der Atomuhr in Braunschweig, wird aus der Nähe von Frankfurt ausgesandt.

Mehrere Atomuhren in Wien
Dabei verfügt das Österreichische Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen in Wien über mehrere Atomuhren, die mit Hilfe der Schwingungen von Cäsiumatomen extrem genau gehen: In einer Million Jahre beträgt die Abweichung gerade eine Sekunde, so Werner Mache, Leiter des Labors für Zeit- und Frequenzmessung. "Sehr viel genauer als das Frankfurter Signal könnten wir das auch nicht machen." Deshalb, und vor allem weil keiner für den Service bezahlt, überlässt man den Deutschen die Arbeit.

Davon hat man beim Bundesamt in Ottakring ohnehin genug, gilt es doch, die gesetzlich verbindliche Österreichische Normalzeit "darzustellen", nach der sich etwa ORF, Post oder ÖBB zu halten haben. Allerdings erlaubt man sich keine Extrawürste, sondern "hängt so dicht wie möglich an der UTC, der koordinierten Weltzeit, verriet Mache. Auch Private können davon profitieren und unter http://www.metrologie.at/index.html/ ihre Rechner oder Netzwerke zeitlich synchronisieren. Sicher ein Vorteil, wenn man bei einem Internet-Auktionshaus sein Gebot im allerletzten Moment platzieren möchte.

Herr über die Zeit
Mache ist Herr über drei Atomuhren, die einander als Backup-System dienen, da es mühsam wäre, sich bei einem Totalausfall den exakten Startpunkt zu holen. Das älteste Exemplar läuft einfach noch mit, so lange es funktioniert. Optisch gibt der 30, 40 Kilogramm schwere "Kasten" mit einem Format von etwa 70x20x100 Zentimetern wenig her - "Eher ungewöhnlich für eine Armbanduhr", so Mache, der mittlerweile auch Funkuhr trägt. Da Österreich mit seinen Atomuhren zur UTC beiträgt, ist er auch ein klein wenig am Signal beteiligt, das aus Frankfurt an sein Handgelenk gesandt wird. Schließlich wird auch die Weltzeit nicht über eine, sondern über alle Atomchronometer gemeinsam ermittelt.

Die Umstellung zwischen Sommer- und Winterzeit programmiert Mache schon Monate vorher - mit einem unangenehmen Nebeneffekt: "Ich selbst vergesse immer wieder und komme erst später drauf", gestand der Hüter der Österreichischen Zeit.

Sommerzeit in Europa 1973 eingeführt
Eingeführt wurde die Sommerzeit 1973 in Europa anlässlich der Ölkrise und mit dem Ziel, Energie zu sparen. Mit der Zeitverschiebung sollte eine Stunde Tageslicht für Unternehmen und Haushalte gewonnen werden. Frankreich machte damals den Anfang.

Österreich beschloss die Einführung erst 1979 wegen verwaltungstechnischer Probleme und weil man eine verkehrstechnische Harmonisierung mit der Schweiz und Deutschland wünschte. Diese beiden Länder führten die Sommerzeit auch erst 1980 ein. Allerdings gab es in der Alpenrepublik bereits im Ersten Weltkrieg schon einmal die Sommerzeit. Im Jahr 1916 galt sie für die Monarchie vom 1. Mai bis 30. September, wurde dann aber wieder eingestellt. Ein zweiter - auf Dauer erfolgloser - Versuch wurde in den Jahren 1940 bis 1948 unternommen.
(apa/red)